FRANKFURT (dpa-AFX) - Das volatile Marktumfeld und Spekulationen um einen Großaktionär haben die Aktien der Deutschen Börse am Montag deutlich angetrieben. Am frühen Nachmittag legten die Papiere des Börsenbetreibers unter den stärksten Werten im Dax um etwas mehr als drei Prozent auf 252,20 Euro zu. Damit steuerten sie auf ihre 50-Tage-Linie zu. Anfang des Monats waren die Aktien im Zuge von Gewinnmitnahmen nach guten Quartalszahlen der Börse unter den charttechnischen Indikator für den mittelfristigen Trend gerutscht.
Im bisherigen Jahresverlauf steht für die Deutsche Börse wieder ein Kursplus von knapp 13 Prozent zu Buche. Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar haben die Aktien rund acht Prozent zugelegt. Denn der Börsenbetreiber profitiert von hohen Handelsvolumina bei starken Kursschwankungen in Krisenzeiten. Neben dem Xetra-Geschäft und der Derivatebörse Eurex gilt das auch für die Energiebörse EEX. Hier ist die Deutsche Börse Nutznießer der immensen Bewegungen beim Gaspreis.
Zum Wochenstart sorgte außerdem ein Großaktionär für Gesprächsstoff. Bereits am Freitagabend wurde offengelegt, dass der britische Hedgefonds TCI seinen Anteil an der Deutschen Börse jüngst auf 5,15 Prozent aufgestockt hatte. Zwar seien die Ziele von TCI-Chef Chris Hohn noch nicht klar, schrieb Experte Tom Mills vom Analysehaus Jefferies. Er glaubt aber nicht, dass es sich bei Hohn nur um einen Mitläufer handele.
Vor über zwanzig Jahren hatte Hohn die Deutsche Börse scharf für die damals geplante Übernahme der London Stock Exchange kritisiert und sogar Aktionärsproteste angeschoben. Der Börsenbetreiber gab seine Übernahmepläne daraufhin auf, der damalige Deutsche-Börse-Chef Werner Seifert trat zurück. Jefferies-Analyst Mills verwies in diesem Zusammenhang auf die aktuell laufende Übernahme der Fondsplattform Allfunds, die nominell sogar größer sei.
"Wir begrüßen das Engagement von TCI und freuen uns darauf, unseren konstruktiven Dialog fortzusetzen, so wie wir es mit all unseren Investoren tun", sagte ein Sprecher der Deutschen Börse der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Bei der Hauptversammlung vergangene Woche habe der Börsenbetreiber sehr großen Rückhalt von seinen Aktionären erfahren. Die Deutsche Börse werde ihre Strategie konsequent umsetzen.
Finanzkreisen zufolge versteht sich TCI dieses Mal allerdings als langfristiger Investor und ist nicht wie vor zwei Jahrzehnten auf Konfrontation mit dem Management aus. Es sei nicht geplant, dass der Fonds eine aktivistische Rolle einnehme, sagte ein mit der Sache vertrauter Insider, der namentlich nicht genannt werden wollte. TCI selbst wollte sich nicht dazu außern.
Bereits im Januar hatte die Deutsche Börse mitgeteilt, Allfunds für etwas mehr als fünf Milliarden Euro übernehmen zu wollen. Das wäre die größte Übernahme in der Geschichte des Unternehmens. Der Vollzug wird allerdings wegen notwendiger aufsichtsrechtlicher Genehmigungen erst für 2027 erwartet./niw/ag/nas/jha/
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