Donnerstag, 28. August 2003
140 Mio Dollar an Grasso
US-Börsenchef in der Kritik
US-Börsenchef Richard Grasso gerät nach einer dreistelligen Millionen-Dollar-Auszahlung ins Visier der Börsenaufsicht SEC. Insgesamt 139,5 Mio. Dollar hat sich der Lenker der Wall Street an Sparbeträgen, Pensionsbezügen und sonstigen betrieblichen Vergütungen überweisen lassen. Zugleich verlängerte er seinen Vertrag mit der New York Stock Exchange (NYSE) um weitere zwei Jahre, sein Vertrag läuft nun bis 2007.
Die SEC, Kontrollaufsicht der NYSE, bekundete unterdessen ihr Interesse an dem Fall. "Wir haben die Veröffentlichung gesehen und schauen uns nun die Details an", sagte ein Sprecher der Aufsichtsbehörde. Grasso selbst war für Anfragen nicht zu erreichen.
Unter Mitgliedern der NYSE sowie externen Experten stieß das Paket der Ausgleichszahlungen derweil auf Kritik. "Mir dreht sich der Magen um. Ich kann nicht fassen, dass der Vorstand einer solchen Plünderung der Kassen zustimmt", sagt eine Führungskraft, deren Unternehmen jährlich mehrere Millionen Dollar Gebühren an die Börse zahlt. "Ich glaube mit Sicherheit, dass die soziale Schichtung keine gute Sache ist", kommentiert Theresa Gabaldon, Rechtsprofessorin an der George Washington Universität. Niemand brauche so viel Geld, um sich zu guter Arbeit zu motivieren, sagt sie, "die Vorstellung, dass jemand so viel Geld für seine Motivation benötigt, ist irrsinnig".
Nach Angaben der NYSE erhielt Grasso 40 Mio. Dollar aus Sparbeträgen, weitere 51,6 Mio. Dollar als Altersvorsorge sowie 47,9 Mio. Dollar aus früheren Prämienanreizen. Seit 36 Jahren arbeitet der heute 57-jährige Grasso nun für die NYSE, seit 1995 ist er deren Präsident.