News - 21.04.08 15:46
ROUNDUP/Kreise: Debitel-Übernahme durch Freenet in trockenen Tüchern
HAMBURG/STUTTGART (dpa-AFX) - Die Übernahme des Handy-Anbieters Debitel durch Freenet ist nach Angaben aus Kreisen in trockenen Tüchern. Die Führung von Freenet und der Finanzinvestor Permira als Eigner von Debitel hätten sich auf einen Verkauf von Europas größtem Mobilfunkproviders geeinigt, erfuhr die Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX am Montag aus mit den Vorgängen vertrauten Kreisen. Das Management von Freenet müsse nun noch einige wenige offene Punkte klären, damit der Aufsichtsrat zustimme. Widerstände würden nicht erwartet. Die Mitglieder des Aufsichtsrats könnten dann innerhalb weniger Tage zu einem Treffen zusammenkommen.
Das Gremium hatte am Freitag über die Kaufpläne von Freenet-Chef Eckhard Spoerr beraten und anschließen erklärt, dass der Vorstand die verbliebenen Fragen zügig verhandeln solle. Durch den Zusammenschluss soll mit rund 19 Millionen Kunden der drittgrößte Mobilfunkanbieter Deutschlands nach T-Mobile und Vodafone D2 entstehen.
KEINE OFFIZIELLEN KOMMENTARE
Der Transaktionswert belaufe sich voraussichtlich auf rund 1,6 Milliarden Euro, wobei vor allem die Debitel-Schulden von 1,1 Milliarden Euro zu Buche schlagen würden, hieß es in den Kreisen, die damit einen Bericht des 'Focus' bestätigten. Der Debitel-Eigner Permira soll zudem eine Beteiligung von knapp 25 Prozent an Freenet sowie 200 Millionen Euro in bar erhalten. Sprecher der Unternehmen äußerten sich nicht dazu.
Neben den Kartellwächtern müssen der Transaktion noch die Netzbetreiber T-Mobile , Vodafone , E-Plus und der O2 zustimmen, da Debitel wie auch Freenet für ihre Dienste auf die Infrastruktur der Unternehmen zurückgreifen. Im Umfeld der Netzbetreiber hieß es, dass es keine Einwände gegen den Zusammenschluss gebe.
RÜCKSCHLAG FÜR UNITED INTERNET UND DRILLISCH
Die Verschmelzung von Freenet und Debitel stellt auch ein Rückschlag für United Internet und Drillisch , die ihrerseits an einer Übernahme von Freenet gearbeitet haben. Die beiden Firmen, über eine Holding an Freenet beteiligt, wollten die norddeutsche Gesellschaft in ihre Einzelteile zerlegen. Während United Internet am Breitbandgeschäft interessiert ist, schielt Drillisch auf den Mobilfunkbereich.
Die Freenet-Aktie verlor am Montag zeitweise mehr als zehn Prozent, konnte sich aber bis zum Nachmittag wieder etwas erholen. Um 15.30 Uhr gab das Papier 7,4 Prozent auf 11,19 Euro nach. Die Anteile von United Internet verbilligten sich um 2,5 Prozent auf 13,97 Euro./mur/zb
Quelle: dpa-AFX