Lieber Hzenger, ich verstehe, was Du meinst ! Letztlich ist es eine Frage der Anlegerphilosophie. Generell denke ich, dass jeder vernünftige Aktionär, NICHT die Ausschüttung des GESAMTEN Gewinns verlangt, sondern eben einen Teil davon. Ich glaube, dass AT&S in den letzten Jahren maßvoll vorgegangen ist (auch die Mehrheitsaktionäre). Auch wenn ich Deine Sicht verstehe, sollte man bedenken, dass jemand, der aktuell bei AT&S einsteigt, einiges Geld aufbringen muss - und es ist nicht vorhersagbar, ob die Aktie steigt oder auch fällt. Jemand, der noch vor wenigen Tagen mit 10.000 Stk. bei € 55.- eingestiegen ist, nähert sich einem Minus von € 100.000. Und dann auch keine Dividende ?
Wenig betrachtet wurde bisher auch der Umstand, dass für so manchen Anleger die Erträge nicht nur vielleicht für den privaten Lebenbedarf interessant sein könnten, sondern ganz speziell auch für weitere Investitionen. Besonders, wenn man mit den Titeln, die man im Depot hat, ganz "zufrieden" ist, und diese nicht verkaufen möchte.
Ich möchte aber noch ein weitereres, bisher noch gar nicht angesprochenes, Argument vorbringen:
Nehmen wir einmal an, AT&S erreicht den von Cicero (als erste Stufe) angepeilten Kurs von € 80.-- und betrachten wir das aus der Sicht der Androsch Privfatstiftung: Sie besitzt 17,6 % der Aktien, also rund 6,84 Mio Stk. Macht bei einem angenommenen Kurs von € 80 einen Wert von € 547 Mio aus. Habe keine Ahnung, wie hoch die Depotgebühr ist, die von der Stiftung zu berappen ist, aber sagen wir, es sind 0,12 % im Jahr. Dann fallen rund € 656.000.- an Depotgebühr an. Nun vermute ich noch dazu, dass Dr. Androsch bzw. die Stiftung ja nicht nur AT&S Aktien alleine im Besitz haben. Wie soll man die jährliche Depotgebühr bezahlen, wenn ALLE Aktien, keinen Ertrag in Form von Dividenden abwerfen, sondern die Gewinne in wertsteigernde Maßnahmen weiterfinanzieren .... ?
Und jetzt stell Dir mal vor, AT&S erreicht einen Kurs von € 200.--, der in der letzten Zeit in diesem Forum für möglich gehalten wurde. Die fiktive Depotgebühr läge bei der Androschstiftung dann schon über € 1,5 Mio jährlich (alleine für die AT&S Aktien). Den Ausfall der dividende nach Deinem Modell könnte man weiter argumentiene, weil AT&S dann mit Sicherheit schon die nächsten Großprojekte plant oder gar schon baut, und folglich weiterhin entsprechenden Finanzbedarf hätte.
Man hätte - ohne Dividenden - folgende Optionen:
- zu hoffen, dass der Kurs nicht steigt .... (fast schon ein perverser Gedanke aus Aktionärssicht).
- man könnte Kredit aufnehmen, um die Depotgebühr bezahlen zu können
- man müsste Aktien zu verkaufen, von einem Unternehmen, bei dem man lieber zukaufen wollte ....
Wie ich zuletzt schon schrieb: wie würde der Markt das aufnehmen, wenn die Mehrheitseigentümer anfingen, ihre Aktien zu verkaufen, um Erträge zu lukrieren ?
Ich glaube, eine maßvolle Mischung von Ausschüttung und weiterfinanzierung im Unternehmen ist eine gute Strategie. Und soweit ich das sehe, wird das von AT&S auch so angelegt.