nächsten Jahren immer wichtiger werden, da die reelle Gefahr besteht, dass die Gesamtmärkte fast keine Realrendite für die nächsten 10 Jahre abwerfen werden (Quelle Kapital kolummne):
Großzügig gerechnet
Wir schreiben das Jahr 2026. Den europäischen Firmen geht es prima. Seit 2010 haben sie ihren realen Umsatz um zwei Prozent jährlich gesteigert. Und nach Steuern erzielen sie eine Gewinnspanne von fünf Prozent. Nur die Anleger, die fluchen.
Die Charttechniker sind ganz aufgeregt. Irgendeine Kursformation mit Schulter und Kopf soll demnächst darüber entscheiden, ob es weiter an den Aktienmärkten rumst. Fundamental spricht eigentlich nur ein Grund dagegen: dass die Aktienanleger jetzt bereits den nächsten Monsterwertpapieraufkauf der Fed antizipieren. Das will man allerdings noch sehen, dass die Fed schon den nächsten Akt der quantitativen Lockerung eröffnet, bevor das Publikum in Panik verfällt.
Viele schlaflose Nächte für nichts Aber egal, besonnene Anleger bleiben dem Gezocke ohnehin fern. Und anders kann man es kaum nennen, wenn die Anleger als Arbeitshypothese mit einer Nettogewinnspanne von sieben bis acht Prozent des Umsatzes der Firmen rechnen, wie es in Europa zwischen 2010 und 2012 unterstellt ist. In den 80ern und 90ern lag die Rentabilität ungefähr bei der Hälfte. Wenn man einmal - großzügig - davon ausgeht, dass sich die Gewinnspanne langfristig bei fünf Prozent einpendelt, wären die realen Erträge sogar dann im Jahre 2026 noch niedriger als 2010, wenn man bis dahin - sehr großzügig - einen mittleren Anstieg der realen Umsätze von zwei Prozent jährlich annimmt.
Und eine Normalisierung der Gewinnspannen ist so sicher wie die Vergreisung der Gesellschaft des Westens - oder in China. Doch warum sind die Margen überhaupt so hoch? Bis 2007 war es wohl das Zusammenspiel aus niedrigen Kosten im Zuge der Globalisierung (Lohnmäßigung, Importpreise), mickrigen Realzinsen und kreditfinanziertem Überkonsum in weiten Teilen des Westens. Dann sprangen die Regierungen der Industrieländer mit Budgetdefiziten von fast einem Zehntel ihres BIPs ein, um die private Überschuldung mit staatlicher Überschuldung zu übertünchen.
Doch selbst Frohnaturen werden einräumen, dass auch diese Quelle künstlicher Nachfrage im Versiegen begriffen ist. Derweil werden in Ländern wie Deutschland jetzt - kurz nach einem BIP-Einbruch - schon wieder Klagen über Fachkräftemangel laut, der über die kommenden Jahre wegen der Alterung und der Bildungsmisere zu einer erheblichen Verschiebung der Verhandlungsmacht zwischen Firmen und Arbeitern führen dürfte. Und während die Produktion da, wo es die meisten Vorteile verheißt, eh längst in die Schwellenländer ausgelagert ist, dürften Umweltstandards und Lohnstückkosten auch dort zunehmen, wie etwa die Entwicklungen in China andeuten.
Dass es sich rächt, in Aktien zu investieren, wenn es den Firmen zu gut geht, ist übrigens ein alter Hut. 1965 beispielsweise sackten die US-Kapitalgesellschaften gut zwölf Prozent ihrer Bruttowertschöpfung ein, nach Steuern. Seither hat der Kurs des S&P 500 in realen D-Mark/Euro gerade noch um mittlere 0,65 Prozent jährlich zugelegt.
"Drei Dinge treiben den Menschen zum Wahnsinn. Die Liebe, die Eifersucht und das Studium der Börsenkurse."
John Maynard Keynes