Virgin Galactic: Die Dummheit der Anleger hat einen neuen Namen!
Max Gross
Max Gross
Max Gross verfügt über langjährige Börsenerfahrung, davon fünf Jahre als Redakteur bei einem der führenden Anlegermagazine Deutschlands. Für ARIVA.DE bereitet er Markt- und Unternehmensentwicklungen fundiert, praxisnah und mit klarem Fokus auf Anlageentscheidungen auf. Sein Schwerpunkt liegt auf US-Aktien, Dividendenwerten und Value-Titeln. Ziel seiner Arbeit ist es, Anlegerinnen und Anlegern relevante Informationen, konkrete Investmentideen und belastbare Impulse für den langfristigen Vermögensaufbau zu liefern. Dafür setzt er auf die Kombination aus technischer und fundamentaler Analyse.
SpaceX versetzt Investoren schon vor dem Börsenstart in Ekstase
Anlegerinnen und Anleger fiebern mit wachsender Ungeduld dem Börsengang von SpaceX entgegen, der Freitag kommende Woche angesichts einer angestrebten Unternehmensbewertung von bis zu 2 Billionen US-Dollar zum größten IPO aller Zeiten wird – trotz erheblicher Zweifel daran, ob diese Bewertung überhaupt angemessen ist.
Das Timing könnte passender kaum sein, denn das Weltraumunternehmen wird in einem ohnehin aufgeheizten, in einigen Branchen euphorischen Marktumfeld an die Börse gehen. Die starken Kursgewinne bei Technologie- und Wachstumswerten in den vergangenen Wochen haben die Gier vieler Anlegerinnen und Anleger geweckt.
Soziale Medien, allen voran Reddit, sind inzwischen voll mit riskanten Wetten, Screenshots gewaltiger Anlagegewinne und Spekulationen über das "nächste große Ding".
Genie oder Wahnsinn? Diese skurrile Wette gewinnt an Fahrt!
Eine in den vergangenen Tagen besonders beliebte Wette, die an intellektueller Schlichtheit kaum zu überbieten ist, um es diplomatisch ausdrücken, ist der Kauf der Aktie von Virgin Galactic. Das vom britischen Milliardär Richard Branson gegründete Raumfahrtunternehmen war während des letzten großen IPO-Hypes 2021 an die Börse gebracht worden und verzeichnete zunächst gewaltige Kursgewinne, ehe die Aktie in den darauffolgenden Jahren 99,8 Prozent an Wert verlor, da es Virgin Galactic verpasst hatte, die gewaltigen Erwartungen zu erfüllen.
Das bislang erfolgreichste Geschäftsjahr war mit einem Umsatz in Höhe von gerade Mal 7,0 Millionen US-Dollar 2024. Der daraus erwirtschaftete Nettoverlust betrug rund 350 Millionen US-Dollar – ein Sinnbild für den Geschäfts"erfolg" auch in den übrigen Jahren. Inzwischen ist Virgin Galactic netto mit knapp 100 Millionen US-Dollar verschuldet.
Verwechslungsgefahr soll Virgin Galactic in die Stratosphäre katapultieren
Mit solchen Details halten sich die Zockerinnen und Zocker jedoch gar nicht erst lange auf. Ihre Wette ist viel simpler: Sie setzen darauf, dass der SpaceX-IPO ein gewaltiges Interesse anderer Anlegerinnen und Anleger auf sich ziehen wird, welche die Aktie nach Börsenstart kaufen wollen – dabei aber die sogenannten Ticker-Symbole verwechseln könnten.
Das von Tesla-CEO Elon Musk gegründete Raumfahrtunternehmen wird künftig mit dem Kürzel SPCX gehandelt, Virgin Galactic hingegen ist unter SPCE aufzufinden. Viele Unternehmen setzen bei der Wahl ihrer Ticker-Symbole auf das Weglassen von Vokalen, daher liegt der Annahme, dass SpaceX unter SPCE gehandelt und die Ticker-Symbole deshalb verwechselt werden könnten, eine plausible Ursache zugrunde.
Es gibt tatsächlich ein historisches Vorbild
Auch mit Blick auf den möglichen Erfolg ist diese Wette nicht ganz so dümmlich, wie es zunächst den Anschein macht. Auf dem Höhepunkt der Begeisterung für den Videokommunikationsanbieter Zoom Communications während der Corona-Pandemie war es zu einer ähnlichen Verwechslung gekommen.
Damals profitierte aufgrund der Verwechslungsgefahr der Namen die Aktie von Zoom Technologies vom Run auf das Papier von Zoom Communications – heute ist Zoom Technologies nur noch außerbörslich zu einem Kurs von 0,005 US-Dollar je Aktie handelbar, denn abseits des ähnlich lautenden Namens fehlte Zoom Technologies wie heute Virgin Galactic die Substanz.
Explosive Mischung aus Spekulationswut und Short Squeeze
Die Hoffnung auf eine Wiederholung der damaligen Verwechslung verfehlt ihre Wirkung bislang nicht. Die Aktie von Virgin Galactic ist mit der Häufigkeit der Nennung in sozialen Netzwerken in den vergangenen Tagen stark angestiegen. In den zurückliegenden 5 Tagen hat die Aktie über 100 Prozent an Wert gewonnen. Gegenüber ihrem 52-Wochen-Tief bei 2,13 US-Dollar stand zeitweise sogar mehr als eine Vervierfachung zu Buche.
Unterstützt wurden die starken Kursgewinne einerseits durch ein außergewöhnlich hohes Handelsvolumen. Am vergangenen Freitag wechselten rund 180 Millionen Anteile ihre Besitzerin beziehungsweise ihren Besitzer – rund 15-Mal so viele wie in den vergangenen 3 Monaten durchschnittlich üblich. Andererseits weist die Aktie aufgrund der schwachen Geschäftsentwicklung ein hohes Leerverkaufsinteresse auf. Nach der letzten Meldung vom 15. Mai waren 22,71 Millionen beziehungsweise 22,7 Prozent aller Anteile leerverkauft, wodurch das große Interesse an der Aktie auch zu einem Short Squeeze geführt hat.
Fazit: Eine Warnung auch für die weitere Gesamtmarktentwicklung
Am Montagnachmittag handelte die Aktie volatil. Nach anfänglich starken Kursgewinnen mit einem Tageshoch bei 8,90 US-Dollar brach Virgin Galactic ein, konnte bis zum Veröffentlichungszeitpunkt dieses Artikels jedoch ein zweistelliges Kursplus verteidigen. Vor allem früh auf den Zug aufgesprungene Zockerinnen und Zocker dürften sich daher noch über stattliche Kursgewinne freuen. Für alle übrigen dürfte die Episode enden wie zahlreiche Meme-Aktien-Rallyes und Short Squeezes zuvor auch: Mit horrenden Verlusten.
Von einem "Investment" in die Aktie kann daher nur abgeraten werden. Dasselbe gilt auch für das Papier von SpaceX nach seinem Börsengang, das mit abenteuerlichen Bewertungsvielfachen an den Markt gebracht wird.
Überhaupt sollten Anlegerinnen und Anleger ihre Erwartungen an weitere Aktiengewinne mäßigen. Übertreibungsphasen wie die aktuelle sind nur selten nachhaltig und in der Regel der Vorbote von kräftigen Kursrückgängen. Es gilt Warren Buffetts Weisheit zu beachten, gierig zu sein, wenn andere furchtsam sind – und umgekehrt.
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