Siemens Energy: DAX-Star mit bis zu 57 Prozent Kurspotenzial
Markus Weingran
Markus Weingran
Markus Weingran ist seit mehr als 20 Jahren als Kapitalmarkt-Stratege und Aktien-Experte aktiv. Geprägt durch die langjährige Zusammenarbeit mit dem Finanzexperten Hans A. Bernecker verfolgt er einen klaren Anspruch: in jeder Börsenphase das Beste für Anleger herauszuholen. Weitere Einschätzungen und Trading-Ideen teilt er auch täglich in der wallstreetONLINE Börsenlounge auf YouTube.
Die Papiere des Energietechnikkonzerns legten Dienstag um fünfeinhalb Prozent auf 165,68 Euro zu. Auslöser waren positive Signale des Unternehmens vor den Quartalszahlen, die Anfang August vorgelegt werden sollen.
Im Markt verwiesen Händler auf Aussagen aus dem Pre-Close-Call mit Analysten. Demnach sprach das Management von struktureller Stärke in den Bereichen Energieerzeugung und Übertragungstechnik. Die Nachfrage werde breiter, während das Angebot weiter eingeschränkt bleibe. Das verbessert die Preissetzungsmacht. Auch im Geschäft mit Gasturbinen zeichnen sich für das zweite Halbjahr robuste Margen ab.
Für zusätzliche Fantasie sorgen neue Schätzungen zum Auftragseingang. Nach Einschätzung der Citigroup könnte Siemens Energy im zweiten Quartal Aufträge über 17,7 Milliarden Euro eingesammelt haben. Das läge vier Prozent über dem Marktkonsens. Allein im Segment Gas sollen es 8,9 Milliarden Euro gewesen sein. Bei Siemens (Siemens Aktie) Gamesa werden rund zwei Milliarden Euro erwartet.
Auch mehrere Analysten bleiben optimistisch. JPMorgan erhöhte das Kursziel von 225 auf 235 Euro und bestätigte die Einstufung „Overweight“. Die Bank of America sieht den fairen Wert nun sogar bei 260 Euro nach zuvor 250 Euro und bleibt bei „Buy“. Ausgehend vom Dienstagskurs ergibt sich daraus ein rechnerisches Potenzial von rund 57 Prozent.
Deutsche Bank Research beließ Siemens Energy ebenfalls auf „Buy“ mit einem Kursziel von 200 Euro. Analyst Gael de-Bray sieht vor den Zahlen am 5. August keine Hinweise auf eine schwache Nachfrage nach Gasturbinen. Er rechnet mit weiter starker Geschäftsdynamik, organischem Umsatzwachstum und Margen am oberen Ende der Unternehmensziele.
Bernstein bestätigte die Einstufung „Outperform“ mit einem Kursziel von 210 Euro. Aus Sicht von Analyst Alasdair Leslie deuten die Management-Kommentare darauf hin, dass die Auftragseingänge in den Bereichen Gas Services und Grid Technologies deutlich über den Konsensschätzungen liegen könnten. Auch Jefferies bleibt mit einem Kursziel von 215 Euro bei „Buy“. Der Konzern habe vorab positivere Erwartungen an den globalen Gasturbinenmarkt sowie eine anhaltend hohe Nachfrage nach Stromnetzen signalisiert.
Der größere Treiber bleibt der weltweite Energiehunger. Künstliche Intelligenz, Rechenzentren, Elektrifizierung und der Ausbau alter Stromnetze erhöhen den Bedarf an zuverlässiger Energieinfrastruktur. Siemens Energy liefert dafür zentrale Technik: Gasturbinen, Netzlösungen, Transformatoren und Systeme zur Stromübertragung.
Damit ist die Aktie längst nicht mehr nur eine Turnaround-Story. Siemens Energy wird zunehmend als deutscher KI-Infrastruktur-Profiteur gehandelt. Nach der starken Rallye ist das Papier zwar kein Schnäppchen mehr. Solange Auftragseingang, Margen und Analystenziele aber nach oben zeigen, bleibt die Fantasie hoch.
Siemens Energy profitiert vom globalen Stromhunger wie kaum ein anderer DAX-Konzern. Die Chancen sind groß, die Erwartungen inzwischen aber ebenfalls. Genau das macht die Aktie stark, aber auch anfällig für Enttäuschungen.
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