ROUNDUP/Aktien Europa Schluss: Gewinne - Baldige US-Zinserhöhung?

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PARIS/LONDON/ZÜRICH (dpa-AFX) - Europas Aktienmärkte haben am Freitag mit Gewinnen geschlossen. Sie erholten sich damit vom schwachen Vortag. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 baute nach Hinweisen von US-Notenbankchef Kevin Warsh auf eine mögliche Leitzinserhöhung mit 6.485,67 Punkten sein Plus auf 0,95 Prozent aus. Damit legte er auf Wochensicht um knapp 0,4 Prozent zu.

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Beim Londoner FTSE 100 reichte es am Freitag nur für einen Anstieg um 0,29 Prozent auf 10.824,26 Zähler. Der Züricher SMI gewann 0,11 Prozent auf 14.399,77 Punkte.

Mit ungewöhnlich deutlichen Worten zur hohen Inflation in den USA signalisierte Warsh seine Bereitschaft für eine straffere Geldpolitik. "Wir müssen davon überzeugt sein, dass sich die Kerninflation eindeutig und mit ausreichender Geschwindigkeit unserem Ziel annähert. Andernfalls haben wir noch einiges zu tun", sagte er laut Redemanuskript beim Notenbank-Treffen der Federal Reserve of Kansas City in Jackson Hole (US-Bundesstaat Wyoming). Zwar zeigten die jüngsten Konjunkturdaten eine leichte Abkühlung. Allerdings sehe er darin nicht, dass sich an der grundlegenden Entwicklung etwas geändert habe.

Höhere Zinsen würden festverzinsliche Wertpapiere wie Anleihen gegenüber als riskanter wahrgenommenen Anlagen wie Aktien tendenziell begünstigen. Das gilt vor allem für Technologieaktien wegen der massiven Investitionen der Branche in Künstliche Intelligenz (KI).

Warsh sei offenbar bemüht, den bisherigen Zweifeln an seiner Bereitschaft zu Zinserhöhungen entgegenzutreten, schrieb Elmar Völker von der Landesbank Baden-Württemberg in einer ersten Einschätzung. Er erhöhe damit die Spannung vor der nächsten Zinssitzung Mitte September. "Die US-Inflationsdaten für August, die wenige Tage vor diesem Termin veröffentlicht werden, bilden mutmaßlich das Zünglein an der Waage", glaubt der Experte. Von Interesse sei vor allem die Kerninflation. "Schwächt diese sich nicht ab, dann ist eine Zinserhöhung ernsthaft im Spiel. Die Entscheidung könnte auf Messers Schneide stehen."

Werte aus dem Artikel:
Euro Stoxx 50 6.097,73 -1,77%
CH 20 14.502,96 -0,13%
CAC 40 Index 7.791,82 -1,38%
UK 100 10.682,07 -0,46%

Das "FedWatch-Tool" der Terminbörse CME, welches die aktuellen Markterwartungen für kommende Zinsentscheidungen der US-Notenbank (Fed) als Wahrscheinlichkeiten anzeigt, belegte den deutlichen Stimmungsumschwung. Inzwischen ist eine Leitzins-Anhebung um 0,25 Prozentpunkte demnach deutlich wahrscheinlicher als eine Beibehaltung des derzeitigen Niveaus. Unmittelbar vor Warshs Aussagen hatte es noch gut eine Zweidrittel-Mehrheit für einen weiter unveränderten Zinssatz gegeben.

An den europäischen Börsen waren vor dem Wochenende Autoaktien am stärksten gefragt. Ihnen half eine positive Branchenstudie der US-Bank Citigroup. Auf Kaufinteresse stießen die ebenfalls konjunktursensiblen Chemie- sowie Versorger- und Bankentitel . Banken gelten wegen ihres Kreditgeschäfts als Profiteure höherer Zinsen.

Im Bausektor ragten Aktien von Strabag mit einem Kurssprung von knapp 16 Prozent heraus. Sie reagierten damit auf Halbjahreszahlen, einen Rekord-Auftragsbestand und das angehobene Margenziel. Analyst Michael Marschallinger vom Bankhaus Erste Group sprach von starken Zahlen des Baukonzerns. Die Kombination aus Auftragsbestand, beschleunigter Infrastrukturaktivität und aktualisiertem Ausblick signalisiere weiteres Aufwärtspotenzial.

Überschaubare Kursverluste gab es lediglich bei Aktien aus der Medizin- und Immobilienbranche . Letztere leidet wegen steigender Finanzierungskosten für Bauvorhaben unter steigenden Zinsen./gl/mis


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