- Lufthansa AG strukturiert ihre Konzernstruktur neu.
- CEO Carsten Spohr spricht von einer Airline-Gruppe.
- Ein Pilotenstreik könnte den Flugbetrieb stören.
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Nicolas Fuchs
Nicolas Fuchs
Die Deutsche Lufthansa (Lufthansa Aktie) AG treibt den seit Monaten vorbereiteten Umbau ihrer Konzernstruktur nun offiziell voran. Unter dem Projektnamen „Matrix Next (Next Aktie) Level“ verfolgt das Management das Ziel, durch eine stärkere Zentralisierung von Funktionen Synergien zu heben, die Profitabilität zu steigern und die Kundenerfahrung über alle Marken hinweg zu vereinheitlichen. Dabei wird vor allem die Steuerung zentraler Geschäftsbereiche aus den operativen Marken in die Konzernzentrale verlagert. Dies ist ein Schritt, der sowohl auf struktureller als auch auf personeller Ebene weitreichende Auswirkungen hat.
Laut Mitteilung vom Freitag, den 13. September 2025, sollen die Netzwerk-Airlines Lufthansa Airlines, Swiss, Austrian Airlines und Brussels Airlines künftig zentrale Aufgaben wie Angebotssteuerung, Netzwerkplanung, Vertrieb sowie Kundenbindungsprogramme wie etwa „Miles & More“ an den Konzern übergeben. Die Verantwortung für Produktgestaltung und Kundenerlebnis an Bord verbleibt bei den jeweiligen Airlines.
CEO Carsten Spohr erklärte die Neuausrichtung mit den Worten: „Lufthansa wird von einer Gruppe von Airlines zu einer Airline-Gruppe.“ Damit verdeutlicht er den Anspruch, die dezentralen Strukturen der Vergangenheit durch ein integriertes, konzernweites Steuerungsmodell zu ersetzen.
Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Informationstechnologie, die bislang fragmentiert war und als Innovationshemmnis galt. In Zukunft sollen die IT-Aktivitäten konzernweit unter der Leitung von CTO Grazia Vittadini gebündelt werden. Dies betrifft unter anderem die bislang getrennt agierenden Einheiten wie Lufthansa Systems, ZeroG, Digital Hangar und der Lufthansa Innovation Hub.
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Ziel ist die Schaffung einheitlicher IT-Strukturen, die effizientere Prozesse ermöglichen, digitale Innovationen fördern und letztlich die Kundenerfahrung verbessern. Beispielsweise sollen Umbuchungen zwischen verschiedenen Konzern-Airlines künftig einfacher und schneller möglich sein. In diesem Bereich gab es bislang deutliche Defizite.
Für die operative Umsetzung der neuen Struktur werden auf Konzernebene sogenannte „Group Function Boards“ eingerichtet. Diese Gremien sollen sich zentral mit übergreifenden Themen wie den Flughafen-Drehkreuzen, Personal, Finanzen und Technologie befassen. Sie bestehen aus Konzernvorständen, einem jeweils zuständigen „Functional Financial Controller“ sowie Führungskräften der operativen Airline-Marken.
Diese neue Gremienstruktur erfordert eine umfassende Neuausrichtung des Führungspersonals unterhalb der Konzernleitung. Die konkreten personellen Entscheidungen stehen laut Lufthansa noch im Laufe des Septembers an.
Besonders in der Schweiz und Österreich stößt der Umbau auf Skepsis. Medienberichte sprechen von einer drohenden „Entmachtung“ der Landes-Airlines. Swiss-CEO Jens Fehlinger verteidigte in einem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung das Vorhaben: Eine stärkere IT-Zentralisierung biete strategische Vorteile, die Swiss werde jedoch weiterhin ein eigenständiges Produktprofil behalten.
Auch Lufthansa betont, dass die Marken weiterhin über das Kundenerlebnis bestimmen – etwa beim Catering, den Lounges und dem Service an Bord. Ebenso bleibe das Management des operativen Flugbetriebs in der Verantwortung der jeweiligen Airlines.
Parallel zum Umbau laufen bei Lufthansa angesichts eines drohenden Pilotenstreiks kritische Entwicklungen im Arbeitskampf mit der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC). Am Freitag, den 13. September, hat die VC eine Urabstimmung unter ihren Mitgliedern bei der Lufthansa-Kerngesellschaft und der Frachtsparte Lufthansa Cargo eingeleitet. Die Abstimmung läuft bis zum 30. September 2025.
Ein Streik ist möglich, wenn mindestens 70 % der stimmberechtigten Mitglieder für einen Arbeitskampf votieren. Enthaltungen gelten als Nein-Stimmen, was die Hürde für einen erfolgreichen Streikbeschluss signifikant erhöht. Bis zum Ende der Abstimmung sind keine Maßnahmen geplant. Ob und wann es nach dem 30. September zu einem Streik kommt, ist derzeit offen. Es erscheint ein Beginn zu Beginn der Herbstferien (ab 3. Oktober) jedoch realistisch.
Im Mittelpunkt des Tarifkonflikts steht die betriebliche Altersvorsorge. Die VC fordert eine deutliche Erhöhung der Arbeitgeberbeiträge in die Versorgungssysteme der rund 4800 Piloten. Bis 2017 garantierte Lufthansa noch feste Rentenzahlungen. Nach einem langwierigen Tarifkonflikt wurde das System in ein kapitalbasiertes Modell mit garantierten Arbeitgeberbeiträgen, aber ohne garantierte Rentenhöhe überführt. Die Arbeitnehmer tragen seither das Risiko niedriger Renditen.
Laut VC-Tarifkommissionssprecher Arne Karstens ist die tatsächliche Rendite deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Beispielrechnungen zeigen, dass bei einem monatlichen Brutto von 13.000 Euro (Grundgehalt plus Zulagen) der Arbeitgeber derzeit rund 820 Euro beisteuert. Die Gewerkschaft fordert einen monatlichen Beitrag von etwa 2600 Euro, was eine Steigerung um rund 180 % wären.
Die Lufthansa verweist auf die angespannte wirtschaftliche Lage der Kerngesellschaft, die im Jahr 2024 ein negatives Ergebnis auswies. Der Konzern als Ganzes arbeitet jedoch profitabel auch aufgrund wachsender Erlöse bei den Tochtergesellschaften und durch die Expansion von neuen Flugbetrieben wie Discover Airlines und City Airlines.
Gerade die Gründung dieser neuen Airlines ist ein weiterer Streitpunkt zwischen Management und Gewerkschaften. Lufthansa verfolgt dabei das Ziel, in neuen Flugbetrieben mit günstigeren Tarifverträgen zu wachsen. Bei Discover Airlines existieren bereits Vereinbarungen mit der Gewerkschaft Verdi. VC und Ufo blieben außen vor. Dies ist ein Umstand, der in Gewerkschaftskreisen als bewusste Umgehung der Spartengewerkschaften interpretiert wird.
Der aktuelle Konflikt ist Ausdruck eines tieferliegenden, langjährigen Streits über die strategische Ausrichtung des Konzerns. Lufthansa-CEO Carsten Spohr betont regelmäßig, dass profitables Wachstum nur dort möglich sei, wo entsprechende Tarifbedingungen vorliegen. Dies schließt weitere Expansionen außerhalb der Lufthansa-Kerngesellschaft ausdrücklich mit ein.
Die VC sieht hierin jedoch eine Gefahr für bestehende Arbeitsverhältnisse und Tarifstandards. Ein zunehmender Teil der Flottenkapazitäten wird in neue Gesellschaften mit neuen Verträgen, geringeren Löhnen und niedrigeren Sozialleistungen verlagert . Aus Sicht der Gewerkschaften steht somit mehr auf dem Spiel als nur die betriebliche Altersvorsorge: Es geht um Einfluss, Tarifautonomie und die Zukunft der Kernmarke Lufthansa.
Mit dem Projekt „Matrix Next Level“ will die Lufthansa-Gruppe ihre Strukturen straffen, Digitalisierung vorantreiben und die Kundenerfahrung vereinheitlichen. Die Maßnahmen sind darauf ausgerichtet, die operative Effizienz zu verbessern und die Profitabilität nachhaltig zu sichern.
Gleichzeitig offenbaren die Entwicklungen im Tarifkonflikt mit der VC die sozialen und politischen Risiken dieser Strategie. Ein möglicher Pilotenstreik könnte nicht nur den Flugbetrieb massiv stören, sondern auch den geplanten Umbau zusätzlich belasten. Entscheidend wird sein, ob es dem Konzern gelingt, Führungskräfte, Belegschaft und Gewerkschaften für den Weg zu einem stärker zentralisierten Airline-Verbund zu gewinnen ohne die Eigenständigkeit und Identität der einzelnen Marken zu gefährden.
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