BIOTECHNOLOGIE: Beben in der Branche


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BIOTECHNOLOGIE: Beben in der Branche

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24.10.02 06:28
Viele Unternehmen in Deutschland stecken in der Krise. Gewinnwarnungen, Kursstürze, Fusionszwang oder Zusammenbruch kennzeichnen derzeit das Bild. Nach schlechten Nachrichten straft die Börse am Mittwoch Evotec und Morphosys gnadenlos ab.

Frankfurt - In der Biotechnologiebranche wird die Luft für eine ganze Reihe von Unternehmen immer dünner. Ein erheblicher Teil der deutschen Biotech-Firmen kämpfe derzeit um die Anschlussfinanzierung. "Es wird eine Marktbereinigung in der Branche geben und die Konsolidierung gewinnt weiter an Fahrt," sagte Analyst Alexander Burger von der Landesbank Baden-Württemberg vor dem Hintergrund neuer schlechter Nachrichten aus der Branche.

So gab Evotec  eine Umsatz-und Gewinnwarnung für das Gesamtjahr 2002 heraus. Morphosys  erklärte die Fusionsverhandlungen mit dem Konkurrenten British Biotec für gescheitert. Die im Nemax 50 notierten Aktien gaben bis Mittag jeweils mehr als 20 Prozent nach.

Bis zu 20 Prozent der rund 365 Biotech-Unternehmen in Deutschland könnten durch Insolvenz vom Markt verschwinden, sagte Analyst Burger. Umbrüche und zeitweise Zusammenbrüche seien jedoch Teil eines gesunden Prozesses, urteilt der Experte unter Anspielung auf den Ökonomen Schumpeter und sein Konzept der schöpferischen Zerstörung.

Von der Lieblingsbranche zum Sorgenkind

Zuerst schien es, als würde die Biotech-Branche den Zusammenbruch der so genannten New Economy deutlich besser verkraften als die glitzernden Dotcom-Start-ups. Doch der tiefe Fall der einstigen Biotech-Hoffnungsträger ImClone Systems und Elan, die nur noch durch Skandale der Führungsriege von sich reden machten, hat die Branche schwer getroffen. Investoren und Risikokapitalgeber werden deutlich vorsichtiger. Verfehlte Prognosen, Rückschläge in der klinischen Forschung, nicht tragfähige oder wenig überzeugende Geschäftsmodelle und der Sparzwang im Pharmasektor haben die Lieblingsbranche der Anleger aus den Jahren 1999 und 2000 zunehmend zum Sorgenkind werden lassen.

BIOTECHNOLOGIE: Beben in der Branche 827650

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In der Boomzone der Biotechnologie, in Martinsried bei München, stehen nach dem Aufschwung erstmals Flächen leer. Zwei dort angesiedelte Unternehmen, Connex und Elegene, ereilte die Insolvenz. In Berlin gingen bei GenProfile und Theragen die Lichter aus. Über die börsennotierten deutschen Biotechs sagt Fondsmanager Markus Manns: "Viele sind so bewertet worden, als ob die Wahrscheinlichkeit, mit der Produktkandidaten auf den Markt kommen, deutlich über der tatsächlichen Erwartung liegen werde."

Zweifel an der Tragfähigkeit der Geschäftsmodelle

Zweifel an dem Geschäftsmodell stellt sich für Analyst Burger beispielsweise für das Jenaer Medizintechnik-Unternehmen Biolitec : "Die bisherige Entwicklung weckt bei uns deutliche Zweifel an der Tragfähigkeit des Geschäftsmodells, insbesondere was die Weiterentwicklung der Medikamente angesichts der begrenzten finanziellen Mittel angeht," urteilt Burger.

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Bei Morphosys wird es eng

Finanziell eng werden könnte es auch bei der im Nemax 50 gelisteten Morphosys . Die liquiden Mittel werden nach Unternehmensangaben zum Jahresende voraussichtlich 15 Millionen Euro betragen.

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Der einstige reine Dienstleister vollzog im April 2002 den Wechsel zu einem dualen Geschäftsmodell, weswegen das Erreichen der Gewinnschwelle von 2003 auf 2006 aufgeschoben wurde. "Die heutigen finanziellen Mittel zur Umsetzung der neuen Strategie reichen lediglich bis Ende 2003," resumiert Thomas Richter, Biotech-Analyst der Hamburger M.M Warburg & Co.

Zur Lösung dieses Finanzierungsproblems wollte Morphosys bisher mindestens zwei weitere strategische Allianzen mit Pharmapartnern unter Beteiligung am Grundkapital von Morphosys abschließen. Entgegen der bisherigen Prognose werde es bis zum Jahresende keine einzige strategische Partnerschaft geben, hieß es dann am Mittwoch.

Ein strategischer Partner müsste sich beim derzeitigen Kursniveau von rund 14 Euro zur Aufbringung eines der Vereinbarung mit dem Berliner Pharmakonzern Schering ähnlichen Liquiditätsflusses von 24 Millionen Euro mit mehr als 25 Prozent an den Martinsrieder beteiligen. Auch kurzfristige Dienstleistungskooperationen dürften nicht ausreichen, um die nötigen Mittel aufzubringen.

Auch durch eine Fusion mit British Biotech wären die Liquiditätsprobleme nur kurzfristig aufgeschoben. Zur Wochenmitte ereilte die Aktionäre dann die Meldung, dass die Fusionsgespräche der beiden Biotech-Unternehmen erfolglos beendet worden. Analysten hatten die Gespräche zwischen Morphosys und British Biotech zunächst begrüßt, da sich nach ihrer Einschätzung Morphosys damit dringend benötigtes Geld für eigene Entwicklungs- und Forschungsvorhaben hätte sichern können.

Der britische Konkurrent verfügt Branchenkennern zufolge über Mittel in Höhe von rund 80 Millionen Euro, hat aber noch keine Produkte in späteren Entwicklungsphasen. Morphosys hingegen hat einige aussichtsreiche Wirkstoff-Kandidaten in der Produkt-Pipeline.

In der Branche wird aber auch offen ausgesprochen, dass British Biotech in der Vergangenheit eher durch Fehlschläge auf sich aufmerksam gemacht hat. "Wir sehen in einer Fusion zwar prinzipiell einen möglichen Ansatz, British Biotech halten wir jedoch nicht für den richtigen Partner," kommentierte Analyst Richter die Fusionsgespräche der beiden Unternehmen.

Größere Pharmaunternehmen haben zwar Interesse an der HuCAL-Technologie von MorphoSys (Technologieplattform zur Generierung humaner Antikörper), für eine Unternehmensübernahme dürften sie jedoch noch günstigere Einstiegsmöglichkeiten abwarten.

Seit Jahresbeginn ist die europäische Biotechnologie-Branche von zahlreichen Zusammenschlüssen geprägt. So hatte die Schweizer Serono  den Genom-Experten Genset übernommen und das US-Unternehmen Versicor die italienische Biosearch gekauft. Zudem war Rhein Biotech  von Berna Biotech geschluckt worden.

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Gewinnwarnungen und satte Kursverluste  

Auf dem Beipackzettel der Biotechunternehmen im Nemax 50 stehen dann auch herbe Kursverluste von teilweise rund 90 Prozent seit Jahresanfang. Auch der Branchenindex Nemax Biotech ist seit Jahresbeginn auf 33,45 Punkte gefallen. Nach Lion Bioscience  senkte am Mittwoch auch das Hamburger Biotech-Unternehmen Evotec OAI  für das laufende Geschäftsjahr auf Grund niedrigerer Auftragseingänge seine Umsatz- und Gewinnerwartung.

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Für 2002 wird jetzt ein Umsatz in der Spanne von 68 bis 72 Millionen Euro und ein Verlust vor Zinsen, Steuern, und Abschreibungen (Ebitda) in Höhe von drei bis sechs Millionen Euro erwartet.

Ursprünglich peilte Evotec Erlöse von bis zu 82 Millionen Euro und einen Gewinn auf Ebitda-Basis an. Als Grund für die schwächeren Auftragseingänge nannte Evotec Finanzierungsprobleme seiner Kunden.

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Lion hatte zum Wochenauftakt seine Umsatzprognose und die Ergebniserwartung für das laufende Geschäftsjahr 2002/2003 nach unten korrigiert. Noch im Juni sei von einem moderaten Umsatzwachstum für das Geschäftsjahr 2003 ausgegangen worden.

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commo:

gut das meine Highflyer nicht erwähnt worden sind

 
24.10.02 07:21
Medigene und GPC ;-))
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Karlchen_I:

Ich hatte mir einen kleinen Posten von einem

 
24.10.02 08:42
Unternehmen in das Portfolio gepackt, dasssich im Sommer mühelos eine Kapitalerhöhung auf dem Markt geholt hat. So was gibt es auch noch.
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Besser.verdie.:

commo

 
24.10.02 08:54
medigene ist auch bei mir im depot! haben meines erachtens noch einiges an aufwärtspotential...habe gestern aufgrund der schwäche nochmals nachgekauft!
heute könnte es schon wieder über 5,00 gehen!

gruss
tinchen
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Idefix1:

Was wollt ihr mit den Warzenspezialisten ?

 
24.10.02 09:03
Letzter Schrott. Produkte mit Phase 3 nicht absehbar. Auch bei M. wird in 2003 das Jahr der Entscheidung. Ok, no risk no fun.

Und GPC ist mit seiner Akquisitionspolitik ebenfalls auf den Weg des risikos gegangen, es könnte gut gehen, aber auf Altana sollte man nicht bauen. Die schlagen sich auch schnell in die Büsche wenn es schief zu gehen droht.

viel Spaß - heute ist ein Tag auszusteigen.
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jungchen:

würde zur zeit alles an biotech verkaufen

 
24.10.02 09:07
meine meinung...
da war alles genau durchgeplant: wie lange reicht das geld, bis wir vielleicht ein paar produkte/patente entwickelt haben und zu geld machen können... sprich, wann läuft der laden?
die verbrennen bis dahin so immens cash, dass das geld halt auch schnell mal vor erfolgen in der forschung weg ist. speziell in der konjunkturlage, wie wir sie grad haben.
lion, morphosys sind auf meiner pleiteliste ganz oben..
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Karlchen_I:

Guckt Euch mal das Ding an...

 
24.10.02 09:12
www.bavarian-nordic.com/


Bloss ist an die Aktien schwer ranzukommen:

www.finanztreff.de/ftreff/...n=BAVARIAN%20NORDIC%20RES.%20DK10
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commo:

aus technischer Sicht

 
24.10.02 09:13
sehe ich sehr positive Zeichen bei GPC.
Großes Volumen und steigende Kurse, das geht mal schnell bis 6,-EURO und
dann kann man über Gewinnmitnahmen denken.

Sicherlich geht man ein hohes Risiko bei den Biotechs aber
hohes Risiko - großer Gewinn
(aber solider wie die Waves von der DB mit K.O. ;-))


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altmeister:

habe seit über einem jahr

 
24.10.02 09:15
bios nichtmal getradet!
eine unfaßbare abzocke der dümmlichen kleinanleger!
daher finger weg auch wenn eins von 1000 untenehmen mal durchstartet.
das risiko ist selbst für einen sehr langfristig denkenden unkalkulierbar.


mfg altmeister
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Besser.verdie.:

alti

 
24.10.02 09:25
kauf medigene und du wirst reich!hihihihi


gruss
tinchen
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altmeister:

ja vieleicht an erfahrung

 
24.10.02 09:30
sind das nicht die welche seit jahren etwas gegen hautkrebs auf den markt bringen wollen?
übrigens das mit dem stahl ist nur ein anfang die usa werden es europäischen oder assiatischen firmen immer schwerer machen auf dem us markt lizensen zu bekommen und der ist ja nun durch das gesundheitsbewußtsein der amis der am stärksten umkämpfte.
wirst du sehen!
trotzdem wünsche ich dir bei deinen kurzfrist geschäften weiterhin glück


mfg altmeister
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Zusammenfassung wichtiger Quartalszahlen

 
27.10.02 20:54
Im folgenden eine Zusammenfassung wichtiger Quartalszahlen, die in dieser Woche im Medikamenten- und Biotechsektor gemeldet wurden.

AstraZeneca meldet Zahlen, Ausblick

Der zweitgrößte Medikamentenhersteller Europa´s, AstraZeneca, meldet einen Vorsteuergewinn von $923 Millionen oder 39 cents je Aktie, 7% weniger als $993 Millionen oder 42 cents je Aktie aus dem Vorjahr. Damit konnten die Konsensschätzungen von 35 cents je Aktie übertroffen werden.

Der Umsatz wuchs von $3.95 auf $4.35 Milliarden.

Im Gesamtjahr rechnet das Unternehmen mit einem Gewinnwachstum zwischen 4% und 5% gegenüber den $1.73 Milliarden aus dem letzten Jahr. Diese durchaus positive Prognose konnte man aufgrund dem Sieg vor Gericht bezüglich des Patentes auf das Medikament Prilosec geben, sagt Vorstandschef Tom McKillop.

Celgene - Quartalszahlen

Celgene meldet für das abgelaufene dritte Quartal einen Nettoverlust von $1.04 Millionen oder 1 cent je Aktie, was innerhalb der Erwartungen lag. Der Verlust im Vorjahr lag bei $6.3 Millionen oder 8 cents je Aktie.

Der Umsatz von Thalomid wuchs gegenüber dem Vorjahr um 41% auf $30.5 Millionen, während der Gesamtumsatz um 31% auf $34.3 Millionen anwuchs.

Thalomid wird bisher gegen Entzündungskomplikationen bei ENL (Erythema Nodosum Leprosum) eingesetzt und ist seit 1998 zugelassen.

Schering-Plough: Gewinneinbruch, Ausblick

Der Medikamentenhersteller Schering-Plough meldet am Donnerstag einen stark verringerten Gewinn für das abgelaufene dritte Quartal und führt dies auf den schwachen Umsatz mit dem Allergie-Medikament Claritin zurück.

Das EPS lag bei 29 cents, während 28 cents erwartet wurden. Im Vorjahr lag der Gewinn noch bei 41 cents.

Schering-Plough sagte am 3. Oktober, dass der Gewinn im verbleibenden Geschäftsjahr sowohl in den Jahren 2003 und 2004 den Erwartungen des Marktes nicht mehr gerecht werden könne. Das Problem des Unternehmens sind zu wenige neue Produkte, die dem Umsatzrückgang nach dem Patentverlust bei Claritin ausgleichen könnten.

Anfang Oktober stellte man 28 bis 29 cents je Aktie für das dritte Quartal an Gewinn in Aussicht, was deutlich unter den vom Markt erwarteten 35 cents je Aktie lag.

Das Unternehmen rechnet im Geschäftsjahr 2003 mit einem Gewinn je Aktie zwischen $1-$1.15.

Schering-Plough ist nun Gegenstand einer Ermittlung der US-Regulatoren, die näheres über das Timing der Prognosenreduzierung in Erfahrung bringen möchten. Die US-Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) untersucht den Kursrückgang der Aktie um 20 Prozent 5 Tage vor der eigentlichen Bekanntgabe des Quartalsergebnisses.

MedImmune - Quartalsergebnis

MedImmune meldet am Donnerstag eine Ausweitung des Quartalsverlustes aufgrund der Kosten für die Akquisition eines Virus, gegen den das Unternehmen hofft, Medikamente entwickeln zu können.

MedImmune, die Medikamente zur Behandlung von Atemwegserkrankungen verkaufen und entwickeln, meldet einen Verlust von $36 Millionen oder 14 cents, nach einem Verlust von $19 Millionen oder 9 cents im Vorjahr. Der Umsatz weitere sich von $47 auf $73 Millionen aus.

Vor Einmaleffekten präsentiert das Unternehmen einen Verlust von $32 Millionen oder 13 cents je Aktie, während Analysten von einem leicht höheren Verlust von 14 cents ausgingen.

Merck: Deutlicher Gewinneinbruch

Merck KGaA meldet für das dritte Quartal einen deutlichen Gewinneinbruch, der allerdings von den Analysten erwartet worden war. Merck habe darüber hinaus zwei Cholesterin-Medikamente zur Verbesserung seiner Produktangebote gekauft.

Merck, der viertgrößte Medikamentenhersteller Deutschlands gemessen am Umsatz, bestätigte darüber hinaus den Ausblick für einen Gewinnrückgang im Geschäftsjahr um 1/3, wenn auch das vierte Quartal über dem Niveau des Vorjahres liegen werde.

Der Gewinn vor Einmaleffekten im dritten Quartal ging um 52% auf 143.2 Millionen Euro zurück, da das größte Produkt des Unternehmens, das Diabetes Medikament Glucophage, durch die günstigere Generika-Konkurrenz in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Der Umsatz ging um 5.4% auf 1.847 Milliarden zurück.

Chiron mit Zahlen

Pharma Gigant Chiron verkündet für das dritte Quartal einen Gewinn von 46 Cents pro Aktie, womit die Analystenschätzung um einen Cent übertroffen werden konnte. Der Umsatz lag bei $368 Mio., erwartet wurden $332 Millionen.

Für 2003 antizipiert das Pharma Unternehmen einen pro forma Gewinn von $1,40-$1,50 pro Aktie bei einem Umsatz von $1,4-$1,5 Milliarden. Die Konsensschätzung liegt aktuell bei $1,45 Gewinn und $1,42 Mrd. Umsatz.

Amgen präsentiert Q3-Zahlen

Das weltgrößte Biotechunternehmen Amgen verdiente im Q3 34 Cents/Aktie nach 30 Cents im Vorjahr. Analysten hatten nur mit 32 Cents gerechnet. Der Umsatz konnte um 50% von 1 auf 1,5 Milliarden $ zulegen, Analysten erwarteten hier 1,44 Milliarden $.

Affymetrix mit aktuellen Q3 Zahlen

Das Biotechunternehmen Affymetrix gab am Mittwoch nach Börsenschluss bekannt, dass man im Q3 619 000$ oder einen Cent/Aktie verdient hat (gegenüber einem Verlust im Vorjahr). Der Nettoverlust betrug im Q3/2001 4,8 Mio $ oder 8 Cents/Aktie. Operativ verdiente man zuletzt 2,9 Mio $ oder 5 Cents/Aktie, was deutlich über den erwarteten 3 Cents/Aktie liegt.

GlaxoSmithKline meldet Gewinnverdopplung

GlaxoSmithKline konnte im abgelaufenen dritten Quartal den Gewinn gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppeln, und der britische Pharmagigant bekräftigt die EPS (Gewinn je Aktie) Prognosen für das Geschäftsjahr 2002 und 2003.

Der Nettogewinn lag bei 821 Millionen Pfund oder 13.4 Pence pro Aktie nach 401 Millionen Pfund oder 6.1 Pence pro Aktie im Vorjahr. Der Umsatz wuchs von 4.99 auf 5.02 Milliarden Pfund.

Das EPS im Gesamtjahr soll um 10% gegenüber dem Vorjahr und in 2003 im hohen einstelligen Bereich wachsen. Darin enthalten ist die Annahme, dass in den USA die Rechte um das Medikament Paxil verteidigt werden können.

Paxil, ein Antidepressiva, ist mit 1.86 Milliarden Pfund Jahresumsatz im Jahr 2001 das größte Medikament des Unternehmens.

Eli Lilly meldet leichten Gewinnanstieg

Der Medikamentenhersteller Eli Lilly meldet am Mittwoch einen leichten Gewinnanstieg im abgelaufenen Quartal, da starke Absatzzahlen bei den Schizophrenie- und Krebsmedikamenten einen Nachfragerückgang der Blutinfektionstherapien ausglichen.

Lilly, die im vergangenen Jahr exklusive Patente über das Antidepressiva Prozac verloren, meldet einen Gewinnanstieg um 2% auf $738.5 Millionen oder 68 cents pro Aktie. Der Umatz fiel um 3% auf $2.79 Milliarden. Damit konnten die Erwartungen erfüllt werden.

Lilly hatte darauf gesetzt, die Lücke beim Umsatz zwischen dem im vergangenen Jahr ausgelaufenen Prozac-Patent und den im nächsten Jahr erwarteten neuen Medikamentenzulassungen durch das Blutinfektionsmedikament Xigris ausgleichen zu können.

Xigris dient zur Behandlung von Sepsis, einer tödlichen Blutvergiftung, wurde allerdings nur für außerordentlich schwere Fälle der Erkrankung zugelassen, da mehrere Patienten Gehirnblutungen durch die Einnahme des Produktes bekamen.

Serono verfehlt Gewinnerwartungen

Europa´s größtes Biotechnologie-Unternehmen konnte zwar den Gewinn um 17% steigern, doch ging der Markt von einem Plus um 24% aus.

Der Gewinn lag bei $74.5 Millionen, nach $63.8 Millionen im Vorjahr.

Der Umsatz des "Wachstumsmotors" des Unternehmens, das Multiple Sklerose Medikament Rebif, wuchs um 46% auf $139.4 Millionen. Der Umsatzanteil von Rebif in den USA liegt bei $18 Millionen. Der Produktumsatz bei Serono wuchs um 18% auf $349.3 Millionen, während der Konzernumsatz um 19% auf $382.5 Millionen stieg.

Der operative Cash Flow wuchs um 28% auf $380 Millionen.

Pharmacia - Ergebnis durch Monsanto belastet

Pharmacia, die von Pfizer akquiriert werden, melden aufgrund der hohen Kosten für den Spin Off von Monsanto einen Aufwand für das dritte Quartal von einer Milliarde Dollar.

Pharmacia, die das Blockbuster Arthritis Medikament Celebrex und das Medikament Xalatan zur Behandlung des grünen Star herstellen, melden einen Verlust nach Einrechnung der Monsanto-Sonderbelastung von $429 Millionen oder 33 cents je Aktie nach $428 Millionen oder 32 cents im Vorjahr. Vor Einmaleffekten lag der Gewinn je Aktie bei 45 cents und damit einen cent über den Erwartungen.

Im Jahr 2002 möchte das Unternehmen nach wie vor einen Gewinn zwischen $1.52-1.57 je Aktie ausweisen.

Der Umsatz wuchs im Q3 um 1% auf $3.58 Milliarden.

Gruß    
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PHARMA: Die Wachstumsbremsen überwinden

 
28.10.02 06:02
Nur wenige Pharmakonzerne werden zum alten Wachstumstempo zurückkehren, meint Andrew C. Weiss, Head Global Health Care beim Bankhaus Julius Bär. Forschungsabteilungen stehen mächtig unter Druck, doch die Ernte steht noch aus. Weiss sieht großes Potential durch mehr Selbstbeteiligung und nennt seine Favoriten.

mm.de: Pharmakonzerne haben ihre Anleger lange mit zweistelligen Wachstumsraten bei Umsatz und Gewinn verwöhnt. Diese Zeiten scheinen vorbei. Warum?

Weiss: Nicht nur die Entwicklung neuer Produkte bestimmt die Gewinn- und Umsatzentwicklung, sondern viel mehr auch der Wegfall von alten Produkten. Wegen der hohen Anzahl von Patenten, welche jährlich erlöschen, muss man auch in den kommenden Jahren mit einem eher niedrigen Wachstum in der Branche rechnen.

Zur Zeit befinden sich die grossen Pharmakonzerne gleichzeitig am Ende eines Wirtschafts-, Produkte- und Patentzyklus: Die Konjunkturschwäche in den USA sorgt dafür, dass der US-Arbeitgeber die Beiträge an die Versicherungsleistung seiner Mitarbeiter kürzt und / oder Mitarbeiter entlässt. Zweitens werden in den kommenden vier Jahren Produkte, die je nach Schätzung Umsätze in Höhe von 35 bis 55 Milliarden Dollar ausmachen, ihre Patentrechte verlieren. Diese Marktchance werden die Hersteller günstiger Nachahmermedikamente (Generika) nutzen. Drittens sind viele Produkte, die heute lanciert werden, lediglich Weiterentwicklungen bestehender Produkte. Einige Generikahersteller stellen die Gültigkeit der Patente dieser Weiterentwicklungen vor Gericht in Frage.
 
mm.de: Dennoch werden die Menschen immer älter und werden mehr Medikamente benötigen.

Weiss: Trotz des langfristigen Trends der Ueberalterung kann man nicht davon ausgehen, dass die gesamte Pharmaindustrie Umsätze und Gewinne steigern wird. Der Konkurrenzkampf ist hart: Unternehmen, welche nicht ständig neue Produkte entwickeln, werden von den Generikaherstellern eingeholt. Die Hersteller müssen ihre Produktportfolios stets weiterentwickeln, beispielsweise durch Verbesserung der Verabreichungsform oder der Verträglichkeit für den Patienten. Neuentwicklungen sind teuer und riskanter, aber dennoch wichtig: Vor allem im Bereich der Herz- und Gefäßerkrankungen, der Krebstherapie, der Nervenmedizin und bei neuen Therapieformen, die durch die Entschlüsselung des menschlichen Erbguts möglich werden, bieten sich Wachstumschancen.

Wer Preisbrecher in die Schranken weist

mm.de: Wie schätzen Sie die "Bedrohung" der forschenden Konzerne durch Generika ein? Günstige Nachahmerpräparate hat es auch schon vor Jahren gegeben.

Weiss: Die Generikahersteller beruhen auf dem Unternehmensmodell der Arbitrage. Wie in jedem Marktsegment ist der Arbitrageur auch im Pharmamarkt eine ausgleichende Kraft und sorgt dafür, dass die Pharmaindustrie sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruht, sondern immer nach Weiterentwicklungen und neuen Produkten sucht. Aber es darf nicht vergessen werden, dass der Arbitrageur nichts Neues schafft. Mit anderen Worten: So lange die Pharmaindustrie innovativ bleibt, werden die Generikahersteller nur am Ende des Produktelebenszyklus echte Konkurrenten bleiben.

mm.de: Welche Folgen wird der Sparkurs im Gesundheitswesen in Deutschland und den USA für die Pharmakonzerne haben?

Weiss: Die Pharmaindustrie ist der am marktwirtschaftlichsten organisierte Teil des gesamten Gesundheitswesens. Sie ist für 10 bis 15 Prozent der Gesundheitsausgaben verantwortlich, ein effizientes Mittel um Krankheiten abzuwehren und kann Renditen auf investiertes Kapital von mehr als 25 Prozent generieren. Manchen Politikern erscheint dieser Erfolg jedoch suspekt, weshalb sie sich gezwungen fühlen, die Preise pharmazeutischer Produkte zu regulieren.

Heute unterzieht sich ein Patient einer medizinischen Behandlung erst, wenn er klare Krankheitssymptome feststellt. Dadurch entstehen geschätzt mehr als 60 Prozent der Gesundheitskosten. Man bedenke das Sparpotential, das beim Einsatz vorbeugender Medikamente zur Verhinderung von Krankheiten erzielt werden kann. Die heute erfolgreichsten pharmazeutischen Produkte behandeln Risikofaktoren wie Bluthochdruck und zu hohen Cholesterinspiegel. Der künftige Produktezyklus scheint mir viel versprechend, was die Behandlung von weiteren Risikofaktoren angeht.

Aber wer soll die neuen Produkte bezahlen? Unter der Annahme, dass jeder Mensch in Europa im Alter von mehr als 40 Jahren einen Euro mehr für seine Gesundheit pro Tag aus der eigenen Haushaltskasse ausgibt, laesst sich ein zusätzliches Marktpotential von 100 Milliarden Euro errechnen. Sollte sich diese stärkere Eigenbeteiligung durchsetzen, ist zu erwarten, dass ausgewählte Segmente des pharmazeutischen Marktes mit zweistelligen Steigerungsraten wachsen werden.

Wer für den Wettbewerb gerüstet ist

mm.de: Was sind derzeit die drängendsten Probleme der Branche?

Weiss: Unternehmensintern sind die Pharmakonzerne dem Druck ausgesetzt, die Produktivität ihrer Forschungs- und Entwicklungsabteilungen zu erhöhen. Obwohl erste Anzeichen sichtbar sind, können die Resultate in Form von neuen Produkten erst in fünf bis sieben Jahren erwartet werden. Unternehmensextern sind die Pharmakonzerne bemüht, von den Politikern nicht als Sündenböcke der Gesundheitskostenexplosion etikettiert zu werden.

mm.de: Welcher Titel gehört derzeit zu ihren Favoriten und warum?

Weiss: Pfizer und Novartis. Beide Unternehmen haben eine starke Produktpalette mit wenigen Patentverlusten. Außerdem sind die Vertriebsorganisationen gut ausgebaut und die Weiterentwicklung der Produkte funktioniert. Beide haben genug liquide Mittel. Beide Unternehmen haben sich als "Partner of Choice" etabliert und können entstehende Lücken in ihrer Produktpipeline mit Hilfe neuer Partner überbrücken. Auch Sanofi, Aventis und Eli Lilly sind interessant: Diese Unternehmen haben Wachstumspotential durch neue Produkte, welche in den kommenden drei bis fünf Jahren lanciert werden.

www.manager-magazin.de/geld/artikel/0,2828,219297,00.html
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Rhein Biotech: Gewinnprognose 02 nicht erreichbar

 
28.10.02 09:51
Die Rhein Biotech N.V. gibt heute via ad hoc-Meldung die Teilhaberschaft an einem strategischen Vermarktungsabkommen mit dem britischen Pharmaunternehmen Shire Pharmaceuticals bekannt. Shire erhalte die exklusiven Vermarktungsrechte an Rhein Biotechs Hepatitis B-Impfstoff Hepavax-Gene innerhalb Europas.

Zudem gibt das Unternehmen bekannt, aus dem durch niedrige Margen gekennzeichneten Impfstoff-Handelsgeschäft in Korea zum 1. Oktober 2002 auszusteigen. Der Ausstieg werde die maximalen Umsatzprognosen beeinflussen, unabhängig davon wird es geringen Einfluss auf den Nettogewinn haben. Die Umsätze des Impfstoff-Handelsgeschäfts liegen bei rund 20 Mio. EUR in den ersten drei Quartalen 2002.

Im weiteren werden außerordentliche Umstrukturierungskosten dazu beitragen, dass die Schwelle für die Gewinnprognose in Höhe von 6 - 7 Mio. EUR für 2002 nicht erreichbar sein wird, heißt es weiter.
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Verschiedene BioTech - Ratings

 
28.10.02 09:54
UBS Warburg stuft Salix Pharma. von Buy auf Strong Buy mit Kursziel $14 auf.

Lehman Brothers stuft Schering-Plough von Untergewichten auf Gleichgewichten auf. Wyeth wird von Gleichgewichten auf Übergewichten aufgestuft.

AG Edwards stuft AtheroGenics von Buy auf Hold ab.

Deutsche Sec. stuft Invitrogen von Buy auf Hold ab.

Piper Jaffray stuft Invitrogen von Strong Buy auf Outperform mit Kursziel $40 ab. Applied Bio wird von Market Perform auf Underperform abgestuft.

Prudential stuft King Pharma von Buy auf Hold mit Kursziel $19 ab.

Wells Fargo bewertet Celgene weiterhin mit Buy und Kursziel $29.

Punk, Ziegel stuft Cell Therapeutics erneut mit Buy und Kursziel $21 ein.

Adams Harkness bewertet MedImmune weiterhin mit Buy.

Robinson Humphrey bewertet Intermune weiterhin mit Buy und Kursziel $38.

CE Underberg bewertet Noven Pharma und Strategic Diagnostics weiterhin mit ST/LT Market Perform.

Goldman Sachs stuft Allergan erneut mit Market Outperform ein.

BofA stuft InterMune erneut mit Strong Buy und Kursziel $69 ein. Allergan wird erneut mit Buy und Kursziel $77 bewertet.

Investec stuft Invitrogen erneut mit Strong Buy ein.  
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"Die Krise wird vorübergehen"

 
05.11.02 08:40
Die Gründer Friedrich von Bohlen und Halbach (Lion Bioscience), Peter Heinrich (Medigene) und Karsten Henco (Evotec OAI) über den Kurssturz der Biotech-Aktien, die Überlebensfähigkeit ihrer Unternehmen und die Zukunft der Branche


SPIEGEL: Herr Bohlen, Herr Heinrich, Herr Henco, seit der Hochphase der Börse haben die Aktien der Biotech-Branche im Schnitt um 80 Prozent verloren. Den ersten Unternehmen geht das Geld aus. Ist die Erfolgsstory der Zukunftsbranche Biotechnologie zu Ende, bevor sie richtig begonnen hat?

Bohlen: Wir stehen am Anfang einer ganz normalen Konsolidierungswelle. Die Anlaufphase dieser neuen Branche ist noch nicht abgeschlossen. Etwa 90 Prozent der börsennotierten Biotech-Unternehmen in den USA und Europa schreiben nach wie vor Verluste. Deshalb trifft sie die Krise der Kapitalmärkte natürlich besonders hart. Aber Konsolidierung heißt ja nicht Konkurs. Die Werte, die geschaffen wurden, bleiben im Wesentlichen erhalten, auch wenn das eine oder andere Unternehmen in der jetzigen Krise zahlungsunfähig wird.

SPIEGEL: Aber das Geld der Anleger ist weg.

Bohlen: Zum Teil richtig, aber ich habe ja von der Situation der Biotechnologie als solcher gesprochen.

SPIEGEL: Das wird die Anleger wenig trösten. Sie haben darauf vertraut, dass nach einer Durststrecke von fünf bis sechs Jahren mit der Biotechnologie Geld zu verdienen ist. Hat sich daran etwas geändert?

Henco: Nachdem die US-Unternehmen Genentech und Biogen das bakteriell hergestellte Insulin beziehungsweise das Interferon erfunden hatten, dauerte es immer noch zehn Jahre, bis sie nachhaltig hochprofitabel wurden. Auch bei ihnen fiel der Börsenkurs in der Zwischenzeit stark ab. Deshalb glaube ich, dass die Erfolgsgeschichte der Biotechnologie noch nicht vorbei ist.

SPIEGEL: Wann erreichen die deutschen Unternehmen die Gewinnzone?

Henco: Das hängt von ihrem Geschäftsmodell ab. Bei Unternehmen, die mit eigenen Produkten an den Markt wollen, dauert das sieben, acht Jahre. Bei Unternehmen wie Evotec OAI oder Qiagen ...

SPIEGEL: ... Ihren beiden Gründungen, die sich auf Zulieferungen für andere Biotech-Unternehmen spezialisiert haben ...

Henco: ... sind Gewinne erheblich früher möglich.

SPIEGEL: Soll das heißen, dass sich an den Erfolgsaussichten dieser Branche trotz des tiefen Falls der Aktienkurse nichts geändert hat?

Heinrich: An dem Zukunftspotenzial der Biotechnologie hat sich überhaupt nichts geändert. Die Pharmaindustrie ist mehr denn je auf Innovationen aus der Biotechnologie angewiesen. 2005 werden etwa 20 Prozent aller neu zugelassenen Medikamente aus den Labors der Biotechnologie-Unternehmen kommen. Aber auch in unserer Branche gibt es keine Wunder. Es dauert eben sehr lange, um ein Medikament an den Markt zu bringen, und es kostet sehr viel Geld. Als wir im Jahre 2000 zum Börsengang angetreten sind, haben wir den Anlegern deshalb gesagt, wir können nicht heute und nicht morgen profitabel werden, sondern erst in einigen Jahren.

SPIEGEL: So lange können Sie durchhalten?

Heinrich: Wir fahren bei Medigene ein gemischtes Modell. Wir haben derzeit neben drei eigenen Technologie-Plattformen sechs Medikamente in der Entwicklung, davon zwei, die wir zusammen mit einem Pharmapartner entwickeln. Ganz allein schaffen wir es nicht. Klinische Studien kosten bis zu 10.000 Euro pro Patient. Und Sie müssen Ihren Wirkstoff an Tausenden von Patienten testen.

SPIEGEL: Sie haben Ihre Unternehmen vor zwei, drei Jahren an die Börse gebracht, auf dem Höhepunkt der Aktieneuphorie. Unter normalen Umständen wäre das gar nicht möglich gewesen. Welcher Anleger kauft denn Aktien und wartet dann zehn Jahre, bis das erste Medikament - vielleicht - einschlägt?

Heinrich: Der normale Anleger denkt an Kurssteigerungen.

SPIEGEL: Erwartungen kann man nicht über zehn Jahre steigern.

Henco: Genau das ist in den USA passiert. Bei Biogen oder Amgen haben sich am Anfang die Kurse rasant entwickelt, als die ersten klinischen Daten sichtbar waren. Dann hat sich die Zulassung hingezogen. Das quittierte der Markt mit einem Fall der Aktien. In allen Phasen über fast zehn Jahre hatten die Unternehmen noch kein Produkt am Markt. Dann stand die Zulassung vor der Tür, und plötzlich gab es einen Kurssprung der Aktien.

SPIEGEL: Wir reden nicht von einem normalen Auf und Ab der Aktien. Wir reden von einem wirklichen Desaster, von 80, 90 Prozent Wertverlust. Die Anleger haben Angst, ob die Firmen überhaupt überleben oder ob nicht bald das Geld ausgeht.

Bohlen: Die Aktionäre bestimmen den Kurs, nicht wir. Die Indizes sind in nur zwei Jahren um über 80 Prozent gesunken. Das ist dramatisch.

Henco: Da hat er Recht. Die Unternehmen sind nur für ihre Zahlen verantwortlich. Und in der deutschen Biotech-Branche wurden nie falsche Zahlen veröffentlicht. Natürlich gab es Unternehmen, die nicht börsenreif waren. Die sind ihre Aktien nur losgeworden, weil es diese Nachfrageblase gab. Diese Firmen werden im Konsolidierungsprozess verschwinden.

SPIEGEL: Wie viele der inzwischen über 300 Biotech-Unternehmen in Deutschland werden überleben?

Heinrich: Auf die Zahl kommt es letztlich nicht an. Sondern darauf, was in den vergangenen acht Jahren in Deutschland geschehen ist. Eine ganz neue Branche mit derzeit über 14.000 Mitarbeitern ist entstanden. Allein 200 Patente, bezogen auf neue Medikamente, sind angemeldet. In den USA sind es 800. Da wurde ein unglaublicher Wert geschaffen. Jetzt wird es so kommen wie vor 15 Jahren in den USA: Unternehmen werden sich zusammenschließen, um kritische Massen und überlebensfähige Größen zu erreichen.

Henco: Wir müssen aufpassen, dass wir nicht die falsche Messlatte anlegen. Ein Unternehmen wie Evotec könnte morgen profitabel sein. Evotec macht in 2001 bereits 63 Millionen Euro Umsatz und "verbrennt" trotzdem Geld. Aber wir generieren damit strategisch wichtige Forschungsergebnisse. Damit könnten wir von heute auf morgen Schluss machen, um unmittelbar profitabel zu sein. Sinnvoll wäre das aber nicht.

Bohlen: Wir haben letztes Jahr 40 Millionen Euro Umsatz gemacht ...

SPIEGEL: ... im laufenden Geschäftsjahr erwarten Sie allerdings 25 Prozent weniger.

Bohlen: Wir könnten die Kosten massiv runterfahren, um mit aller Macht den Break-Even zu erreichen ...

SPIEGEL: ... und das Überleben garantieren?

Bohlen: Das würde nur eine kurzfristige Profitabilität garantieren, aber nicht die langfristige Wettbewerbsfähigkeit. Wir müssen aber das Überleben und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit sicherstellen. Deshalb investieren wir weiter Geld.

SPIEGEL: Was Ihnen aber derzeit niemand gibt, weder die Aktionäre, noch Venture-Capital-Fonds. Glauben Sie, dass Sie allein überleben können?

Bohlen: Es ist unsere erklärte Absicht, als Unternehmen allein zu bleiben. Allerdings: Die Biotech-Industrie ist im Umbruch. Es gibt für alle drei von uns in unserem jeweiligen Markt Möglichkeiten für Zusammenschlüsse. Die Frage ist, ob man selbst konsolidiert - also dazukauft - oder konsolidiert wird.

SPIEGEL: Lion bietet maßgeschneiderte Software für die Biotech-Branche. Können das die Computerriesen nicht genauso gut?

Bohlen: Ich bin von unserem Geschäftsmodell überzeugter denn je. Biotechnologie ist Informationstechnologie - Punkt. 40 Millionen Euro Umsatz zeigen, dass die Industrie bereit ist, dafür Geld auszugeben. Computerkonzerne bieten in erster Linie Technik, wir bieten biochemisch-medizinisches Informationsmanagement.

SPIEGEL: Hat sich denn der Anteil der Biotechnologie-Produkte am gesamten Pharmamarkt erwartungsgemäß entwickelt?

Heinrich: Absolut.

Henco: Vielleicht mit etwas anderen Schwerpunkten als vorhergesagt. Im Moment sind acht Prozent der Apothekenprodukte richtige Biotechnologie-Produkte. Für 2005 gehen wir davon aus, dass es etwa 20 Prozent sind - gemessen am Wert. Das ist etwa das, was man vor fünf bis zehn Jahren prognostiziert hat.

SPIEGEL: Aber etliche dieser Produkte wurden von den großen Pharmafirmen entwickelt, die ja auch in die Biotechnologie eingestiegen sind.

Henco: Wir reden hier ja über die gesamte Industrie. Niemand weiß, wie sich das Verhältnis zwischen Biotechnologie und Pharmaindustrie entwickeln wird. Warum sollten alle Biotech-Firmen tatsächlich zu Pharmaunternehmen mit eigenen Medikamenten werden und unbedingt eigenständig bleiben? Jeder Unternehmer in der Biotechnologie-Industrie sollte nicht nur einen Börsengang und die eigenständige Unternehmensentwicklung im Auge haben, sondern er sollte sein Unternehmen gleichzeitig fusionsfähig machen.

SPIEGEL: Herr Heinrich, ist Medigene fusionsfähig?

Heinrich: Natürlich müssen wir auch an das Interesse der Aktionäre denken. Wenn ein attraktives Übernahmeangebot von einem großen Pharmaunternehmen käme, das einen Mehrwert für die Shareholder darstellt, dürften wir uns dem nicht entziehen. Aber wir sind darauf angelegt, aus eigener Kraft zu wachsen, allerdings unterstützt durch die eine oder andere Kooperation mit Pharmaunternehmen. Wir versuchen, eigenständig zu bleiben und profitabel zu werden.

SPIEGEL: Wie realistisch ist das, nachdem Ihr Herzmittel Etomoxir vor kurzem die klinische Prüfung nicht bestanden hat?

Heinrich: Psychologisch war das ein unglaublicher Rückschlag. Das Medikament war in der Phase zwei mit einem riesigen Umsatzpotenzial. Wir wollten es 2006 einführen. Wir haben von jedem Medikament geglaubt, dass es eventuell Probleme geben könnte, aber nicht von diesem. Aber jetzt zahlt sich aus, dass wir ein diversifiziertes Portfolio aufgebaut haben.

SPIEGEL: Was haben Sie in der Pipeline?

Heinrich: Derzeit haben wir sechs Produkte in der klinischen Entwicklung. Davon steht eines vor der Markteinführung. Für das zweite haben wir gerade bekannt gegeben, dass die Phase drei, die letzte klinische Studie, begonnen hat.

SPIEGEL: Werden Sie es mit dem Wirkstoff von Etomoxir noch einmal versuchen?

Heinrich: Wir haben die Studie vorzeitig abgebrochen, weil toxische Effekte bei Patienten aufgetreten sind. Momentan ist es ethisch nicht vertretbar, dieses Produkt noch einmal für herzkranke Patienten einzusetzen.

SPIEGEL: Herr von Bohlen, Herr Henco, Herr Heinrich, wie lange wird die Krise der Biotechnologie-Branche dauern?

Bohlen: Die Biotechnologie wird die Leistungsfähigkeit von Pharma, die Leistungsfähigkeit von Diagnose und Therapie und letztlich auch die Gesundheitssysteme weltweit nachhaltig beeinflussen. Die Rolle der Biotechnologie in der strategischen Planung der Pharmaindustrie ist synergistisch und essenziell. Deshalb meine Prognose: ein bis zwei Jahre.

Henco: Die Krise wird vorübergehen, weil der Markt real ist. Keiner zweifelt an dem Markt der Biotechnologie. Wir haben eine Vielzahl großer unbehandelbarer Erkrankungen. Dieser Markt wird durch die Biotechnologie erschlossen werden.

Heinrich: Wir haben es mit einer Vertrauenskrise im gesamten Technologiesektor zu tun, von der die Biotechnologie eben auch betroffen ist. Aber: Die Innovationskraft der Biotechnologie und ihre Bedeutung für die Pharmaindustrie sind unbestritten. Wenn die ökonomischen Faktoren wieder positiver werden, wird auch das Vertrauen der Anleger und Investoren in unsere Branche zurückkommen. Das Revival der deutschen Biotechnologie kommt in den nächsten ein, zwei Jahren.

SPIEGEL: Herr Bohlen, Herr Heinrich, Herr Henco, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.  
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Happy End:

Österreich: Nährboden für Biotech-Firmen dünn

 
20.01.03 08:54
Kapitalmarkt ausgetrocknet. Umfassende Förderung in Österreich fehlt.

Für „Sonntagsreden“ ist das Bekenntnis zur Biotechnologie gut genug, doch wenn es um konkrete Fördermittel geht, sieht die Realität ganz anders aus. Die Entwicklung dieses jungen und zukunftsträchtigen Wirtschaftszweiges in Österreich sei trotz löblichen Starts ernsthaft gefährdet, befinden renommierte internationale Wissenschafter.

„Österreich betreibt seine Standortpolitik für Biotechnologie sehr halbherzig.“
von Rüden, Morphosys

„Österreich unterstützt die Biotechnologie bzw. die Life Sciences sehr halbherzig. Das ist ein Fehler. Vor allem die Unterstützung der Bundesregierung fehlt, das muss Chefsache sein“, warnt der Molekularbiologe und Chef der deutsche MorphoSys, eines führenden Biotechnologie-Unternehmens, Thomas von Rüden, im KURIER-Gespräch. Man müsse das Umfeld für Pharmaunternehmen attraktiver machen, damit sie hier investieren, Auch Sonja Hammerschmid, Leiterin der Sparte Life Sciences in der Innovationsagentur, muss ihm Recht geben: „Das Bekenntnis Österreichs zur Biotechnologie müsste stärker sein.“ Nur mit „Mini-Mini-Budgets“ könnten sie die durchaus international interessanten Projekte unterstützen. Größere Budgets und vor allem eine mehrjährige Dotierung der Fonds sind die dringendsten Forderungen.

Problem Kapital

Nach dem Platzen der „New-Economy-Blase“ haben es Wissenschafter momentan besonders schwer, Geld für Unternehmensgründungen aufzutreiben. „Der Kapitalmarkt ist zur Zeit eine Katastrophe, total ausgetrocknet“, berichtet die Innovationsagentur. Internationale Risikokapital-Geber haben Angst, Geld in Projekte zu stecken, die sechs bis acht Jahre brauchen, um vielleicht marktreife Produkte auf den Markt zu bringen. Heute wird auf Herz und Nieren geprüft, bevor auch nur ein Cent in eine Idee investiert wird. Daran wird sich auch heuer nichts ändern. Frühestens in zwei bis drei Jahren dürfte sich die Lage wieder entspannen, lautet der Tenor der Branche.

Aber nicht nur die Region Wien, die mit dem Institut für Molekulare Pathologie (IMP), dem Biozentrum und dem neuen AKH das Interesse internationaler Pharma-Konzerne geweckt hat, steckt in einer schwierigen Phase. Auch im Münchner Raum, der vor wenigen Jahren noch einen sensationellen Gründungsboom verzeichnete, „geht gerade die Hälfte der jungen Unternehmen flöten“, weiß ein Insider. Rüdens Firma selbst musste im November ein Viertel der Mitarbeiter auf jetzt nur noch 90 abbauen. Eine „große Möglichkeit“ sieht der slowakische Biotech-Experte Vladimir Wiedermann für eine zentraleuropäische Biotech-Region Wien-Bratislava-Brno. Viel mehr als die gute Idee ist davon jedoch noch nicht vorhanden.

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