Schock für Anleger: Zealand-Aktie bricht ein – enttäuschende Studiendaten im Milliardenmarkt für Abnehmmedikamente
Mehr als 30 Prozent Kursverlust an nur einem Tag und 1,3 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung futsch: Schwächere Studiendaten zum Adipositas-Medikament Petrelintid schicken die Aktie von Zealand Pharma auf Talfahrt und zeigen, wie hart der Wettbewerb im Boommarkt für Abnehmmedikamente mittlerweile geworden ist.
Der Boom bei Medikamenten gegen Übergewicht hat in den vergangenen Jahren eine neue Milliardenindustrie geschaffen. Doch der Wettbewerb ist brutal – und schon kleine Enttäuschungen bei Studiendaten können massive Folgen für die Börsenbewertung haben.
Genau das erlebt derzeit der dänische Biotechkonzern Zealand Pharma. Die Aktie des Unternehmens brach am Freitag um mehr als 30 Prozent ein und erlebte damit auf den schlechtesten Handelstag in der Firmengeschichte. Im frühen Handel in Kopenhagen fiel der Kurs auf den niedrigsten Stand seit August 2023. Insgesamt wurden dabei rund 8,3 Milliarden dänische Kronen – umgerechnet etwa 1,3 Milliarden US-Dollar – an Börsenwert ausgelöscht.
Enttäuschende Studiendaten
Auslöser für den Kurssturz waren Zwischenergebnisse einer Phase-II-Studie zum Adipositas-Wirkstoff Petrelintid. Das Medikament wird gemeinsam mit dem Schweizer Pharmakonzern Roche entwickelt. Laut den am Donnerstag veröffentlichten Studiendaten verloren Patienten innerhalb von 42 Wochen bis zu 10,7 Prozent ihres Körpergewichts. Insgesamt nahmen 493 Personen an der Untersuchung teil.
Im Vergleich zu Placebo, bei dem die Gewichtsabnahme bei rund 1,7 Prozent lag, ist das Ergebnis zwar klar positiv. Doch im hart umkämpften Markt für Abnehmmedikamente genügt das nicht.
Konkurrenz deutlich stärker
Die Wirksamkeit bleibt deutlich hinter einigen Konkurrenzprojekten zurück. So erzielte ein Amylin-basierter Wirkstoffkandidat von Eli Lilly in einer vergleichbaren Studie der mittleren Entwicklungsphase einen Gewichtsverlust von bis zu 20,1 Prozent.
Analysten reagieren skeptisch
Mehrere Analystenhäuser reagierten prompt mit kritischen Einschätzungen. Die US-Investmentbank Jefferies schrieb in einer Kundenmitteilung, das Medikament könne zwar eine "brauchbare Therapie" darstellen, dürfte aber vorerst eher als zweitbeste Option hinter dem Konkurrenzprodukt von Eli Lilly wahrgenommen werden.
Auch KBC Securities zeigte sich vorsichtig. Die Analysten sehen Potenzial für den Einsatz des Medikaments bei der Gewichtserhaltung, halten eine Positionierung als Erstlinientherapie jedoch für schwieriger.
Die Reaktionen am Markt fielen entsprechend deutlich aus: Nordea stufte die Aktie von "Kaufen" auf „Halten“ herab, während Cantor Fitzgerald das Papier von "Übergewichten" auf "Neutral" senkte.
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Auch Roche gerät unter Druck
Der Kursrückschlag blieb nicht auf Zealand beschränkt. Auch die Genussscheine von Roche gerieten unter Druck. Am Freitagmorgen verloren sie rund 3,1 Prozent auf etwa 340,50 Franken und gehörten damit zu den größten Verlierern im Schweizer Leitindex SMI.
Analysten, etwa von JPMorgan, hatten insbesondere beim Gewichtsverlust der Patienten höhere Werte erwartet. Dennoch sehen einige Experten weiterhin Chancen für das Medikament in späteren Studienphasen. So könnten Phase-III-Studien möglicherweise eine Gewichtsreduktion im mittleren zweistelligen Prozentbereich zeigen – bei gleichzeitig guter Verträglichkeit.
Partnerschaft mit Roche
Roche und Zealand Pharma verbindet seit März 2025 eine strategische Milliarden-Partnerschaft im Bereich der Adipositas-Therapie. Roche zahlte damals eine Rekordsumme von vorab 1,65 Milliarden US-Dollar (Gesamtwert bis zu 5,3 Milliarden US-Dollar), um sich die Rechte an Zealands Wirkstoff Petrelintide zu sichern.
Zum Zeitpunkt der Ankündigung wurde die Partnerschaft als nahezu ideale Ergänzung bezeichnet, um im boomenden Markt für Adipositas-Medikamente eine starke Position aufzubauen.
Ein Markt mit enormem Potenzial?
Der Wettbewerb dürfte jedoch weiter zunehmen. Pharmakonzerne kämpfen derzeit um Marktanteile in einem Segment, das Experten zufolge künftig jährliche Umsätze im zweistelligen Milliardenbereich generieren könnte.
Erst im vergangenen Monat hatte auch Novo Nordisk einen Rückschlag erlebt: Die Aktie des Konzerns geriet unter Druck, nachdem ein neues Adipositas-Präparat in einem direkten Vergleich schlechter abschnitt als ein Konkurrenzprodukt von Eli Lilly. Zudem gibt es eine neue Studie, die davon ausgeht, dass Generika-Medikamente deutlich günstiger produziert werden könnten.
Der Markt für Abnehmmedikamente wurde als einer der attraktivsten Wachstumsfeldern der Pharmaindustrie gefeiert – doch der Wettbewerb ist gnadenlos. Schon kleine Unterschiede bei der Wirksamkeit können Milliarden an Börsenwert kosten.
Für Zealand Pharma bleibt Petrelintid trotz der Enttäuschung weiterhin ein wichtiges Projekt. Sollten kommende Studien eine stärkere Gewichtsreduktion oder besonders gute Verträglichkeit zeigen, könnte der Wirkstoff noch eine wichtige Rolle im globalen Adipositas-Markt spielen.
Insgesamt werden die Zweifel, dass viele Adipositas-Medikamente wirklich Blockbuster werden, immer größer. Aktuell hat wohl nur Eli Lilly das Potenzial, den Markt zu dominieren.
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