Mit neuen Ladenkonzepten und starker Expansion greift der Erotikkonzern Beate Uhse den Marktführer Playboy an. Vorstandschef Lindeman hofft auf ein frisches Image.Nach dem Tod der Firmengründerin Beate Uhse im vergangenen Jahr steht der Erotikkonzern vor weitreichenden strategischen Veränderungen. Vorstandschef Otto Lindemann plant der mittlerweile über 50 Jahren alten Marke ein deutlich frischeres Image zu verpassen. "Unser Label ist natürlich stark mit der Person Beate Uhse verbunden. Die Marke ist zwar positiv besetzt, hat aber durchaus auch Runzeln und Fältchen", meint Lindemann. "Wir müssen aufpassen, dass wir dem gesellschaftlichen Wandel nicht hinterherlaufen."
Während einer Strategietagung hat Lindemann, der Beate Uhse zum weltweit führenden Erotik-Anbieter machen möchte, sein Management unlängst auf die Konzernstruktur von morgen eingeschworen. Geplant sind Einschnitte in die Markenpolitik, zeitgemäßere Ladenkonzepte sowie eine deutlich forcierte Expansionsstrategie in Europa und den USA. "Ich gehe davon aus, dass wir in etwa fünf Jahren den weltweit umsatzstärksten Anbieter Playboy knacken können. Beim Gewinn haben wir das schon geschafft", so Lindemann.
Kein Wunder: Der US-Konzern hat 2001 bei einem Umsatz von 290 Mio. $ rote Zahlen geschrieben. Auch beim Konkurrenten aus Flensburg, der in den Bereichen Einzel-, Groß- und Versandhandel sowie Neue Medien tätig ist, lief auf der Ertragsseite nicht alles nach Plan. Im vergangenen Geschäftsjahr (31.12.) musste Lindemann beim Ergebnis Einbußen von voraussichtlich knapp 26 Prozent auf gut 10 Mio. Euro hinnehmen. Der studierte Argrarökonom erklärt die Schlappe mit Integrationsproblemen einer zugekauften Großhandelstochter und enttäuschenden Erlösen des Online-Geschäftes. Den Umsatz der seit dem Jahr 1999 im MDax notierten Gesellschaft glaubt Lindemann um gut 30 Prozent auf knapp 217 Mio. Euro steigern zu können. Endgültige Zahlen veröffentlicht er Ende April.
Der Erotikmarkt in Europa, der nach Berechnungen des Uhse-Konzerns einen Gesamtumsatz von rund 1 Mrd. Euro hat, gilt als stark zersplittert. "Entsprechendes Marketing vorausgesetzt, lässt sich das Volumen in wenigen Jahren mindestens verdreifachen", schwärmt Lindemann.
Imagepolitur für Sexshops
Dazu kann sich der ehemalige Fielmann-Manager im kommenden Jahr sogar eine breit angelegt TV-Werbekampagne vorstellen. Voraussetzung dafür sei aber, die Markenvielfalt des Uhse-Konzerns, die durch Übernahmen zuletzt stark zugenommen hat, zu straffen. "Beate Uhse wird dabei europaweit als Dachmarke eingeführt", kündigt Lindemann an. "Bei unseren restlichen Brands wie etwa Dr. Müller, Helen Duval oder Pabo haben wir uns etwas verzettelt. Künftig werden wir da aufräumen und sie stärker an Beate Uhse anbinden."
Auch den rund 200 Sex-Shops steht mittelfristig eine Imagepolitur ins Haus: "Mit unserem alten Ladenkonzept sprechen wir rund zehn Prozent der männlichen Bevölkerung an", so Lindemann. "Wir machen uns Gedanken darüber, wie wir auch den Rest für uns gewinnen können."
Neukunden für animierende Unterwäsche, freizügige Videos oder batteriebetriebene Stimulatoren, will der 43-jährige Norddeutsche die Scheu davor nehmen, einen Beate-Uhse-Shop zu betreten. Am 11. April öffnet in der norwegischen Stadt Bergen der erste von zunächst drei Prototypen einer unverfänglich gestalteten Filiale mit entschärftem Sortiment. Vor allem Frauen soll das helle Ambiente animieren. "Unsere Stores haben nur zehn Prozent weibliche Kunden", rechnet Lindemann vor. "Beim Versandhandel liegt die Quote bei 30 Prozent."
Mit herkömmlichen Sex-Shops - dunkel, abgeschottet und schlüpfrig - habe das neue Geschäft nichts mehr gemeinsam. "Sind wir erfolgreich, kann es durchaus sein, dass wir das so ähnlich auch in Deutschland umsetzen", sagt der Vorstandssprecher.
Mit Soft-Sex in die Fußgängerzone
Die geplante Light-Version eines Sex-Shops dürfte es Lindemann auch erleichtern, behördliche Genehmigungen für seine Verkaufsstellen zu bekommen. Auf der Hamburger Einkaufsmeile Mönckebergstraße etwa scheitert der Zweimeter-Mann bislang damit. Ähnliche Probleme fürchtet Lindemann auch in den USA. Der angekündigte Einstieg wird ab Juni vorerst nur im Bereich Versand umgesetzt.
Die Logistik für das Europa-Geschäft wird Lindemann dagegen in Amsterdam zentralisieren. Dort entsteht bis zum Frühjahr 2003 ein Logistikzentrum mit rund 19.000 Quadratmetern Lagerfläche. "Damit werden wir jährlich rund 2 Mio. Euro sparen", sagt Lindemann. Dem gegenüber stünden allerdings allein in diesem Jahr Investitionen von 5 Mio. Euro. Das Ausgliedern dieses Bereichs an spezialisierte Logistik-Dienstleister wie Danzas oder Thiel kommt für Lindemann nicht in Frage. "Hier liegt eine unserer Kernkompetenzen."
Zu schaffen machen den Flensburgern die strikten deutschen Gesetze gegen Pornografie. Seit einem guten Jahr sendet Beate Uhse über den Pay-TV Sender Premiere von Medienmogul Leo Kirch ein Softporno-Programm, für das die Abonenten keinen Cent extra bezahlen müssen. "Wenn wir auch Hardcore-Filme zeigen dürften, wäre das für den Kirch-Konzern sowie für uns ein Riesenerfolg". Bislang hat Premiere ja noch nicht einmal drei Millionen Kunden. Könnten wir harte Sexstreifen senden, hätte Kirch diese Zahl schon längst deutlich übertroffen", glaubt Lindemann.
ftd.de