
Hims & Hers: Eskalationsstrategie gescheitert
Zeitweise war die Aktie der Online-Apotheke Hims & Hers eine der unter risikoaffinen Anlegerinnen und Anlegern beliebtesten. Das Unternehmen mit einem Fokus auf Männer- und Frauengesundheit versprach schnelles Wachstum, während die ebenso rasant wie volatil steigende Aktie Momentum- und Swing-Trader gleichermaßen anzog.
Doch inzwischen sind das Unternehmen und seine Anteile entzaubert. Erst handelte sich Hims & Hers Ärger mit seinem mittlerweile ebenfalls entzauberten Kooperationspartner Novo Nordisk ein, dann legte sich der Telemedizin-Anbieter gleich mit der gesamten Pharmaindustrie und der US-Gesundheitsbehörde FDA an, nachdem er kopierte GLP1-Abnehmpräparate zum Billigpreis auf den Markt werfen wollte.
Umsatz nur wie erwartet, Nettogewinn rückläufig
Nach Verlusten von mehr als der Hälfte seit dem Jahreswechsel erhofften sich Anlegerinnen und Anleger von den am Montagabend vorgelegten Quartalszahlen einen Befreiungsschlag für die Aktie. Dieser dürfte ihnen jedoch verwehrt bleiben.
Gegenüber dem Vorjahresquartal legten die Erlöse zwar um starke 28,4 Prozent auf 617,82 Millionen Euro zu, konnten die Erwartungen damit aber lediglich treffen.
Eine positive Überraschung gab es hingegen bei der Profitabilität. Der Gewinn pro Aktie (nach standardisierter Rechnungslegung GAAP) landete mit 0,08 US-Dollar um 3 Cent über den Schätzungen. Trotzdem fiel der Nettoertrag gegenüber dem Vorjahresquartal von 26,0 auf 20,6 Millionen US-Dollar. Hierfür sind nicht zuletzt um 10,1 Millionen US-Dollar höhere Aktienvergütungen verantwortlich.
Auch der Ausblick überzeugt nicht
Für das kommende Quartal legte Hims & Hers eine enttäuschende Guidance vor. Das Management rechnet mit Erlösen in Höhe von 600 bis 625 Millionen US-Dollar, während am Markt 652,6 Millionen US-Dollar erwartet wurden. Der operative Ertrag (EBITDA) soll sich auf 35 bis 55 Millionen US-Dollar belaufen.
Im weiteren Jahresverlauf erwartet die Online-Apotheke eine Beschleunigung ihrer Geschäfte. Die Umsatzprognose von 2,7 bis 2,9 Milliarden US-Dollar liegt über der Konsensschätzung von 2,71 Milliarden US-Dollar. Das bereinigte EBITDA soll sich auf 300 bis 375 Millionen US-Dollar belaufen. Hims & Hers geht davon aus, seine EBITDA-Marge von 6 bis 9 Prozent in Q1 auf 11 bis 13 Prozent zum Jahresende steigern zu können. Hierzu soll nicht zuletzt die Übernahme des australischen Telemedizin-Anbieters Eucalyptus Health sowie die weitere internationale Expansion beitragen.

Absturz auf neue Mehrjahrestiefs
In der US-Nachbörse zeigten sich Anlegerinnen und Anleger enttäuscht. Die Aktie, welche bereits im regulären Handel 0,8 Prozent verloren hatte, zuckte zwar ganz kurz in den Plus-Bereich, wurde aber konsequent abverkauft und schloss den erweiterten Handel schließlich mit einem Minus von knapp 8,5 Prozent. Ein Kurs von 14,20 US-Dollar bedeutet nicht nur ein neues 52-Wochen-Tief, sondern auch den niedrigsten Stand seit September 2024. Solche Mehrjahrestiefs gelten als technische Verkaufssignale.
Für fortgesetzte Verluste spricht die anhaltende Schwäche der Aktie, die durch einen stark überverkauften RSI sowie einen MACD weit unter der Nulllinie angezeigt wird. Bullishe Divergenzen als potenzielle Trendwendesignale liegen hingegen noch keine vor.
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Fazit: Aktie bietet keinen Investment-Case
Auch die Unternehmensbewertung lädt trotz des Einbruchs um die Hälfte in diesem Jahr nicht zum Kauf der Aktie ein. Für 2026 ist Hims & Hers mit einem KGVe von 33,2 beziehungsweise dem 10- bis 11-Fachen des von Management in diesem Jahr geschätzten EBITDA bewertet. Damit handelt die Aktie deutlich über den Vielfachen von Mitbewerbern.
Zwar schneidet Hims & Hers beim Kurs-Cashflow-Verhältnis besser ab als der Rest der Branche, gleichzeitig ist das Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis schlechter. Das spricht insgesamt für eine Überbewertung und bietet weiteren Raum für Kursverluste.
Nichtsdestotrotz dürfte das Kursgeschehen volatil und von zwischenzeitlich starken Gegenbewegungen geprägt bleiben, da das Leerverkaufsinteresse bei enorm hohen 35 Prozent liegt, was die Aktie anfällig für Short-Covering-Rallyes macht.
Autor: ARIVA.DE Redaktion/Max Gross