Deutsche Biogas AG: Wirbel um Biogasfirma in Friesoythe
Deutsche Biogas AG im Rechtsstreit wegen angeblicher Veruntreuung
Von Jörg Schürmeyer
Friesoythe - Wirbel um die Deutsche Biogas AG: Nach einem Bericht der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ (HAZ) soll der Vorstand des Biogasunternehmens mit Sitz in Friesoythe das Konto einer Betreibergesellschaft, auf das die Vergütungen aus dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) flossen, „abgeräumt“ haben und das Unternehmen in finanziellen Schwierigkeiten stecken. Bei der Staatsanwaltschaft Oldenburg seien Strafanzeigen eingegangen.
Der Vorstandschef der Deutschen Biogas AG, Horst Lammers, zeigte sich „erschüttert“ über die „einseitige Berichterstattung“ und wies die Vorwürfe gegenüber dieser Zeitung entschieden zurück. Er sprach von einer „gezielten Kampagne“ und einer „Auseinandersetzung im Wettbewerb“.
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Die 2005 gegründete Firma betreibt Biogasanlagen zusammen mit Landwirten. Bei diesem „Partnerschaftsmodell“ stellt der Landwirt Standort und Flächen zur Verfügung, und kümmert sich um die Substratversorgung sowie den Betrieb der Anlage. Das Friesoyther Unternehmen unterstützt die Projekte wiederum mit technischem Know-how und kaufmännischer Betriebsführung. Dazu wird eine Betreibergesellschaft gegründet.
Die „HAZ“ zitiert nun einen Landwirt, der nach eigenen Angaben das Geld für den Mais und seinen Monatslohn zunächst schleppend und dann gar nicht mehr bekommen habe. Schließlich habe die Deutsche Biogas AG das Konto der Betreibergesellschaft „abgeräumt“, weshalb er Anzeige erstattet habe.
Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Oldenburg bestätigte auf Anfrage, dass Ende 2010 zwei Strafanzeigen gegen Lammers eingegangen seien. Ein Ergebnis der Ermittlungen sei noch nicht abzusehen.
Lammers selbst schildert den Fall genau gegenteilig. Nach seinen Angaben laufen Ermittlungen der Staatsanwaltschaften Aurich und Oldenburg wegen des Verdachts der Veruntreuung, des Diebstahls und der Urkundenfälschung gegen den Landwirt, weil dieser über drei Jahre Mais entwendet und an Dritte weiterverkauft habe. Es gehe um die Veruntreuung eines Vermögens von 700.000 Euro. Deshalb seien auch die Zahlungen an den Landwirt eingestellt worden.
Laut „HAZ“ liegt die Deutsche Biogas zudem im Streit mit einem anderen ehemaligen Geschäftspartner, der Envitec Biogas AG. Dem Bericht zufolge stehe Lammers’ Firma bei dem Unternehmen aus Lohne mit 15 Millionen Euro „in der Kreide“ und verweist in diesem Zusammenhang auch auf Liquiditätsengpässe bei der Deutschen Biogas AG.
Lammers bestreitet die Ansprüche von Envitec. „Wir schulden der Firma Envitec keinen Cent“, sagte er und verweist auf einen von Vorständen beider Unternehmen unterzeichnetes Schriftstück, in dem dies klar geregelt sei.
Heftig widerspricht er auch den angeblichen Finanzproblemen. „Angesichts einer Eigenkapitalquote von 29,37 Prozent sind diese Vorwürfe absurd“, sagte er. Stattdessen habe das Unternehmen ein „erfolgreiches Geschäftsjahr“ hinter sich. Laut Geschäftsbericht stieg der Umsatz um 13,5 Prozent auf 20,2 Millionen Euro. Das operative Geschäftsergebnis ging von 4,79 Millionen auf 4,45 Millionen Euro zurück, was er auf Einmaleffekte durch den Börsengang 2010 zurückführte.
www.nwzonline.de/Aktuelles/Wirtschaft/...a-aus-Friesoythe.html