Amitelo: Größter Skandal seit ComRoad?
09:45, 11.04.07
www.boerse-online.de/aktien/deutschland_europa/488540.html
Von Christian Scheid
Der Entry Standard steht vor seinem größten Skandal: Reporter des ZDF-Magazins "Frontal 21" deckten bei Recherchen in Zürich, Nordafrika und Spanien zahlreiche Umgereimtheiten auf. Es ist zu befürchten, dass Amitelo die meisten Erfolgsmeldungen – und wahrscheinlich sogar einen Großteil der Umsätze – frei erfunden hat.
Beim Besuch der Amitelo-"Zentrale" in der Löwenstraße 40 in Zürich fanden die Reporter nichts als leere Büros vor. Ein benachbarter Anwalt hat dort "seit einem halben Jahr oder länger" niemanden mehr ein- oder ausgehen sehen.
Auch in Nordafrika, wo sich laut Amitelo die operative Zentrale und das Technik-Zentrum befinden sollen, fand die Frontal 21-Crew nichts außer dem Firmenschild vor.
In Südspanien gibt es zwar eine Fabrikhalle. "Was wir hier finden, erinnert uns eher an eine Garagenfirma als an ein Hightech-Unternehmen der Telekommunikation", so die Reporter. Im Interview mit einer ehemaligen Amitelo-Managerin kommt heraus, dass es die im Oktober vergangenen Jahres vermeldeten Aufträge aus Kolumbien wohl nie gegeben habe.
Von den Erfolgsmeldungen der Amitelo AG ließen sich zahlreiche Börsenbriefe und Anlegermagazine zu Kaufempfehlungen verleiten. Sogar das renommierte Bankhaus Lampe riet bis vor kurzem noch zum Einstieg in die Aktie. Amitelo-Vorstand Jan Malkus warb damit sogar kürzlich auf einem Seminar von "Börsen-Guru" Markus Frick in Stuttgart.
Zugegeben: Nach einem Gespräch mit Amitelo-Vorstand Jan Malkus empfahl auch BÖRSE ONLINE den Titel bei einem Kurs von 99 Cent zum Kauf. Gleichzeitig wiesen wir aber auch auf die großen Risiken hin: "Die Amitelo-Aktie gehört mit zum spekulativsten, was der Entry Standard zu bieten hat."
Zunächst ging die Rechnung auf und die Aktie stieg. Wir rieten, den Stoppkurs auf das Einstandsniveau nachzuziehen. Anleger, die dieser Empfehlung gefolgt sind, mussten zumindest keinen Schaden erleiden.
Anders sieht es in den Depots aus, in denen die Aktie heute noch liegt. Nach dem Frontal 21-Report ist der Titel um 66 Prozent auf nurmehr 38 Cent eingebrochen.
Das muss aber noch nicht das Ende gewesen sein. Denn nach den bisherigen Erkenntnissen könnte sich der Fall Amitelo als "zweite ComRoad" heraustellen. Zur Erinnerung: 1999/2000 brachten Recherchen von BÖRSE ONLINE ans Licht, dass der Telematikanbieter einen Großteil seiner Umsätze erfunden hatte.
Inzwischen führt auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) eine Untersuchung wegen Verdachts der Marktmanipulation in Aktien der Amitelo durch. Anlass sind verschiedene Informationen zur Gesellschaft sowie auffällige Handelsumsätze. Wir raten dringend von einem Einstieg in das skandalbehaftete Papier ab.
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