Gaspreis im freien Fall: Geopolitische Wende sorgt für Short-Squeeze bei Energie-Futures

Ingo Kolf Ingo Kolf
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Ingo Kolf bringt über zwei Jahrzehnte Erfahrung im internationalen Finanzjournalismus mit, darunter 19 Jahre beim Nachrichtendienst Bloomberg, mit Stationen in Frankfurt und sechs Jahren in New York. Seine fundierte Expertise umfasst die Bereiche Makroökonomie, Wirtschaftspolitik und globale Zinsentscheidungen, mit einem besonderen Fokus auf die Devisenmärkte und bewährte Dividendenstrategien. Bei ARIVA.DE ordnet er die großen wirtschaftlichen Trends unserer Zeit in tiefgehenden Hintergrundberichten und Analysen ein.

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Gastanks einer petrochemischen Anlage (Symbolbild).
© HAYKIRDI/iStock / Getty Images Plus / Getty Images
Nach dem Durchbruch im US-Iran-Konflikt bricht die Risikoprämie am europäischen Gasmarkt ein. Der TTF-Future sackt unter 41 Euro – wie viel Abwärtspotenzial bleibt?
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Am europäischen Erdgasmarkt (virtueller Handelsplatz TTF, Niederlande) hat eine massive Auspreisung des geopolitischen Risikos eingesetzt. Innerhalb weniger Handelstage stürzte der marktrelevante Frontmonatskontrakt von seinem jüngsten Verlaufshoch bei rund 51 Euro/MWh um mehr als 18 Prozent ab und markierte am Donnerstag ein Tief von 38,74 Euro/MWh. Trader, die in Erwartung einer eskalierenden Versorgungsunterbrechung auf der Long-Seite positioniert waren, sahen sich zu einer schnellen Positionsglättung gezwungen.

Auslöser des Preissturzes ist das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran. Die Vereinbarung umfasst eine Aufhebung der US-Seeblockade sowie die Freigabe der Straße von Hormus – zumindest für 60 Tage. Da diese Wasserstraße das Nadelöhr für rund 20 Prozent des weltweiten LNG-Handels darstellt, entspannt sich das fundamentale Angebotsszenario schlagartig. Am Freitag erholte sich der Gaspreis wieder leicht auf 41,88 Euro, nachdem die für heute geplanten Verhandlungen über ein unbegrenztes Friedensabkommen abgesagt wurden.

Gleichzeitig signalisierte QatarEnergy, die Produktion im riesigen Ras-Laffan-Komplex zügig hochfahren zu wollen: Erwartet wird eine Erholung auf 50 Prozent der Exportkapazität binnen eines Monats und etwa 80 Prozent innerhalb von zwei Monaten. Ursprünglich war von mindestens zwei Jahre dauernden Reparaturarbeiten die Rede gewesen.

Institutionelle Analysten und Großbanken (darunter die Citi) haben ihre Schätzungen für das zweite Halbjahr 2026 infolge der diplomatischen Annäherung angepasst. Viele Experten sehen den fairen Wert der TTF-Benchmark bei anhaltend stabilem Newsflow im Bereich von 35 bis 37 Euro/MWh.

Werte aus dem Artikel:
Erdgas NYMEX Rolling 3,26495 $ -0,13%
Natural Gas ETC 2,451 € -0,28%

Unterstützt wird dieses bärische Szenario durch den mittel- bis langfristigen Ausblick: Ab Ende 2026/2027 drängen signifikante neue LNG-Exportkapazitäten aus Nordamerika auf den Weltmarkt, was die strukturelle Angebotsseite nachhaltig stärken dürfte.

Die Unterstützungszonen: Was den Bärenmarkt bremst

Trotz des aktuellen Momentums der Verkäufer ist ein unmittelbarer Durchmarsch auf das Vorkrisenniveau (unter 30 Euro/MWh) fundamental vorerst gedeckelt. Folgende Faktoren stützen den Gaspreis nach unten ab:

Fazit: Die geopolitische Risikoprämie ist weitgehend entwichen, doch die physische Knappheit beim Speicheraufbau fungiert vorerst als solider Support. Gelingt dem TTF der nachhaltige Bruch der 40-Euro-Marke, rückt das nächste Bären-Ziel bei 37 Euro ins Visier.

Autor: ARIVA.DE Redaktion/Ingo Kolf


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