Deine Frage zur Motivation des Verborgens von Aktien ist schon interessant. Setzen wir mal voraus, dass die Goldmänner felsenfest von AT&S überzeugt sind. Dann möchten die nicht wirklich verkaufen, aber doch dran mehr Cash verdienen. Die Dividende ist ja angemessen aber (hoffentlich "noch") nicht übermäßig üppig. Die Verzinsung durch das Verleihen ist dann ein schönes und sicheres Zusatzeinkommen - insoferne man an einen potenten Partner verleiht, was man bei JP ja annehmen darf. Der Wertverlust in den Büchern ist in dem Fall allen Fragestellern gegenüber erklärbar, denn letztlich hat man den Titel ja noch man braucht nur warten, bis die Verleihfrist abgelaufen ist und der Titel wieder in die "normale Höhe" gewandert ist (wie gesagt, wir reden von dem Fall, dass man von einem Titel wie AT&S grundsätzlich überzeugt ist). Ist wohl ähnlich dem Geldverleihen von Banken.
Den zwischenzeitlichen Wertverlust in den Büchern könnte man ausgleichen, indem man selbst ebenfalls eine solche Strategie fährt und z.B. im Gegenzug "beispielsweise ....." dafür von JP andere Aktien ausborgt, die man dann selbst leerverkauft aber in den Büchern hat.
Du hast natürlich Recht, dass man auch "wirklich" verkaufen könnte um dann bei sturmreifgeschossenen Kursen wieder neu zu kaufen. Das werden die sicherlich ja auch tun, bei anderen Titeln eben. Shorties kauen ja wie die Termiten an vielen Bäumen. Besonders bei Titeln, an deren Zukunft man glaubt, ist da aber ein gewisses Risiko dabei: Man weiß nämlich nicht, ob der Angriff der Shorties Erfolg hat und noch weniger wie sehr. Hat man verkauft, dann sind die erst mal weg. Hat man mit Gewinn verkauft - dann könnte es umso "schlimmer" sein, denn dann kommt die KEST in's Spiel und die Titel müssen dann erst mal ganz sicher um 27,5 % fallen, wenn ich unsere Maßstäbe heranziehe. Fallen sie nicht tiefer, hat man bei der Verkauf und späterer Rückkaufmethode einen Verlust. Fallen sie schon tiefer, dann ärgert man sich vielleicht, warum man das nicht "vorhergesehen" hat - tröstet sich aber damit, dass man den Titel dafür noch hat (wenngleich verborgt) und kassiert in der Zwischenzeit die Leihgebühr und die wird immer noch mehr ausmachen, als das Sparbuch und dennoch quasi risikolos. Dass der titel nach dem Shorty-Angriff tief bleibt, das kann in unserer Fallkonstellation nicht passieren - denn wir setzen ja voraus, dass man vom Titel im Grunde überzeugt ist (andernfalls hätte man sich einfach verspekuliert).
Spannend wird's bei der Kombination, dass zwei Investoren sich wechselseitig borgen und verborgen. Dann schonst Du die optische Bilanz deiner Bücher und gewinnst auf beiden Seiten. Die Rechnung zahlen die anderen Anleger (aber es muss ja bei Gewinnen auch einen Verliere geben) - allerdings immer nur dann, wenn die erwartete Kursentwicklung auch eintritt. Das Risiko, das man an der Börse aber sowieso immer hat.
Dennoch halte ich das Leerverkaufen nach wie vor für eine "Investitionsmethode", die es wegen ihrer Destruktivität nicht geben sollte (das hab ich aber schon begründet, möchte damit niemand mehr hier langweilen).