Grenke kennt das bestimmt schon, aber für alle die es noch nicht kennen,
deshalb habe ich u.a. GPC gekauft:
GoingPublic sprach mit Prof. Dr. Bernd R. Seizinger,
CEO der GPC Biotech AG, über die Medikamentenpipeline
des Unternehmens – insbesondere über Satraplatin,
ein Medikament gegen Prostatakrebs, über Zulassungsstrategien
sowie die Bedeutung der depressiven Finanzmärkte
für die gesamte Branche.
GoingPublic:
Was macht den Bereich der Krebstherapie
für Biotechnologie-Unternehmen wie GPC
Biotech attraktiv?
Seizinger:
Der medizinische Bedarf im Bereich der
Krebstherapie ist sehr hoch, was sich auch in
einem enormen Marktpotential ausdrückt. Es
sterben jährlich schätzungsweise 6 Mio. Menschen
weltweit an Krebs. Die Krebswahrscheinlichkeit
steigt mit zunehmendem Lebensalter, so
daß angesichts der stetigen Alterung der Bevölkerung
mit einem weiteren Anstieg dieser Zahlen
zu rechnen ist. Es wird erwartet, daß der Onkologiemarkt
von derzeit 12 auf 20 Mrd. US-$ im Jahr
2005 und damit weitaus schneller als die meisten
anderen großen Bereiche der Medizin wie Herz-
/Kreislauf- oder Stoffwechselerkrankungen wachsen
wird. Darüber hinaus gibt es in der Onkologie einige
wesentliche Unterschiede auf der Kostenseite im
Vergleich zu Bereichen wie zum Beispiel Herz-
/Kreislaufkrankheiten. Gerade die notwendigen
Zulassungsstudien, d.h. die klinischen Studien der
Phase 3, können bei Anti-Krebs-Wirkstoffen in der
Regel mit mehreren hundert Patienten durchgeführt
werden, während eine Studie für Herz-/
Kreislaufkrankheiten typischerweise mehrere tausend
Patienten umfaßt. Dies ermöglicht es auch
einem mittelgroßen Biotech-Unternehmen, die
Zulassungsstudien im Bereich Onkologie eigenständig
durchzuführen, während dies in anderen
Bereichen finanziell oft unmöglich wäre. Mittelfristig
wäre auch der Aufbau eines eigenen Vertriebs
möglich, da Krebs in der Regel in speziellen
Zentren behandelt wird, die auch mit einer überschaubaren
Außendienstmannschaft betreut werden
könnten.
GoingPublic:
Gibt es
generelle Unterschiede
bei der Zulassung im
Vergleich zu anderen
Krankheitsgebieten?
Seizinger:
Ja, die gibt
es sehr wohl. Ein wichtiger
Unterschied ist,
daß in der Krebstherapie
die Geschwindigkeit
der Zulassung in
der Regel wichtiger ist
als die Indikation der
Zulassung, d.h., für welche
Krebsart die Zulassung
erfolgt. Dies liegt daran, daß es in der Krebstherapie
in großem Maße zu sogenannten „off-label“-
Verschreibungen außerhalb der zugelassenen Indikation
kommt. Ein Krebsmedikament, das z.B. für
die Behandlung von Prostatakrebs zugelassen wurde,
kann dann auch in anderen Krebsarten, wie z.B.
Lungenkrebs, verschrieben werden. Dies liegt voll
im Ermessen des behandelnden Arztes. Man muß
hier also unterscheiden zwischen der Zulassungsstrategie
und der späteren Vermarktungsstrategie
eines Unternehmens. Das ehemals umsatzstärkste
Krebsmedikament Taxol von Bristol-Myers Squibb
wurde z.B. in einer kleinen Indikation zugelassen,
nämlich Eierstockkrebs, und erwirtschaftete den
weitaus größten Anteil der Umsätze in der Behandlung
anderer Krebsarten, wie z.B. Brustkrebs und
Lungenkrebs. Ein weiterer Unterschied und auch
strategischer Vorteil sind die relativ kürzeren Zulassungszeiten
im Vergleich zu Herz-/Kreislaufkrankheiten
oder anderen Bereichen. Außerdem handelt
es sich bei Krebs um eine Krankheit, bei der die
Alternative zu einer erfolgreichen Behandlung oft
der Tod ist. Das heißt auch, daß hier die Zulassungshürden
gegenüber schon vermarkteten Medikamenten
nicht so hoch sind wie z.B. bei Lipidsenkern. In
vielen Krebsindikationen gibt es auch oft kein wirklich
wirksames Medikament. Dann ist die Hürde
natürlich niedriger und aus regulatorischer Sicht
auch ein beschleunigtes Zulassungsverfahren möglich.
Weil die Erfahrungen in der klinischen Entwicklung
und die Kompetenz bei Zulassungsprozessen so
wichtig sind, haben wir besonderen Wert auf den
Aufbau eines Teams mit Weltniveau gelegt. Unser
Entwicklungsteam war insgesamt für über 20 Zulassungen
verantwortlich – viele davon im Bereich der
Onkologie.
GoingPublic:
Wie weit ist GPC Biotech auf dem Weg
zu einer breiten Medikamentenpipeline?
Seizinger:
Wir sind gerade im abgelaufenen Jahr unserem
Ziel, neuartige Krebsmedikamente zu entwikkeln,
und ein ausgewogenes Portfolio aufzubauen,
ein gutes Stück näher gekommen. Hervorzuheben ist
hier die Einlizenzierung von Satraplatin, ein oral –
also als Tablette – verabreichbarer Anti-Krebs-
Wirkstoff, der die außerordentlich schwierige zweite
Phase der klinischen Entwicklung bereits erfolgreich
abgeschlossen hat. Die meisten Krebsmedikamente
scheitern an dieser Phase 2, in der die Wirksamkeit
des Medikaments in Krebspatienten getestet wird.
Satraplatin wird voraussichtlich im 3. Quartal dieses
Jahres in die klinischen Studien der Phase 3 eintreten
– dem letzten Abschnitt vor der Zulassung. Aufgrund
der überzeugenden Wirksamkeitsdaten in früheren
klinischen Studien verfolgt GPC Biotech als Indikation
für Satraplatin die Behandlung von Hormon-resistentem
Prostatakrebs. Ich erinnere hier noch einmal
an den beschriebenen Unterschied zwischen einer
Zulassungs- und einer Vermarktungsstrategie. Das
heißt, wir glauben, daß Satraplatin dann letztlich
auch in anderen Krebsarten eingesetzt werden wird.
Außerdem besitzen wir die weltweiten Vermarktungsrechte
für einen weiteren Wirkstoff in Studien der
Phase 2, die vom U.S. National Cancer Institute bezahlt
werden, spannende eigene Programme mit neuartigen
Wirkmechanismen sind im vorklinischen
Stadium. Wir rechnen zudem in den nächsten Jahren
mit weiteren Einlizenzierungen.
GoingPublic:
Beeinträchtigt die momentan schlechte
Situation der Kapitalmärkte die weiteren Entwicklungsmöglichkeiten
von GPC Biotech?
Seizinger:
GPC Biotech ist mit rund 118 Mio. Euro
liquiden Mitteln zum Jahresende 2002 das mit Abstand
bestfinanzierte deutsche Biotech-Unternehmen.
Außerdem ist unser Cash Burn durch eine Reihe von
pharmazeutischen Allianzen kontrolliert. Wir sind
daher in absehbarer Zeit nicht auf die Finanzmärkte
angewiesen, um den weiteren Aufbau von GPC voranzutreiben.
Ironischerweise könnte die depressive
Stimmung an den Finanzmärkten GPC Biotechs
Chancen bei der Einlizenzierung von weiteren Medikamentenkandidaten
sogar erhöhen, da eine wachsende
Anzahl von Biotech-Unternehmen auf beiden
Seiten des Atlantiks gezwungen sein wird, Medikamentenkandidaten
abzugeben, um finanziellen Engpässen
zu begegnen. Wir sollten aus dieser Situation
daher eher gestärkt herausgehen.
GoingPublic:
Welche Meilensteine kann der Anleger
im Jahr 2003 von GPC Biotech erwarten?
Seizinger:
Fortschritte in der Entwicklung unseres
Krebsmedikaments Satraplatin werden im Mittelpunkt
stehen. Am 3. Juni werden auf dem wichtigsten
Kongreß der Krebstherapie, auf der ASCO-Konferenz
in den USA, neue Analysen einer kleineren Studie
zum Prostatakarzinom präsentiert werden, bevor es
bei Satraplatin im dritten Quartal dieses Jahres in die
Phase 3 der klinischen Entwicklung geht. Außerdem
erwarten wir weitere positive Meldungen zur Vermarktung
unserer neuen proprietären Technologie
„LeadCode“ mit pharmazeutischen Partnern. Wir
gehen zusätzlich davon aus, daß wir weitere Meilensteine
in existierenden pharmazeutischen Allianzen
erreichen werden.
GoingPublic:
Wann könnte Satraplatin die Zulassung
erhalten?
Seizinger:
Hier gehen wir vom Jahr 2007 aus. Wir
rechnen aber schon 2004/2005 mit signifikanten
Umsätzen von Satraplatin durch einen möglichen
pharmazeutischen Vermarktungspartner.
GoingPublic:
Wann erwarten Sie den Break-Even?
Seizinger:
Wie bisher bleiben wir bei 2006. Medikamentenentwicklung
braucht seine Zeit. Wichtig ist
aber zu sehen, daß schon während der Verlustphase
erhebliche Werte generiert werden. Diesen Weg mußten
alle gehen – auch die Amgens und Genentechs
dieser Welt.
GoingPublic:
Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview für GoingPublic führte Christian Schiffmacher.
www.goingpublic.de