Klar, weil zig1000 Fachleute aus dem Osten in den Westen gewechselt sind. Aber es gäbe KEINEN Mauerbau, wenn die Ami's dem nicht stattgegeben hätten!
Chrustschow war 1961 in einer sehr starken Position: Er hatte neue Waffen, die die Amis noch nicht hatten. Er war im Weltalle weiter. Die Russen wußten, daß sie Druck ausüben konnten. Kennedy hingegen erlitt gegenüber den Russen eine Niederlage nach der anderen. Als Chrustschow bei Kennedy war, forderte er Westberlin... klar, er wollte die Ursache des Massenexodus aus der DDR beseitigen. Er stellte ein Ultimatum - mit der Drohung von Krieg!
Das Ultimatum lief ab... es passierte nichts, aber die "Luft" war wie elektrisiert. Kennedy sprach zu seinem Volk... er machte deutlich, daß er nie und nimmer WESTBERLIN aufgeben würde... von OSTBERLIN war keine Rede... wohldurchdacht...
Das war das entscheidende Zeichen an die Russen: Macht was ihr wollt, ich gebe Westberlin nicht her, aber ich gebe Euch vollkommne Freiheit im Osten...
Und so kam es zu der Entscheidung, die Mauer zu bauen... und so kam es, daß es praktisch keinen Widerstand von Seiten der Besatzungsmacht Amerika gab..., Schließlich hätten sie allen Grund gehabt: Sie wurden eingezäunt!!
Es war ein Kompromiss zur Verhinderung eines dritten Weltkrieges... aber gleichzeitig auch gab es eine Mitverantwortung der Amerikaner am Mauerbau!! Die Ossis, wie ihr sie heute hier nennt, wurden - dummerweise im sowjetischen Sektor lebend - aufgegeben!
Dennoch: Die Mehrheit der Menschen der damaligen DDR waren vom neuen System überzeugt. Erst ab Anfang der 70er Jahre begann der Sozialismus zu bröckeln. Die Wirtschaft erlahmte und gleichzeitig sah man, daß es den Westdeutschen im Vergleich immer besser ging... Und man durfte nicht reisen...
ABER: Der in der DDR geborene Mensch, wie z.B. ich, der im sozialistischen System aufwuchs und praktisch gar nichts anderes kannte, der über Jahre hinweg sehr zufrieden und ohne große Sorgen lebte, der sich zwar eingegrenzt, dafür aber abgesichert fühlte, der einfach nichts anderes kannte... der halt SEIN leben führte... der steht jetzt oft vor vielen Problemen, die er früher nicht hatte: Arbeitslosigkeit, Unsicherheit, "Leben unterm Durchschnitt"... Tja, die Arbeitslosenzahlen im Osten sind schon gigantisch im Vergleich zum Westen...
Aber er wollte die Wende, klar, es wurde immer schlimmer, es gab immer weniger, es wurden immer schlechtere Wohnungen gebaut... die Autos wurden mieser... es bröckelte... aber er sah nur die POSITIVEN Seiten des Westens! Die negativen wurden ihm zwar in der DDR oft genug gepredigt - aber die DDR ging ja unter, also war das alles nicht mehr wahr...
Das ganze Leben hier hat sich verändert. Und das Problem ist, daß es so schnell ging. Alte Freundschaften zerbrachen, alte Hausgemeinschaften zerbrachen, die zusammenschweißende "Gleichheit", die mit einem Mal fehlte, ließ Haß und Neid aufkommen. Unsicherheit beherrscht viele Menschen. Ja, es gibt viele viele Probleme bei einem nicht unwesentlichen Teil der Ostdeutschen!
Für mich ist es traurig, daß die ehemaligen DDRler immer noch von vielen Westdeutschen als die Dummen hingestellt werden. Dabei hatten die Leute im Westen hatten einfach nur Glück, dort zu leben. Die extremen materiellen Unterschiede zwischen Wetsdeutschen und Ostdeutschen sind in 50 Jahren noch nicht angeglichen... es wird also im materiell denkenden typisch deutschen Schädel auch noch weitere Jahrzehnte eine Kluft geben, die oft nur materiell ausgerichtet ist!
Man könnte noch lange diskutieren, ob es überhaupt erstrebenswert ist, nach dem heutigen System lebend mittels der abnormen Profitgier die Welt und damit das ganze Leben in den Sand zu setzen. Man kann hinschauen, wo man will: Es wird immer schlimmer - und die meisten vernünftigen Entscheidungen scheitern an der Kohle oder an der Angst einiger weniger, künftig ein paar Millionen/Milliarden weniger zu verdienen... Damit will ich keineswegs sagen, daß man das im Sozialismus besser hätte machen können! Ich will damit sagen, daß wir heute eigentlich in einem primitiven, auf Profit und Macht ausgerichteten, die Umwelt zerstörenden System leben, welches - berechnet man die künftige Entwicklung unserer natürlichen Umwelt anhand der letzten 20 Jahre - über kurz oder lang ins AUS geht.
40 Jahre Mauerbau.... ich trauer um die Toten... aber vergeßt bei all den bösen STASI-Leuten nicht: Es gab genug westliche Politiker, die das einfach hinnahmen und gute Geschäfte dabei machten...
Gruß
ramazotti