Hornbach trotzt schwacher Kauflaune: Umsatz wächst, Kosten fressen den Gewinn

Nicolas Fuchs Nicolas Fuchs
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Nicolas ist seit 2016 Redakteur bei ARIVA.DE. Seine Expertise in der technischen Analyse und sein Engagement für genaue Prognosen machen ihn zu einer wertvollen Ressource für die Community, die auf aussagekräftige News angewiesen ist.

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Ein Ladengang in einem Baumarkt (Symbolbild)
©unsplash.com
Der Baumarktkonzern Hornbach startet mit einem Umsatzplus von 4,9 Prozent ins neue Geschäftsjahr – doch steigende Personal-, Zins- und IT-Kosten lassen den Gewinn um 5,7 Prozent sinken. Die gesamte deutsche Baumarktbranche kämpft derzeit mit schwacher Konsumlaune, einem schrumpfenden Heimatmarkt und einer ungewöhnlich konfliktreichen Tarifrunde im Einzelhandel.
Für dich zusammengefasst:
Hinweis

Der Baumarkt- und Baustoffkonzern Hornbach ist mit deutlichen Umsatzzuwächsen in das Geschäftsjahr 2026/27 gestartet. Die aktuellen Hornbach Quartalszahlen zeigen: Im ersten Quartal, das die Monate März bis Mai 2026 umfasst, kletterte der Nettoumsatz der HORNBACH Gruppe um 4,9 Prozent auf rund 2,0 Milliarden Euro. Getragen wurde das Plus vor allem von der Entwicklung der Bau- und Gartenmärkte im europäischen Ausland sowie von weiter ausgebauten Marktanteilen.

Unter dem Strich blieb davon allerdings weniger übrig als im Vorjahr. Das um Sondereffekte bereinigte Betriebsergebnis (Ebit) sank leicht auf 161,0 Millionen Euro nach 161,7 Millionen Euro im Vorjahresquartal – ein Rückgang von 0,5 Prozent. Die bereinigte Ebit-Marge lag bei 8,0 Prozent nach 8,5 Prozent im Vorjahr. Der Konzernjahresüberschuss vor Gewinnanteilen fiel um 5,7 Prozent auf 104,2 Millionen Euro, das Ergebnis je Aktie sank von 6,62 auf 6,24 Euro.

Maßgeblich für den überproportionalen Gewinnrückgang ist das Finanzergebnis: Es verschlechterte sich von minus 13,8 Millionen Euro auf minus 20,2 Millionen Euro, belastet durch höhere Zinsaufwendungen und negative Währungseffekte. Beim Cashflow zeigt sich ein gemischtes Bild. Der operative Cashflow stieg auf 198,9 Millionen Euro, während gleichzeitig höhere Investitionen den freien Cashflow dämpften.

Personal, Instandhaltung und IT als Kostentreiber

Werte aus dem Artikel:
BayWa AG vink. NA Aktie 2,405 € -3,41%
Hornbach Holding Aktie 78,60 € +1,42%

Als Ursache für den Margendruck nennt Hornbach vor allem expansionsbedingt gestiegene Personalkosten sowie höhere Ausgaben für Instandhaltung und IT-Infrastruktur. Hinzu kommen die bereits erwähnten Zins- und Währungseffekte. „Hornbach zeigt sich auch in einem anspruchsvollen Marktumfeld widerstandsfähig", kommentierte Erich Harsch, Vorstandschef der Hornbach Baumarkt AG, die Zahlen. Mit Blick auf die Jahresprognose sehe sich das Unternehmen nach dem ersten Quartal „auf einem guten Weg".

Auslandsgeschäft treibt Marktanteile

Nach GfK-Daten für den Zeitraum Januar bis April 2026 baute die Hornbach-Gruppe ihre Marktanteile in allen relevanten Ländern aus: in Deutschland auf 16,1 Prozent nach 15,6 Prozent im Vorjahr, in den Niederlanden auf 30,4 Prozent nach 29,7 Prozent, in Österreich auf 18,1 Prozent nach 17,9 Prozent, in der Schweiz auf 15,5 Prozent nach 14,9 Prozent und in Tschechien auf 40,1 Prozent nach 38,6 Prozent. Im ersten Quartal eröffnete das Unternehmen einen neuen Bau- und Gartenmarkt im slowakischen Trnava; für das laufende Geschäftsjahr sind weitere Eröffnungen in Graz sowie ein Fachmarkt für Bodenbeläge im niederländischen Beuningen geplant. Die Hornbach Holding (Hornbach Holding Aktie) AG & Co. KGaA, an der Börse im Kleinwerteindex SDAX notiert, ist die Dachgesellschaft einer Gruppe mit aktuell 174 Bau- und Gartenmärkten, drei Fachmärkten sowie 39 Baustoff-Handelsstandorten in mehreren europäischen Ländern und beschäftigt rund 25.500 Mitarbeiter:innen.

Hornbach Aktie reagiert positiv, Analysten verhalten

Für Anleger, die Baumarktaktien beobachten, ist auch die Kursreaktion relevant: Am Tag der Zahlenveröffentlichung zog die Hornbach-Aktie zeitweise um rund zwei Prozent auf etwa 79 Euro an. Die Baader Bank beließ ihre Einschätzung bei „Add" mit einem Kursziel von 96 Euro und bezeichnete das erste Geschäftsquartal als durchwachsen. Seit Jahresbeginn liegt das Papier nach Angaben von Marktbeobachtern dennoch weiterhin rund 8,6 Prozent im Minus.

Jahresprognose bestätigt

Trotz des durchwachsenen Auftakts hält Hornbach an seiner Prognose für 2026/27 fest: Beim Umsatz rechnet das Management mit einem Wert auf oder leicht über dem Vorjahresniveau von 6,4 Milliarden Euro, beim bereinigten Ebit mit etwa dem Vorjahreswert von rund 265 Millionen Euro. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2025/26 war der Konzernumsatz um 3,8 Prozent auf rund 6,4 Milliarden Euro gestiegen, während das bereinigte Ebit um 1,8 Prozent zurückging. Das Unternehmen verweist dabei selbst auf Risiken durch geopolitische Entwicklungen sowie einen möglichen weiteren Kostenanstieg, der auch von den laufenden Tarifverhandlungen im deutschen Einzelhandel abhänge.

Baumarktbranche Deutschland: Der Heimatmarkt bleibt die Schwachstelle

Während Hornbach im Ausland wächst, bleibt die Lage auf dem deutschen Heimatmarkt angespannt. Der deutsche DIY-Kernmarkt – Bau- und Heimwerkermärkte, Fachmärkte und kleinbetriebliche Fachhandelsformen – kam 2025 auf einen Branchenumsatz von rund 49,1 Milliarden Euro brutto. 2024 hatte die Branche bereits mit einem nominalen Minus von 0,8 Prozent erneut nachgegeben, nachdem der historische Einbruch 2023 mit minus 2,9 Prozent noch deutlicher ausgefallen war; die Bau- und Heimwerkermärkte selbst erzielten 2024 einen Umsatz von 24,84 Milliarden Euro und lagen damit erstmals seit dem Corona-Boom wieder unterhalb der langfristigen Wachstumslinie der Jahre 1999 bis 2019.

In diesem schwierigen Umfeld hat sich die Konkurrenzordnung der Baumarktbranche verschoben. Bauhaus hat Obi als größten Baumarktbetreiber auf dem deutschen Markt, gemessen am Inlandsumsatz, abgelöst; Hornbach folgt auf Platz drei, während Rewe mit den Vertriebslinien Toom und B1 sowie der Einzelhandel der Hagebau-Gruppe zuletzt Umsatzrückgänge von 1,9 beziehungsweise 3,6 Prozent verzeichneten. Bundesweit gab es nach Definition des Handelsverbands BHB im Januar 2026 insgesamt 2.004 Baumärkte; ein typischer deutscher Baumarkt verfügt über eine Innenverkaufsfläche von rund 5.850 Quadratmetern und erzielt im Schnitt einen stationären Jahresbruttoumsatz von rund 9,1 Millionen Euro. Sinnbild für den Konsolidierungsdruck ist zugleich die Baumarktkette Hellweg samt der mit 15 Prozent von der BayWa AG mitfinanzierten Schwestergesellschaft BayWa (BayWa Aktie) Bau- und Gartenmärkte: Beide Unternehmen haben jüngst Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eingeleitet, betroffen sind über 100 Standorte und mehr als 4.300 Beschäftigte. Einen ausführlichen Hintergrund zur Wettbewerbsdynamik zwischen Obi, Bauhaus und Hornbach liefert die Analyse „Baumarkt-Branche vor Umbruch".

Verbraucher halten sich weiter zurück

Die schwache Branchenentwicklung spiegelt vor allem die gedämpfte Konsumstimmung in Deutschland wider. Das von NIM und GfK ermittelte Konsumklima fiel im Mai 2026 auf minus 33,3 Punkte – der schwächste Stand seit Februar 2023. Im Juni erholte sich der Indikator nur moderat um 3,3 Punkte auf minus 29,8 Punkte, während die Anschaffungsneigung schwach blieb und der Einzelhandelsumsatz im April real um 0,3 Prozent sank. Die Inflationsrate lag im Mai 2026 bei voraussichtlich 2,6 Prozent nach 2,9 Prozent im April, wobei sich die Energiepreise um 6,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat verteuerten, nach einem Plus von 10,1 Prozent im Vormonat.

Baukonjunktur als Hoffnungsschimmer

Etwas mehr Rückenwind könnte die allgemeine Baukonjunktur liefern, von der Baumärkte über das Profigeschäft mit Handwerksbetrieben indirekt profitieren. Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe erwartet für 2026 einen Branchenumsatz von 178 Milliarden Euro nach 168 Milliarden Euro im Jahr 2025 – ein nominales Plus von 6 Prozent beziehungsweise real rund 2,5 Prozent, getrieben vor allem vom Tiefbau und gestärkt durch das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität. Im für Baumärkte besonders relevanten Wohnungsbau soll der Umsatz 2026 auf rund 56,3 Milliarden Euro steigen, nach knapp 54 Milliarden Euro im Vorjahr. Allerdings bleibt die Stimmung in der Baubranche selbst volatil: Der ifo-Geschäftsklimaindex für das Bauhauptgewerbe fiel im April 2026 auf 84,4 Punkte – den niedrigsten Stand seit Mai 2020.

Tarifrunde im Einzelhandel als zusätzliches Risiko

Hornbach selbst nennt die laufenden Tarifverhandlungen im deutschen Einzelhandel als möglichen Belastungsfaktor für die eigene Kostenentwicklung. Diese Tarifrunde fällt 2026 ungewöhnlich konfliktreich aus. Die Gewerkschaft Verdi fordert für rund 5,2 Millionen Beschäftigte im Einzel-, Versand-, Groß- und Außenhandel eine tabellenwirksame Entgelterhöhung von 7 Prozent bei zwölf Monaten Laufzeit. Die Arbeitgeberseite hatte zunächst eine sechsmonatige Nullrunde mit anschließend lediglich 2,0 Prozent mehr Lohn ins Spiel gebracht. Mitte Mai 2026 beteiligten sich bereits mehr als 5.000 Beschäftigte in über 200 Betrieben an Warnstreiks; ein Tarifabschluss wird frühestens Mitte Juli 2026 erwartet. Für personalintensive Handelsunternehmen wie Hornbach bedeutet ein höherer Tarifabschluss zusätzlichen Kostendruck, der angesichts der bereits gesunkenen Ebit-Marge im ersten Quartal genau beobachtet werden dürfte.

Fazit

Hornbach gelingt es im ersten Quartal 2026/27, im europäischen Ausland und über Marktanteilsgewinne zu wachsen, während gestiegene Personal-, Zins- und IT-Kosten die operative Profitabilität schmälern. Die Jahresprognose bleibt unverändert, doch das Unternehmen selbst benennt geopolitische Risiken und die Tarifrunde im Einzelhandel als mögliche Belastungsfaktoren für die zweite Jahreshälfte. Die gesamte deutsche Baumarktbranche steckt derweil zwischen den Fronten: Ein schrumpfender Heimatmarkt und eine schwache Konsumstimmung treffen auf eine sich erstmals seit Jahren wieder aufhellende Baukonjunktur. Dieses Spannungsfeld dürfte die Branchenentwicklung in den kommenden Quartalen maßgeblich prägen. 


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