Julian Schick schreibt seit 2020 über die Themen, die Anleger bewegen – mit einem besonderen Fokus auf Aktienanalysen, Dividendenstrategien und ETFs. Der ausgebildete Journalist absolvierte die Kölner Journalistenschule und sammelte Erfahrungen unter anderem beim Handelsblatt, der Financial Times Deutschland sowie Euronews und WDR5. Für Ariva bringt er fundiertes Marktwissen und einen klaren Blick für das Wesentliche mit.
Neue Studiendaten zu Lillys Abnehmspritze Retatrutid begeistern Ärzte und Analysten gleichermaßen. Doch beim Konkurrenzprodukt in Pillenform läuft bislang schleppend. Berenberg zieht trotzdem ihr Kursziel deutlich an.
Für dich zusammengefasst:
Berenberg hebt Kursziel für Eli Lilly auf 1.135 US-Dollar.
Retatrutid erzielte in Studien Gewichtsreduktion von bis zu 30%.
Foundayo hat in den USA schwache Verschreibungszahlen.
Die Investmentbank Berenberg traut Eli Lilly nach neuen Studiendaten zu seinem Abnehmpräparat Retatrutid noch mehr zu und hebt das Kursziel für die Aktie auf 1.135 US-Dollar an, von zuvor 1.050 Dollar (Dollarkurs). Die Einstufung bleibt bei "Hold", da der Pharmariese trotz starker Wachstumsaussichten bereits hoch bewertet sei.
Auslöser sind Phase-3-Daten zu Retatrutid, vorgestellt auf der ADA-Konferenz. Der sogenannte Tri-Agonist erzielte in der Studienverlängerung nach gut zwei Jahren eine Gewichtsreduktion von bis zu 30 Prozent in der hohen Dosierung. Schon mit nur einer Dosissteigerung auf die niedrigste Erhaltungsdosis verloren Patienten im Schnitt rund 20 Prozent ihres Körpergewichts. Die Abbruchquote durch Nebenwirkungen lag bei moderaten elf Prozent.
Berenberg zeigt sich von den Rückmeldungen behandelnder Ärzte beeindruckt. In Gesprächen mit Medizinern habe sich vor allem ein Thema wiederholt: das Potenzial für einen breiteren Einsatz des Wirkstoffs. Ärzte würden das Ausmaß des möglichen Gewichtsverlusts "zu schätzen wissen", so die Analysten. Entsprechend kräftig fällt die Anpassung aus: Die Spitzenumsatzschätzung für Retatrutid springt von vier auf rund elf Milliarden US-Dollar.
Ganz anders das Bild bei Foundayo, Lillys oraler GLP-1-Pille. Die Verschreibungszahlen in den USA entwickeln sich schleppend, deutlich schwächer als beim Konkurrenzprodukt von Novo Nordisk. Gründe sieht Berenberg in kostenlosen Mustern und im nötigen Aufbau der Markenbekanntheit. "Wir sehen nach wie vor ein enormes Umsatzpotenzial für Foundayo (rund 14 Milliarden US-Dollar). Allerdings könnte der Hochlauf länger dauern, als der Markt erwartet."
Auch bei den Gesamtschätzungen schraubt Berenberg nach oben: Für 2026 rechnet die Bank mit gut 3,6 Prozent höheren Umsätzen, für 2028 mit knapp 8 Prozent mehr. An der hohen Bewertung ändert das wenig: Lilly handelt zum 27-fachen der für 2027 erwarteten Gewinne, fast doppelt so hoch wie der Sektordurchschnitt. Berenberg hält die Prämie angesichts Wachstumstempo und Innovationskraft dennoch für gerechtfertigt.
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