ABU DHABI (dpa-AFX) - Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) treten mit Wirkung zum 1. Mai aus der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) und dem Bündnis Opec+ aus. Hintergrund sei eine gründliche Abwägung auch mit Blick auf die andauernden "Störungen im Persischen Golf und der Straße von Hormus", heißt es in einer Erklärung der staatlichen Nachrichtenagentur WAM.
Für dich zusammengefasst:
Die VAE treten zum 1. Mai aus der Opec und Opec+ aus.
Der Austritt ist ein schwerer Schlag für die Opec.
Die Emirate waren einer der größten Ölproduzenten der Opec.
"Die Entscheidung folgt auf eine umfassende Prüfung der Produktionspolitik der VAE und der aktuellen und zukünftigen Kapazitäten", hieß es. "Sie wird getrieben von nationalen Interessen und dem Ziel des Landes, aktiv zu den dringenden Bedürfnissen des Marktes beizutragen." Eine genauere Begründung für die Entscheidung wurde aber nicht genannt. Energieminister Suhail Al Masrui teilte mit, der Schritt sei im Einklang mit den "Grundlagen der Langzeitmärkte" erfolgt.
Der überraschende Schritt ist ein schwerer Schlag für die Opec und die Opec+. Die Opec hat ohne die Emirate einen deutlich geringeren Einfluss auf die weltweiten Ölmärkte. Mit dem Austritt eines der größten Produzenten fällt es der Organisation schwerer, Energiepreise zu kontrollieren und nach Möglichkeit stabil zu halten.
Die Ankündigung folgt rund zwei Monate nach Beginn des Kriegs der USA und Israels mit dem Iran, bei dem die Emirate aus Vergeltung Teherans besonders stark mit Drohnen und Raketen angegriffen wurden. Die faktische Blockade der Straße von Hormus hat die Möglichkeiten für die Emirate, Öl (Rohöl) zu exportieren, stark reduziert. Die großen Einnahmen aus dem Ölexport haben dem Land seit den 1960er Jahren zu viel Wohlstand und Macht verholfen.
Die "Störungen" in der Straße von Hormus würden die Lieferungen zwar beeinträchtigen, zugleich deuteten Trends mittel- und langfristig aber auf einen weiterhin steigenden globalen Energiebedarf hin. Man wolle flexibler auf Marktdynamiken reagieren und trotzdem "bedacht und verantwortungsvoll" zu dessen Stabilität beitragen.
Die Emirate gehörten bislang zu den größten Ölproduzenten der zwölf Opec-Staaten. Bevor der Krieg im Nahen und Mittleren Osten die Fördermengen einbrechen ließ, wurde in den Emiraten im März noch 3,4 Millionen Barrel Öl (je 159 Liter) pro Tag gepumpt - mehr als 16 Prozent der gesamten Opec-Produktion. Bis 2027 ist eine Produktion von 5 Millionen Barrel angestrebt.
Die Vereinigten Arabischen Emirate gehörten bislang auch zur Kerngruppe der Opec+, einem breiteren Bündnis von Ölförderländern unter der Führung von Saudi-Arabien und Russland, das stabile Preise sichern und Überkapazität im Markt verhindern soll. Auch aus dem Bündnis Opec+ tritt der Golfstaat aus.
Anfang 2019 hatte der regionale Nachbar Katar die Opec bereits verlassen mit der Begründung, als weltweit führender Gasexporteur gebe es keinen Grund mehr für eine Mitgliedschaft./jot/DP/jha
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