Tatsächlich wäre zu hoffen, dass die (teure) Lernkurve in Zukunft nicht mehr ganz so radikal sein wird. Zwar wird man in der Branche immer neue Innovationen finanzieren müssen, um den steigenden technologischen Anforderungen von Kunden wie Apple und Intel gerecht zu werden. Allerdings baut man sich gerade auch eine solide Position an der Innovationsgrenze auf und muss sich daher in Zukunft hoffentlich nicht alle drei Jahre neu erfinden.
Was hier wichtig ist, ist dass man auf die aktuellen Investitionen eine Kapitalrendite erzielt, die deutlich über den Kapitalkosten ist. Im Moment wird AT&S nahe am Buchwert bewertet (den man in meinen Augen als Investor um Hybridkapital bereinigen sollte). Das spiegelt die Erwartung wieder, dass AT&S auf die Investitionen in Chonqing III eine Marktrendite von vielleicht 7% Rendite erzielt. Das eigene Ziel ist jedoch ein ROCE von 12% -- also erheblich mehr. Damit steht und fällt also die Bewertung.
Natürlich bringt Wachstum um des Wachstums willens nichts. Zunächst muss man wie geplant das EBIT hochziehen (das EBITDA sollte uns als Investor weniger interessieren in einer so kapitalintensiven Industrie). Und dann muss man es auch noch schaffen, das erhöhte EBIT in FCF zu konvertieren (was in einer kapitalintensiven und innovativen Industrie nicht leicht ist).
AT&S wird im Steady State wahrscheinlich nie horrende KGVs erzielen wegen der immer wieder nötigen Investitionen. Es ist halt wichtig, dass man vorher realistisch kalkuliert mit neuen Werken (und auch berücksichtigt, dass Gewinn auf dem Papier nicht gleich Gewinn auf dem Konto ist, wenn alle möglichen Kosten immer aktiviert werden können in der Bilanz).
Ich denke/hoffe, dass man durch den Technologiesprung bald eine Position innehaben wird, wo einen Apple und Intel nicht mehr ganz bis auf die Marktrendite runterhandeln können bei jeder Erweiterung. Ab einem bestimmten Punkt wird die Abhängigkeit gegenseitig, und dann sollte AT&S eine gute Rendite verhandeln können. Von den Planungen her ist AT&S gut eingestellt auf profitables Wachstum und die Möglichkeit eines EPS von 3-5 nach Ausbau in Chonqing.
Aber natürlich ist die Branche auch sehr zyklisch. Wenn zuviele Konkurrenten auch ihre Substratwerke erweitern, kann dort irgendwann auch wieder Preisdruck aufkommen. Sprich: es gibt einige Unbekannte, und der Markt hat hier erstmal noch Angst vor dem Risiko. Ich selbst warte gern drei bis vier Jahre. Sobald das EPS wächst, wird auch die Aktie in die Gänge kommen, da habe ich keine Zweifel.
