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Schaeffler: Roboter-Fantasie verfliegt – Aktie verliert 25 Prozent in nur einer Woche

Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler verschreckt Anleger mit einem vorsichtigen Ausblick. Nach einer monatelangen Rally bricht die Aktie zweistellig ein – und die Fantasie rund um humanoide Roboter bekommt plötzlich Risse.
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Logo der Schaeffler AG, auf dem Dach der Unternehmenszentrale in Herzogenaurach
Quelle: - picture alliance | Eibner-Pressefoto/Ardan Fuessman
Schaeffler AG 8,42 € Schaeffler AG Chart +1,45%
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Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler hat mit einem vorsichtigen Ausblick für 2026 die Anleger auf dem falschen Fuß erwischt. Die Aktie brach am Tag der Veröffentlichung zeitweise um bis zu 20 Prozent ein und lieferte den schwächsten Handelstag seit dem Corona-Schock im März 2020. Damit wurden große Teile der Kursgewinne aus dem bisherigen Jahresverlauf wieder ausgelöscht. Bereits zuvor hatte die Aktie mehrere schwache Handelstage in Folge verzeichnet.

Besonders bitter für Investoren: Noch bis vor wenigen Wochen galt Schaeffler als einer der überraschenden Börsenstars im deutschen Nebenwerteindex SDAX. Getrieben von der Fantasie rund um humanoide Roboter hatte sich der Kurs seit dem Zwischentief im April 2025 nahezu vervierfacht und im Januar ein Hoch nahe zwölf Euro erreicht.

Doch diese Zukunftsfantasie scheint nun deutlich an Strahlkraft zu verlieren. Selbst die zu Wochenbeginn angekündigte Partnerschaft mit dem chinesischen Robotikunternehmen Leju Robotics konnte den Kurs nicht stabilisieren.

Konservativer Ausblick schreckt Anleger ab

Für die Ernüchterung sorgte vor allem der vorsichtige Ausblick des Managements. Vorstandschef Klaus Rosenfeld erwartet für 2026 einen Umsatz zwischen 22,5 und 24,5 Milliarden Euro. Damit liegt die Prognose unter den bisherigen Markterwartungen von rund 24 Milliarden Euro. Auch bei der Profitabilität zeigt sich der Konzern zurückhaltend. Die bereinigte operative Marge soll zwischen 3,5 und 5,5 Prozent liegen.

"In diesem Umfeld, in dem man nicht davon ausgehen kann, dass die Automobilproduktion weltweit wachsen wird und weiterhin viel Unsicherheit herrscht, halten wir eine konservative Prognose weiterhin für den klügsten Ansatz“, sagte Rosenfeld gegenüber Reuters.

Analystin Vanessa Jeffriess von Jefferies bezeichnete den Ausblick als schwach – insbesondere wegen der Erwartungen an das Geschäft mit Elektroantrieben. Auch Ross MacDonald von der Citigroup sieht einen ungünstigen Zeitpunkt für die Enttäuschung. Neben der Prognose habe auch eine unerwartet schwache Marge im vierten Quartal für negative Überraschungen gesorgt.

MacDonald bleibt jedoch langfristig zuversichtlich. Der Analyst sieht in dem Kursrückgang eine mögliche Einstiegschance und erwartet, dass die Telefonkonferenz des Unternehmens zusätzliche Klarheit liefern könnte.

Automobilgeschäft bleibt Problemzone

Die Zahlen für 2025 zeigen, wie schwierig das Umfeld weiterhin ist. Der Umsatz sank auf 23,5 Milliarden Euro nach 24,3 Milliarden Euro im Vorjahr. Besonders belastete die schwache Nachfrage im Bereich klassischer Autoantriebe.

Das bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern stieg zwar um rund elf Prozent auf 936 Millionen Euro. Unter dem Strich schrieb der Konzern jedoch erneut rote Zahlen. Der Nettoverlust belief sich auf 424 Millionen Euro – vor allem wegen Sonderkosten aus dem Konzernumbau sowie der Integration des Elektronikspezialisten Vitesco.

Trotzdem will Schaeffler die Dividende leicht erhöhen. Für 2025 plant der Konzern eine Ausschüttung von 0,30 Euro je Aktie.

Hoffnungsträger Roboter und Rüstung

Langfristig will der Zulieferer seine Abhängigkeit vom Automobilgeschäft reduzieren. Neue Wachstumsfelder sollen unter anderem humanoide Roboter sowie Verteidigungstechnologie werden.

Bis 2035 könnten diese Bereiche nach Unternehmensangaben rund zehn Prozent zum Umsatz beitragen. Rosenfeld zeigte sich optimistisch, dass dieses Ziel möglicherweise sogar früher erreicht werden könnte.

Noch steckt das Geschäft allerdings in den Kinderschuhen. Entsprechend richten Investoren ihren Blick derzeit wieder stärker auf das klassische Zuliefergeschäft und das bleibt angesichts schwacher Automärkte, zunehmender Konkurrenz aus China und einer schwankenden Nachfrage nach Elektroautos herausfordernd.

Der heftige Kurseinbruch zeigt deshalb vor allem eines: Die große Börsenfantasie rund um humanoide Roboter hat für den Moment deutlich an Glanz verloren. Daher sollten Anleger nicht sofort bei Schaeffler einsteigen. Es reicht wieder auf die Aktie zu schauen, wenn sich die Lage im Nahen Osten beruhigt hat.

Redaktion Ariva/MW

 


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