Aber es gibt schon einige Auffälligkeiten auch beim Kursverlauf gestern: Die Aktie begann mit moderaten Aufschlägen, ab dem Zeitpunkt des Bekanntwerdens des neuen Shortys ein kleiner Sinkflug bis fast -3 %, um dann bei hohem Volumen mit -0,36 % aus dem Handel zu gehen. Gleichzeitig in den USA der Dow Jones mit leichten Verlusten, der Nasdaq bei hoher Volatilität über den Tag konnte am Ende recht ansehnlich zulegen, die für AT&S relevanten Werte wie Intel und AMD beinahe unverändert, Apple konnte wieder moderat zulegen.
Das Riskante für einen Shorty bei so einem niedrigen Kurs einzusteigen ist, wenn das offenbar einkalkulierte Negativszenario nicht eintritt. Über irgendeine fundamentale Änderung bei AT&S ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt ja nix bekannt, wenn was Gröberes wäre, müsste es sehr bald eine Ad-hoc-Meldung geben, also nehme ich mal an, dass die Short-Spekulation vor dem Hintergrund des allgemeinen negativen Umfelds von gleichzeitigen (!!!) Zins- und Rezessionsängsten stattfindet. Die Zinsängste wurden durch die enorm hawkishen Aussagen von Fed-Chef Powell ausgelöst, der den Holzhammer geschwungen und sogar noch zwei mögliche Zinsschritte angedeutet hat, damit man ihm endlich glaubt, dass die Fed es ernst meint. Und ich denke, dass war tatsächlich eine bewusste Übertreibung, die sich bald in Luft auflösen wird, denn es spricht einfach zu vieles dafür, dass die Fed mit diesen Zinserhöhungen nicht so weiter machen kann - nicht nur, aber auch auch deswegen, weil die Refinanzierung des Staatshaushaltes damit auch immer teurer wird. Was wir ja jetzt erleben, ist eigentlich ein einzigartiges Experiment: Zwar war das Leitzinsniveau insgesamt wohl schon mal höher, allerdings hat man wohl nie zuvor in der Geschichte die Zinsen so schnell angehoben. Die Inflation ist aber trotz dieser Maßnahmen nicht so rasch gesunken wie man gehofft hat, andererseits ist die moderate Rezession, die man in Kauf genommen hätte, auch nicht eingetreten. Und so befindet man sich momentan in einer heiklen Situation, denn man kann ahnen, dass bestimmte Effekte erst relativ zeitverzögert, dann aber möglicherweise mit voller Wucht eintreten. Eine moderate Rezession, ja, eine ausgewachsene Wirtschaftskrise: nein. So denkt wohl die Fed und so wird sie wohl auch handeln. Ich bin mir sicher, dass die in nächster Zeit die Rhetorik ändern wird, was sich positiv auf die Aktienmärkte niederschlagen sollte.