Ich halte es für unwahrscheinlich, dass AT&S in diesem Umfeld Aktienrückkäufe startet. Objektiv betrachtet kann man sich das in so einem Markt nicht leisten. Bereits die erhöhte Dividende dieses Jahr war ein unnötiger Fehler des Managements, welcher ohne Not das Risiko des Unternehmens erhöht hat.
Zwar hängt AT&S, wie hier vielfach besprochen, am stabilsten Teil des Marktes. Aber das heißt ja nicht, dass man total abgekoppelt von wirtschaftlichen Risiken ist.
Im Vergleich zur sehr rosigen Situation vor ein paar Monaten hat sich unerwartet einiges zusammengebraut:
- erhebliche technologische Probleme des praktisch einzigen Kunden für das eigene Hauptprodukt
- Anbahnung einer Rezession
- Starke Erhöhung der Zinsen
- zugleich massiver Kapazitätsausbau der Konkurrenz
Ich bin hier zwar nach wie vor sehr positiv gestimmt und habe keine einzige Aktie verkauft. Aber man muss dieses Umfeld und die sich daraus ergebenden Risiken ja dennoch zur Kenntnis nehmen als Unternehmen ganz gleich wie vorteilhaft die Situation im IC Bereich für Server heute noch sein mag.
Insbesondere muss man ja auch zur Kenntnis nehmen, dass AT&S heute bereits extrem verschuldet ist und noch stärker verschuldet sein wird in den nächsten zwei Jahren. Die Bilanz ist hier trügerisch. Denn tatsächlich sind die erheblichen Anzahlungen von Intel und der Hybrid Bond ja echtes Fremdkapital, das auch zurückgeführt werden muss. De facto ist AT&S vermutlich das am Stärksten verschuldete Unternehmen der Branche (auch wenn Intel ein geduldigerer Geldgeber sein wird als die Banken).
Die Aussagen von Herrn Gerstenmaier, man sei bis 2026 ausverkauft halte ich in diesem Zusammenhang für irreführend. Intel wird keine Substrate kaufen, die sie nicht verbauen können. Zwar gehen wir alle davon aus, dass Intel die Substrate schon brauchen wird. Aber wer weiß das schon mit absoluter Sicherheit?
Daher denke ich, dass es zu riskant wäre, in so einem Umfeld Aktienrückkäufe zu tätigen oder Dividenden zu zahlen. In meinen Augen heißt es jetzt eher: Pobacken zusammenkneifen und den aktuell noch sprudelnden Cashflow in Schuldenrückführung stecken um die Risiken zu senken.
Die Zeit für Rückkäufe war vorher, aber das hat man bei tiefen Kursen in guten Zeiten versäumt. Um Signale zu setzen müssen wir hier vermutlich eher auf (hoffentlich gute) Quartalsmeldungen hoffen und auf private DDs von Management und Dörflinger Stiftung.
Wenn das Management ein Zeichen setzen wollte, wäre es vermutlich am effektivsten, wenn Herr Gerstenmaier selbst mal ein paar Hunderttausend in die Hand nimmt.
Für uns heißt es jetzt vermutlich erstmal Nerven bewahren und darauf hoffen, dass Intel in den nächsten Monaten die bereits zweifach verzögerte neue Chipgeneration für Datacenter endlich hinbekommt. Dann hätte AT&S sicher erstmal eine gute Auslastung und somit auch gute Ergebnisse. Denn der Dollar spielt uns ja weiter in die Karten.