- Daimler Truck und Arquus erhalten milliardenschweren Auftrag.
- 7000 militärische Lkw werden über zehn Jahre geliefert.
- Auftrag stärkt die europäische Verteidigungsindustrie.
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Nicolas Fuchs
Nicolas Fuchs
Die deutsch-französische Rüstungskooperation nimmt mit einem milliardenschweren Großauftrag der französischen Armee konkrete Formen an. Ein Konsortium unter der Leitung des deutschen Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck AG und des französischen Militärspezialisten Arquus wurde mit der Lieferung von 7000 militärischen Lkw beauftragt. Der Vertrag erstreckt sich über einen Zeitraum von zehn Jahren und umfasst Fahrzeuge mit einer Nutzlastklasse von sechs Tonnen.
Das Projekt wird als ein Paradebeispiel für funktionierende europäische Rüstungskooperationen präsentiert. Dies geschieht insbesondere vor dem Hintergrund der aktuell stockenden Fortschritte beim FCAS-Kampfflugzeugprojekt, das ebenfalls eine enge Zusammenarbeit zwischen Frankreich, Deutschland und Spanien vorsieht.
Im Zentrum des Auftrags steht der Mercedes-Benz Zetros, ein schwerer Lkw mit Haubenfahrerhaus, der für Geländeeinsätze und logistische Anforderungen unter widrigen Bedingungen entwickelt wurde. Seit seiner Markteinführung im Jahr 2008 wurden unter anderem an Streitkräfte in Deutschland und Kanada, laut Daimler Truck mehr als 15.000 Einheiten des Modells verkauft.
Für den französischen Markt wurde der Zetros gemeinsam mit Arquus spezifisch weiterentwickelt. Die neuen Varianten umfassen unter anderem:
| Strategie | Hebel | |||
| Steigender Kurs |
Call
|
5
|
10
|
20
|
| Fallender Kurs |
Put
|
5
|
10
|
20
|
Truppentransporter
Logistikfahrzeuge
Versionen mit Kran- oder Seilwinden-Ausrüstung
Fahrzeuge mit integrierter militärischer Spezialausstattung
Während Daimler Truck für die Fertigung der Grundfahrzeuge in den Werken Wörth am Rhein (Rheinland-Pfalz) und Molsheim (Elsass) zuständig ist, übernimmt Arquus die militärspezifische Endausstattung in seinen französischen Produktionsstätten Limoges, Garchizy und Saint-Nazaire.
Die Aufteilung der Produktionsschritte entspricht einem politischen Wunschbild der deutsch-französischen Industriepolitik: Beide Länder profitieren wirtschaftlich von dem Großprojekt. Für Daimler Truck bedeutet das den weiteren Ausbau eines strategisch wichtigen Geschäftsfelds im militärischen Bereich, der bislang im Vergleich zu zivilen Nutzfahrzeugen eine untergeordnete Rolle spielte.
Arquus, ehemals Teil von Renault (Renault Aktie) Trucks Defense und seit 2024 zur belgischen John Cockerill Group gehörig, bringt tiefgehendes Know-how in der Integration militärischer Systeme ein. Aktuell betreut das Unternehmen rund 25.000 Fahrzeuge im Bestand der französischen Streitkräfte.
Mit dem neuen Großauftrag wird Arquus auch für Wartung, Ersatzteilversorgung und Service zuständig sein, was die langfristige Bindung des Kunden verstärken dürfte.

Das Lkw-Programm wird auch deshalb besonders aufmerksam beobachtet, weil das prestigeträchtige FCAS-Projekt (Future Combat Air System), das ab 2040 eine neue Generation europäischer Luftkampfsysteme bereitstellen soll, derzeit ins Stocken geraten ist.
Zwischen den Projektpartnern Airbus Defence & Space (Deutschland) und Dassault Aviation (Frankreich) bestehen anhaltende Meinungsverschiedenheiten über Führungsrollen und industrielle Aufgabenteilung. Eine Entscheidung zur Fortsetzung oder Neuausrichtung des FCAS-Projekts wurde auf EU-Ebene mehrfach verschoben. Zuletzt scheiterte sogar eine geplante Anhörung des Dassault-Chefs im französischen Senat.
Im Gegensatz dazu zeigt das Lkw-Programm, dass bilaterale Verteidigungsprojekte bei klaren Verantwortlichkeiten und wirtschaftlicher Ausgewogenheit erfolgreich verlaufen können. Daniel Zittel, Vertriebsleiter für Verteidigung bei Daimler Truck, betont:
„Unsere Partnerschaft basiert auf gegenseitigem Vertrauen und gemeinsamer Verantwortung. Wir setzen damit einen Maßstab für die zukünftige Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich.“
Seit dem Beginn der russischen Invasion in der Ukraine 2022 haben sich die sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen in Europa grundlegend verändert. Die Verteidigungsausgaben der EU-Mitgliedstaaten stiegen 2024 auf 343 Milliarden Euro (etwa 1,9 % des BIP) und werden für 2025 auf 381 Milliarden Euro (etwa 2,1 % des BIP) prognostiziert. Davon entfallen 106 Milliarden Euro auf Investitionen. Dies ist ein historischer Höchstwert.
Deutschland hat mit einem Sonderfonds von 100 Milliarden Euro eine entscheidende Rolle übernommen, um langjährige Investitionsrückstände bei der Bundeswehr zu beheben. Gleichzeitig bereiten Staaten wie Polen (2024: 4,1 % des BIP, 2025: 4,7 %) massive Aufrüstungsschritte vor. Frankreich, Italien und die nordischen Länder investieren verstärkt in Luftverteidigung, Munition, Cyberabwehr und Marinekapazitäten.
Diese geopolitische Neuausrichtung hat auch auf den Finanzmärkten Spuren hinterlassen. Der europäische Luftfahrt- und Verteidigungsindex .SXPARO legte 2024 angetrieben durch steigende Auftragsvolumina, bessere Margen und zunehmende staatliche Förderungen um rund 55 % zu.
Ein Blick auf börsennotierte Rüstungsunternehmen zeigt ein breites Spektrum an etablierten Akteuren und neuen Marktteilnehmern:
Airbus SE – führend im europäischen Luftfahrt- und Rüstungssektor
Rheinmetall AG – deutscher Rüstungskonzern mit Fokus auf Panzer, Munition und Fahrzeugsysteme
Hensoldt AG – Spezialist für Radar- und elektronische Kampfsysteme
BAE Systems – britischer Rüstungsriese
Leonardo S.p.A. – italienisches Unternehmen für Luftfahrttechnik und Elektronik
Saab AB – Hersteller der Gripen-Kampfflugzeuge und U-Boote
Safran S.A. und Thales Group – führend in Verteidigungselektronik und Antriebssystemen
Auch die deutsche Renk Group, die 2024 erfolgreich an die Börse ging, zählt inzwischen zu den aufstrebenden Akteuren. Das Unternehmen liefert Antriebssysteme für Panzer und schwere Militärfahrzeuge.
Der Großauftrag an Daimler Truck und Arquus steht exemplarisch für eine neue Phase europäischer Sicherheits- und Rüstungspolitik. In einem geopolitisch angespannten Umfeld und angesichts wachsender Anforderungen an Interoperabilität und Reaktionsfähigkeit bieten solche Kooperationen nicht nur wirtschaftliche Chancen, sondern auch politische Signale der Handlungsfähigkeit.
Während komplexe Großprojekte wie FCAS unter strukturellen Spannungen leiden, zeigen pragmatische Lösungen wie das Lkw-Programm, dass die deutsch-französische Achse weiterhin tragfähig sein kann.
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