www.n24.de/wirtschaft_boerse/unternehmen/...14&teaserId=186018
04. Januar 2008
Windhorst beweist wieder Geschick fürs Timing
Einst wurde Lars Windhorst als Wirtschafts-Wunderknabe gefeiert, als "deutsche Antwort auf Bill Gates". Er hatte als Teenager die Schule verlassen und seine eigene Firma gegründet, die mit selbst zusammen gebastelten Computern handelte und im Lauf der Zeit zu einem größeren Konzern wurde. Er wurde in Politik und Wirtschaft herumgereicht und durfte Mitte der 90er Jahre - mit gerade einmal 19 Jahren - sogar den damaligen Kanzler Helmut Kohl auf dessen Asien-Reise begleiten. Windhorst investierte in Fernost und verkehrte nebenbei nicht nur mit der Berliner Politprominenz.
Mittlerweile ist es um Windhorst ruhiger geworden, doch da ist der heutige 31-Jährige noch immer. Oder wieder. Zwischenzeitlich war der hochgelobte Jungunternehmer abgestürzt, neben Ermittlungen wegen Betrugs musste der gebürtige Ostwestfale nach dem Platzen der New-Economy-Blase für einen Teil seiner Firmen und dann auch für sich privat Insolvenz anmelden. Aus dem Jungstar wurde inzwischen eine "Heuschrecke": Windhorst ist heute Geschäftsführer der Investmentgesellschaft Vatas, und als solcher sorgt Windhorst nun auch wieder für Schlagzeilen.
Pünktlich bei Freenet eingestiegen
Die jüngste: Am Donnerstag wurde Vatas mit einem Schlag größter Einzelinvestor von Air Berlin. Vatas kaufte 15,4 Prozent der Fluggesellschaft. Nicht der erste Deal unter Windhorst, der erst in der vergangenen Woche bei einem Flugzeugabsturz in Kasachstan verletzt worden war. Dem Kauf von Aktien des Handyzulieferers Balda folgte der Einstieg beim Internet- und Mobilfunkanbieter Freenet. Zudem hält die Berliner Investmentfirma Anteile an dem Klinikbetreiber Curanum.
Gerade bei Freenet bewies Lars Windhorst wieder ein glückliches Händchen und ein Gespür für die richtigen Leute an seiner Seite und das richtige Timing - so wie in den 90ern, als der Sohn eines Einzelhändlers aus dem westfälischen Rahden kaufmännisches wie Verhandlungs-Geschick bewies. Im Mai 2007 stieg Vatas als Großaktionär bei Freenet ein und erwarb 18,7 Prozent der Anteile vom US-Finanzinvestor Texas Pacific Group (TPG). Kurz danach stand bei Freenet eine ordentliche Sonderdividende ins Haus, die dann auch auf das Vatas-Konto floss.
Mit Geschick verkauft
Doch damit nicht genug. Denn Windhorst gelang es, aus dem Streit um die Zukunft von Freenet Kapital zu schlagen. Service-Provider Drillisch, seit Ende 2006 bereits mit zehn Prozent an Freenet beteiligt, kämpfte gemeinsam mit United Internet für eine Zerschlagung des Unternehmens - Ziel von Drillisch-Chef Paschalis Choulidis war es, seine eigene Firma danach mit der Handysparte von Freenet zu fusionieren, das DSL-Geschäft ginge dann an United Internet.
Diese Pläne kamen Windhorst offenbar gerade recht. Choulidis war an den Aktien, die Vatas an Freenet hielt, stark interessiert - die Nachfrage bestimmt den Preis. Zunächst verhielt sich Windhorst ruhig. Choulidis griff Freenet-Chef Eckhard Spoerr offen an, Windhorst schwieg. Doch im August war es dann soweit: Drillisch bot einen satten Aufschlag auf den Freenet-Aktienkurs, Windhorst schlug zu und verkaufte die Freenet-Aktien an Choulidis. Die Freenet-Zukunft ist bis heute ungeklärt, aber Windhorst ist mit Gewinn ausgestiegen.
Händchen fürs Timing
Vor diesem Hintergrund fragt sich, was Vatas jetzt mit dem Einstieg bei Air Berlin bezweckt. Ein Sprecher der Fluggesellschaft konnte am Donnerstag nichts zu den Motiven sagen - darüber habe Air Berlin keine Kenntnisse.
Die Airline habe aber bereits seit längerem Kontakt zu Vatas gehabt, betonte der Sprecher. "Wir haben Vatas bei Investorenveranstaltungen getroffen." Immerhin: Auch bei Air Berlin stimmte das Timing wieder, wie Analysten kommentieren. Der Zeitpunkt war günstig, denn der Aktienkurs der Fluggesellschaft hat sich seit Mai vergangenen Jahres halbiert.