Eine Softbank-Filiale in Tokyo, Japan.
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Nicolas Fuchs Nicolas Fuchs
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Nicolas ist seit 2016 Redakteur bei ARIVA.DE. Seine Expertise in der technischen Analyse und sein Engagement für genaue Prognosen machen ihn zu einer wertvollen Ressource für die Community, die auf aussagekräftige News angewiesen ist.

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Softbank wirft NVIDIA aus dem Depot und verstärkt Milliardenwetten auf OpenAI und KI-Infrastruktur

SoftBank verabschiedet sich vollständig von Nvidia und setzt stattdessen auf massive Investitionen in OpenAI und KI-Zukunftstechnologien. Der Tech-Konzern verschiebt über 30 Milliarden US-Dollar in neue Projekte, mit weitreichenden Folgen für den globalen KI-Markt.
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SoftBank strukturiert Investmentportfolio radikal um – vollständiger Nvidia-Ausstieg zugunsten massiver KI-Investitionen

Der japanische Technologiekonzern SoftBank Group Corp. hat seine komplette Beteiligung am US-Chiphersteller Nvidia Corp. für 5,83 Milliarden US-Dollar abgestoßen. Zeitgleich meldet das Unternehmen für das zweite Quartal seines laufenden Geschäftsjahres einen Rekordgewinn von rund 2,5 Billionen Yen (ca. 16,2 Milliarden US-Dollar). Der Hintergrund: SoftBank verlagert seinen Fokus weg von kurzfristig gewinnbringenden Aktienpositionen hin zu einem langfristig angelegten KI-Investitionsprogramm mit OpenAI im Zentrum.

Nvidia-Verkauf: Kein Misstrauensvotum, sondern Kapitalbeschaffung

SoftBank gab bekannt, im Oktober 32,1 Millionen Nvidia-Aktien veräußert zu haben. Die Aktie des Chipriesen, der mit seinen Grafikprozessoren das Rückgrat der aktuellen KI-Welle liefert, verlor nach Bekanntwerden der Transaktion vorbörslich leicht um 0,95 %. Dennoch betont Finanzvorstand Yoshimitsu Goto, der Schritt sei „nicht als negatives Signal gegenüber Nvidia (Nvidia Aktie) zu werten“, sondern Teil einer Strategie zur Kapitalfreisetzung.

Neben Nvidia verkaufte SoftBank auch Beteiligungen an der US-Telekomtochter T-Mobile im Wert von 9,17 Milliarden US-Dollar, zusätzlich zu 2,4 Milliarden US-Dollar aus Transaktionen mit der Deutschen Telekom AG. Laut Goto wolle man mit diesen Verkäufen Investitionsspielräume sichern, ohne die finanzielle Stabilität zu gefährden. Wörtlich sprach er von einer „Vermögensmonetarisierung“.

30 Milliarden Dollar (Dollarkurs) für OpenAI: SoftBank wird zum Großinvestor

Im Zentrum der Neuaufstellung steht eine beispiellose Kapitalallokation in Richtung künstliche Intelligenz. Im laufenden Quartal (Oktober bis Dezember) plant SoftBank laut eigener Bilanzinvestorenpräsentation als Teil eines Gesamtpakets von 30 Milliarden US-Dollar.  etwa 22,5 Milliarden US-Dollar in OpenAI zu investieren. Es handelt sich dabei um eine der größten Einzelinvestitionen in der Unternehmensgeschichte des Tech-Investors. Gleichzeitig kündigte das Unternehmen eine Investition von 6,5 Milliarden US-Dollar in den US-Chipentwickler Ampere Computing an.

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Die Investitionen in OpenAI erfolgen unter der Voraussetzung, dass sich das Unternehmen bis Jahresende vollständig in ein gewinnorientiertes Geschäftsmodell umstrukturiert. OpenAI hat mittlerweile die Umwandlung abgeschlossen und firmiert als „OpenAI Group PBC“, mit klarer Trennung zwischen der gemeinnützigen Organisation und dem gewinnorientierten Geschäftsbereich.

Mit einer geschätzten Bewertung von 500 Milliarden US-Dollar gehört OpenAI zu den höchstbewerteten privat gehaltenen Unternehmen weltweit. SoftBank ist damit nicht nur einer der größten Einzelinvestoren, sondern auch strategischer Partner bei der Entwicklung sogenannter AI Agents, also autonomer KI-Systeme für Unternehmen.

Rekordergebnis im zweiten Quartal – Vision Fund liefert 19 Milliarden Dollar Gewinn

SoftBanks Vision Fund, der zentrale Investmentvehikel für Technologie- und KI-Investments, verzeichnete im zweiten Quartal ein Ergebnis von 2,2 Billionen Yen (ca. 14,3 Milliarden US-Dollar), wovon ein erheblicher Teil auf die Beteiligung an OpenAI und dem japanischen Zahlungsdienstleister PayPay zurückzuführen ist. Insgesamt belief sich der Nettogewinn im Quartal auf 2,5 Billionen Yen, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum (1,18 Billionen Yen) und weit über den Analystenschätzungen von 206,89 Milliarden Yen.

Die Umsätze lagen mit 1,92 Billionen Yen im Rahmen der Erwartungen (LSEG-Prognose: 1,9 Billionen Yen). Dabei machten sich vor allem höhere Bewertungen von KI-Assets und die starke Kursentwicklung von Schlüsselbeteiligungen bemerkbar.

Aktienkurs volatil – doch Anleger bleiben optimistisch

Trotz der beeindruckenden Zahlen war die Stimmung an den Märkten zuletzt durch Sorgen über eine mögliche KI-Blase getrübt. In der vergangenen Woche verlor die SoftBank-Aktie rund 50 Milliarden US-Dollar an Marktkapitalisierung, was der stärkste Rückgang seit März 2020 gewesen ist. Dennoch notiert die Aktie im laufenden Jahr mit einem Plus von über 140 % deutlich im Aufwärtstrend.

Als Reaktion auf die gestiegene Volatilität kündigte das Unternehmen einen Aktien-Split im Verhältnis 4:1 an. Ziel ist es, die Aktie für ein breiteres Anlegerpublikum zugänglich zu machen und so die Investorenbasis zu erweitern.

Beteiligung an Stargate und Robotik-Offensive

SoftBank treibt auch seine Rolle im Bereich KI-Infrastruktur voran. Über das sogenannte Stargate-Projekt soll gemeinsam mit US-Partnern eine KI-Rechenzentrumslandschaft im Wert von 500 Milliarden US-Dollar aufgebaut werden. Parallel dazu sondiert CEO Masayoshi Son eine Beteiligung am Bau eines neuen TSMC-Werks in Arizona, das rund eine Billion US-Dollar kosten soll.

Nicht weniger ambitioniert sind die Pläne im Bereich physikalische KI: SoftBank übernahm im Oktober die Robotik-Sparte von ABB für 5,4 Milliarden US-Dollar. Ziel sei es, die Schnittstelle zwischen Künstlicher Intelligenz und Robotik z. B. in autonomen Fahrzeugen oder Service-Robotern weiter auszubauen. Frühere Versuche wie der humanoide Roboter „Pepper“ waren kommerziell gescheitert, doch die Konzernführung gibt sich überzeugt, dass der Durchbruch bei praxisnahen KI-Anwendungen näher rückt.

Kritische Fragen: Bewertungsexzesse und Investitionsdruck

Trotz der eindrucksvollen Zahlen werfen Analysten zunehmend Fragen auf: Wie belastbar sind die Bewertungen von OpenAI und anderen KI-Hoffnungsträgern langfristig? Wer wird am Ende von der milliardenschweren KI-Infrastruktur tatsächlich profitieren? Und wie nachhaltig ist ein Investitionskurs, der allein im aktuellen Quartal mehr Kapital bindet als in den beiden Vorjahren zusammen?

Zudem bleibt offen, wie SoftBank mittelfristig seine Finanzierung sicherstellt. Zwar hat das Unternehmen durch Anteilsverkäufe kurzfristig Liquidität geschaffen, doch die laufenden Investitionszusagen in Höhe von über 30 Milliarden US-Dollar bedeuten erheblichen Kapitalbedarf. Sollte der Hype um künstliche Intelligenz nachlassen oder sich Verzögerungen bei der Monetarisierung einstellen, könnte sich die Bilanz des Unternehmens rasch wieder eintrüben.

Fazit: Hochrisikostrategie mit enormem Ertragspotenzial

SoftBank verfolgt unter CEO Masayoshi Son eine aggressive Investmentstrategie, bei der kurzfristige Kursgewinne geopfert werden, um sich im globalen Wettlauf um die Vorherrschaft im KI-Sektor zu positionieren. Der vollständige Ausstieg aus Nvidia, der massive Einstieg bei OpenAI, die Robotik-Offensive und die Beteiligung an globalen KI-Infrastrukturen zeichnen ein klares Bild: SoftBank will zu einem der zentralen Akteure in der neuen Technologieweltordnung werden. Ob die Wette aufgeht, hängt nicht nur vom technologischen Fortschritt ab, sondern auch von Marktzyklen, geopolitischen Rahmenbedingungen und vor allem dem Vertrauen der Investoren in die Tragfähigkeit der milliardenschweren Strategie.


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