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Nicht Nvidia: Warum dieses Halbleiterunternehmen verzweifelt eigene Aktien zurückkauft

Trotz Produktoffensive kann die Aktie von Chip-Wert Qualcomm kaum vom KI-Boom profitieren. Nun sollen es eine höhere Dividende und massive Buybacks richten.
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Qualcomm-Aktie mit enttäuschender Vorstellung im KI-Boom

Der KI-Boom ist 2026 in sein drittes Jahr gegangen. Vor allem Anlegerinnen und Anlegern von Halbleiterwerten hat er massive Anlagegewinne beschert.

Highflyer wie Broadcom und Nvidia verzeichneten Kursaufschläge von mehreren Hundert Prozent. Selbst Intel ist nach einer Phase massiver Verluste der Vorzeichenwechsel und inzwischen eine marktübliche Performance gelungen.

Das Nachsehen hatten dagegen Investoren von Qualcomm. Bei der Aktie steht im Vergleich zum Stand vor 3 Jahren eine magere Gesamtrendite von 16,4 Prozent zu Buche. Ein Investment in den US-Gesamtmarktindex S&P 500 hat im selben Zeitraum ein Plus von 75,9 Prozent abgeworfen.

Der Hersteller sogenannter System-on-Chips (SoCs) leidet unter dem Verlust von Apple als wichtigem Kunden für seine Breitbandmodems, während der weltweite Smartphone-Markt und ausbleibenden Innovationen und explodierenden Speicherpreisen leidet.

Produktoffensive kann Smartphone-Schwäche nicht kompensieren

Zwar hat sich das langfristig erfolgreiche Unternehmen zuletzt um eine Diversifikation seines Produktportfolios bemüht – noch im Herbst bejubelten Anlegerinnen und Anleger die Ankündigung eigener KI-Beschleuniger, die Branchenprimus Nvidia Marktanteile streitig machen sollen. Schon zuvor hatte der Konzern mit KI-fähigen CPUs für Laptops und Desktop-PCs einen Frontalangriff auf AMD und Intel gewagt. Die Erlöse hieraus entwickeln sich allerdings nur schleppend.

Mehr Erfolg hatte Qualcomm in den vergangenen Jahren mit seiner Automotive-Sparte. Die Kompetenz des Unternehmens bei Kommunikationshalbleitern zahlt sich aus, dass Konnektivität vor dem Hintergrund autonomen Fahrens immer wichtiger wird. Allerdings ist das Segment mit einem Quartalsumsatz von zuletzt 1,1 Milliarden US-Dollar noch zu klein, um die Schwächen im Geschäft mit Halbleitern für mobile Endgeräte auszugleichen.

Zwischenzeitlich starke Kursanstiege der Aktie wurden daher immer wieder abverkauft, was zur Underperformance der Anteile beigetragen hat:

Weitere Kursverluste zu befürchten, mehrjähriger Aufwärtstrend in Gefahr

Zuletzt beschleunigte sich die Talfahrt der Aktie, nachdem Qualcomm einen schwachen Ausblick auf das kommende Geschäftsjahr vorgelegt hatte. Aufgrund der Speicherknappheit rechnet das Unternehmen mit einem Anhalten der Absatzflaute auf dem Smartphone-Markt. Das verärgerte Investoren, da die im letzten Jahr noch vorgestellten mittelfristigen Finanzziele immer weniger erreichbar scheinen.

Aus charttechnischer Perspektive handelt Qualcomm nach seinem Allzeithoch im Juni 2024 in einem Abwärtstrend. Der schwache, im Juni 2023 gestartete Aufwärtstrend steht dagegen nach den jüngsten Verlusten auf der Kippe. Es droht ein weiterer Kursrutsch bis mindestens 120 US-Dollar, wenn nicht die kurzfristigen bullishen Divergenzen im RSI und MACD für eine Gegenbewegung sorgen.

20 Milliarden US-Dollar und höhere Dividende sollen Investoren zufriedenstellen

Dem Management um den langjährigen CEO Christian Amon ist die für Anlegerinnen und Anleger unbefriedigende Lage bewusst. Deshalb hat der Verwaltungsrat des Unternehmens am Dienstag einem 20 Milliarden US-Dollar schweren Aktienrückkaufprogramm zugestimmt. Angesichts eines aktuellen Börsenwertes von 139,2 Milliarden US-Dollar könnten damit bis zu einem Siebtel aller ausstehenden Anteile eingezogen werden.

Zusätzlich soll eine Dividendenerhöhung die Wogen glätten. Die quartalsweise Auszahlung wurde von 0,89 US-Dollar pro Aktie um 3,4 Prozent auf 0,92 US-Dollar angehoben. Für einen Kurs von etwa 131 US-Dollar bietet Qualcomm damit eine Dividendenrendite von 2,8 Prozent, was eine der höchsten innerhalb der Halbleiterindustrie darstellt.

Trotz der jüngsten operativen Rückschläge kann sich das Unternehmen diese finanzielle Großzügigkeit gegenüber seinen Anteilseignerinnen und -eignern leisten: Die Nettoverschuldung liegt bei gerade mal knapp 3 Milliarden US-Dollar.

Fazit: Wer jetzt noch nicht gekauft hat, wird es nicht wegen Buybacks tun

Ob das ausreicht, das Ruder kurz- und mittelfristig herumzureißen, muss allerdings bezweifelt werden. Schon jetzt ist Qualcomm aus fundamentaler Perspektive einer der günstigsten Werte der Halbleiterbranche mit einem KGVe von 11,8 für das Geschäftsjahr 2026, einer zweistelligen Cashflow-Rendite und einer Dividende deutlich über dem Branchendurchschnitt. Wer sich als Investor hiervon noch nicht hat anlocken lassen, dürfte sich kaum von der Aussicht auf milliardenschwere Buybacks zum Kauf verleiten lassen.

Die Hoffnungen der zurecht enttäuschten Investoren dürften daher zum einen auf einer Erholung des Smartphones-Marktes und zum anderen auf einem Erfolg der Produktoffensive liegen. Das allerdings könnte vor dem Hintergrund der bis mindestens ins nächste Jahr anhaltenden Speicherkrise schwierig werden, während schon AMD und Intel bewiesen haben, das neue Produkte in einem Markt wachsender Angebote allein noch nicht für Verkaufserfolge sorgen, sondern hierfür viel Überzeugungsarbeit nötig ist.

Für fundamental orientierte Anlegerinnen und Anleger bietet Qualcomm auf dem aktuellen Bewertungsniveau einen hohen Gegenwert. Wer nicht die Geduld mitbringt, sich möglicherweise über Jahre zu binden, sollte dagegen lieber bei gegenwärtig erfolgreichen Halbleiterunternehmen investieren.

Autor: ARIVA.DE Redaktion/Max Gross


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