17.04.2008 15:29 Uhr Drucken | Versenden | Kontakt
Härtere Gangart: Ralph Dommermuth will Freenet kaufen - aber ohne Debitel.
Foto: United Internet Streit um Debitel-Übernahme
Dommermuth donnert
Freenet will Debitel kaufen und United Internet ist an Freenet interessiert - allerdings ohne Debitel. Eine verquere Situation. Nun hat Freenet Post von United-Internet-Chef Dommermuth bekommen. Darin: eine Drohung.
Von Thorsten Riedl
Im Übernahmestreit zwischen den Internetdienstleistern Freenet und United Internet verschärft sich der Ton weiter deutlich. In einem Brief an den Vorstand von Freenet erklärt United Internet-Chef Ralph Dommermuth, er sei weiter an einer Übernahme des Hamburger Unternehmens interessiert - und zwar in einem freundlichen Sinne. Er fordert dafür aber die Offenlegung der Finanzkennzahlen von Freenet.
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zur Übersicht ... Um den Druck auf Freenet-Chef Eckhard Spoerr zu erhöhen, schlägt er erstmals vor, die Pläne "gerne auch ihren Aufsichtsräten persönlich vorzustellen". Das Schreiben liegt der Süddeutschen Zeitung vor. Bei Freenet deutet alles darauf hin, dass Spoerr am Kauf von Debitel festhält.
Die schwer durchschaubare Gemengelage um die Konsolidierung in der deutschen Internetbranche hält nun schon seit vergangenen Herbst an. United Internet buhlt gemeinsam mit Drillisch um Freenet. Sollte die Übernahme gelingen würde United Internet das Geschäft mit schnellen DSL-Internetzugängen zugeschlagen; Drillisch bekäme die Mobilfunksparte von Freenet.
Informationen fehlen
Freenet selbst interessiert sich für die Übernahme von Debitel. Würde das klappen, wäre Freenet-Chef Eckhard Spoerr mit einem Schlag zurück im Geschäft und einer der Top-Spieler in der deutschen Mobilfunkbranche. United Internet hat bereits deutlich gemacht, dass eine Übernahme von Freenet mit Debitel nicht in Frage kommt.
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zur Übersicht ... "Wie Sie sicher wissen, hat United Internet noch nie eine 'feindliche Übernahme' durchgeführt", schreibt Dommermuth in seinem Schreiben vom Donnerstag, das der jüngste Teil eines regen Schriftverkehrs zwischen beiden Unternehmen in dieser Woche ist. Auch Freenet wolle United Internet zusammen mit Drillisch in einer freundlichen Weise übernehmen. Allerdings fehlten dafür derzeit die nötigen Informationen.
Dommermuth wirft dem Freenet-Vorstand vor, die genauen Ergebnisse "seit einigen Monaten" undurchschaubar zu gestalten. United Internet benötige die Finanzkennzahlen zum DSL-Geschäft, die ohnehin gerade angefertigt würden, da Freenet die Sparte ausgründen wolle. Zudem verlangt Dommermuth detaillierte Informationen zum Mobilfunkgeschäft und zur Freenet-Internettochter Strato.
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14 Euro für eine Freenet-Aktie
Freenet setzt dagegen scheinbar unbeirrt weiter auf den Kauf von Debitel. Ein Aufsichtsrat des Internetdienstleisters sagte Reuters zufolge, die Verträge seien so gut wie ausgehandelt. Das Gremium werde am Freitag darüber entscheiden. Im Zuge einer Kapitalerhöhung soll Debitel-Eigner dann mit einem Anteil von 24,9 Prozent an Freenet beteiligt werden.
Genau dieses Vorgehen stößt Dommermuth sauer auf. United Internet hält zusammen mit Drillisch 25,24 Prozent an Freenet. Die beiden bieten 14 Euro pro weiterer Freenet-Aktie. "Die Ausgabe neuer Aktien an Permira zu einem niedrigeren Ausgabebetrag stellt somit eine - rechtlich unzulässige - Verwässerung der Vermögensrechte der heutigen Aktionäre dar", erklärt Dommermuth. Werde der Plan dennoch beibehalten könne er "auch persönliche Ansprüche gegen die handelnden Organmitglieder nicht ausschließen", heißt es weiter.
(SZ vom 18.04.2008/tob)