Ifo-Institut hält Dax für unterbewertet / Geschäftsklima weist auf normalen Aufschwung hin
pwe. FRANKFURT, 23. Juli. Während die deutschen Unternehmen ihre Geschäftsaussichten für die Zukunft recht ordentlich einschätzen, weisen die Kurse an den deutschen Aktienbörsen schon seit Monaten nach unten. "Die Börsenkurse haben sich von den ökonomischen Fundamentaldaten gelöst", sagt der Ökonom Gernot Nerb vom Münchener Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung. Das zeigen Berechnungen von Nerb auf Basis des Ifo-Geschäftsklima-Index. Danach müßte der deutsche Aktienindex für die Standardwerte, der Dax, derzeit zwischen 5200 Punkten und 6400 Punkten liegen. Am Dienstag abend dagegen lag der Dax bei rund 3550 Punkten. Die Differenz zeigt nach Meinung von Nerb, wie groß der aktuelle Vertrauensverlust unter den Aktienanlegern ist.
"Solche Sondersituationen lassen sich durch keine Prognose einfangen", sagte der Ökonom dieser Zeitung. Nerb vertraut bei seinem Urteil über die Aktienkurse auf ein Modell, in dem der Ifo-Teilindex der Geschäftserwartungen, der Frühindikator der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) für die G-7-Staaten und die langfristigen Zinsen in den Vereinigten Staaten und Deutschland eingehen. "All diese Indikatoren weisen zur Zeit eher auf einen Aufschwung hin", sagt Nerb. In den Aktienkursen schlage sich das aber nicht nieder.
Solche Abweichungen gebe es zeitweise immer wieder, zuletzt im September 2001 nach den Anschlägen in den Vereinigten Staaten. Nerb ist optimistisch, daß die vergleichsweise guten Geschäftserwartungen der deutschen Unternehmen sich auf Dauer durchsetzen würden. Sicher kann man sich da jedoch nicht sein: So folgten in der Rußland-Krise im Herbst 1998 die Geschäftsklima-Indizes eher dem Dax nach unten als umgekehrt.
Der Ifo-Geschäftsklima-Index wird in monatlichen Befragungen bei deutschen Unternehmen ermittelt. Die Unternehmen geben sowohl eine Einschätzung ihrer aktuellen Geschäftslage wie der Geschäftsaussichten an. In den vergangenen Monaten hat sich die Einschätzung der Erwartungen deutlich verbessert und liegt nur wenig unter dem jüngsten Höchststand zur Jahreswende 1999/2000. Die Beurteilung der Geschäftslage hinkt dem noch hinterher. "Die Spanne zwischen Lage und Erwartung ist sehr ausgeprägt", sagte Nerb. Die Wirtschaft lebe zur Zeit noch stark von der Hoffnung, daß die Konjunktur anspringt. "Aber das haben wir früher auch schon gehabt. Von dieser Seite spricht alles für einen ganz normalen Aufschwung."
Der Juli-Wert des Ifo-Geschäftsklima-Index wird am Donnerstag veröffentlicht. Volkswirte rechnen laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg mit einem leichten Rückgang beim Geschäftsklima von 91,3 Punkten auf 91,1 Punkte. Sowohl die Beurteilung der Lage wie der Erwartungen wird nur leicht schwächer erwartet. Nerb erstaunt das nicht. "Die aktuellen Verwerfungen an den Finanzmärkten haben mit der Realität nur noch wenig zu tun. Da sind auch Unternehmen verprügelt worden, denen es eigentlich recht gut geht. Egal, wie das am Donnerstag mit dem Ifo-Geschäftsklima-Index ausgeht, müßte der Dax von den fundamentalen Daten her eigentlich viel höher liegen."
Das Ifo-Institut rechnet nach Aussage seines Präsidenten Hans-Werner Sinn für dieses Jahr mit einem realen Wirtschaftswachstum in Deutschland von 0,7 Prozent. Im kommenden Jahr soll das Bruttoinlandsprodukt um 2,3 Prozent zulegen.
pwe. FRANKFURT, 23. Juli. Während die deutschen Unternehmen ihre Geschäftsaussichten für die Zukunft recht ordentlich einschätzen, weisen die Kurse an den deutschen Aktienbörsen schon seit Monaten nach unten. "Die Börsenkurse haben sich von den ökonomischen Fundamentaldaten gelöst", sagt der Ökonom Gernot Nerb vom Münchener Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung. Das zeigen Berechnungen von Nerb auf Basis des Ifo-Geschäftsklima-Index. Danach müßte der deutsche Aktienindex für die Standardwerte, der Dax, derzeit zwischen 5200 Punkten und 6400 Punkten liegen. Am Dienstag abend dagegen lag der Dax bei rund 3550 Punkten. Die Differenz zeigt nach Meinung von Nerb, wie groß der aktuelle Vertrauensverlust unter den Aktienanlegern ist.
"Solche Sondersituationen lassen sich durch keine Prognose einfangen", sagte der Ökonom dieser Zeitung. Nerb vertraut bei seinem Urteil über die Aktienkurse auf ein Modell, in dem der Ifo-Teilindex der Geschäftserwartungen, der Frühindikator der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) für die G-7-Staaten und die langfristigen Zinsen in den Vereinigten Staaten und Deutschland eingehen. "All diese Indikatoren weisen zur Zeit eher auf einen Aufschwung hin", sagt Nerb. In den Aktienkursen schlage sich das aber nicht nieder.
Solche Abweichungen gebe es zeitweise immer wieder, zuletzt im September 2001 nach den Anschlägen in den Vereinigten Staaten. Nerb ist optimistisch, daß die vergleichsweise guten Geschäftserwartungen der deutschen Unternehmen sich auf Dauer durchsetzen würden. Sicher kann man sich da jedoch nicht sein: So folgten in der Rußland-Krise im Herbst 1998 die Geschäftsklima-Indizes eher dem Dax nach unten als umgekehrt.
Der Ifo-Geschäftsklima-Index wird in monatlichen Befragungen bei deutschen Unternehmen ermittelt. Die Unternehmen geben sowohl eine Einschätzung ihrer aktuellen Geschäftslage wie der Geschäftsaussichten an. In den vergangenen Monaten hat sich die Einschätzung der Erwartungen deutlich verbessert und liegt nur wenig unter dem jüngsten Höchststand zur Jahreswende 1999/2000. Die Beurteilung der Geschäftslage hinkt dem noch hinterher. "Die Spanne zwischen Lage und Erwartung ist sehr ausgeprägt", sagte Nerb. Die Wirtschaft lebe zur Zeit noch stark von der Hoffnung, daß die Konjunktur anspringt. "Aber das haben wir früher auch schon gehabt. Von dieser Seite spricht alles für einen ganz normalen Aufschwung."
Der Juli-Wert des Ifo-Geschäftsklima-Index wird am Donnerstag veröffentlicht. Volkswirte rechnen laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg mit einem leichten Rückgang beim Geschäftsklima von 91,3 Punkten auf 91,1 Punkte. Sowohl die Beurteilung der Lage wie der Erwartungen wird nur leicht schwächer erwartet. Nerb erstaunt das nicht. "Die aktuellen Verwerfungen an den Finanzmärkten haben mit der Realität nur noch wenig zu tun. Da sind auch Unternehmen verprügelt worden, denen es eigentlich recht gut geht. Egal, wie das am Donnerstag mit dem Ifo-Geschäftsklima-Index ausgeht, müßte der Dax von den fundamentalen Daten her eigentlich viel höher liegen."
Das Ifo-Institut rechnet nach Aussage seines Präsidenten Hans-Werner Sinn für dieses Jahr mit einem realen Wirtschaftswachstum in Deutschland von 0,7 Prozent. Im kommenden Jahr soll das Bruttoinlandsprodukt um 2,3 Prozent zulegen.