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KGV 9,1 und 6,5 % Rendite: Ist diese Aktie eine Value-Falle oder ein Dividendenschnäppchen?

Der US-Elektronikeinzelhändler Best Buy handelt mit einer günstigen Bewertung und bietet eine hohe Dividende. Sollten Anlegerinnen und Anleger jetzt zugreifen?
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Symbolbild einer Anlageentscheidung.
Quelle: - KI-generiertes Symbolbild (ChatGPT).
Best Buy Inc 59,40 $ Best Buy Inc Chart 0,00%
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Halbleiteraktien stehlen dem Rest des Marktes die Show

Während Technologie-Aktien, allen voran Halbleiterwerte, in den vergangenen Wochen angesichts starker Quartalszahlen und erneuerter KI-Begeisterung kaum ein Halten kannten, liegen große Teile des Aktienmarktes brach.

Auf neuen Allzeithochs notierende Indizes wie der Nasdaq 100 sowie der marktbreite S&P 500 verdecken aufgrund der hohen Indexkonzentration einiger weniger Werte wie Nvidia, Alphabet und Microsoft die Tatsache, dass sich viele Einzelwerte im freien Fall befinden.

Dazu gehört angesichts eines inzwischen historisch niedrigen Verbrauchervertrauens auch die Konsumgüterbranche. Neben defensiven Werten wie Lebensmittelherstellern, bieten auch die Aktien viele Einzelhändler ein Chart des Grauens – selbst, wenn sie in spannenden und überdurchschnittlich margenstarken Nischen tätig sind.

Einer der vielen Verlierer trotz günstiger Bewertung: BestBuy

Dazu gehört beispielsweise der Elektronikeinzelhändler BestBuy, der mit den hierzulande bekannten Fachmärkten Saturn und MediaMarkt vergleichbar ist. Aufgrund anhaltender Kursverluste handelt die Aktie wie viele Konsumgüterwerte inzwischen mit einer überaus attraktiven Bewertung. Vor allem das mit 9,1 einstellige Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) sowie die Dividendenrendite von 6,5 Prozent stechen ins Auge.

Dass die Anteile seit ihrem Allzeithoch auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie mit Verlusten handeln, hat mehrere Gründe. Ein Grund ist eine anhaltende Nachfrageschwäche. Während der Pandemie haben viele Verbraucherinnen und Verbraucher in Ermangelung anderer Freizeitaktivitäten zahlreiche Elektronikartikel gekauft. Das sorgte zwar damals für starke Geschäfte, jetzt aber für einen Nachfragemangel.

Konsumzurückhaltung belastet die Geschäftsentwicklung

Dazu kommen die in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Lebenshaltungskosten, welche die Neuanschaffung teurer Elektronik für viele Konsumentinnen und Konsumenten unerschwinglich macht. Verschärft wird diese Krise gegenwärtig durch den Mangel vor allem bei Speicherchips.

Da der rasante Ausbau von Rechenzentren für KI-Anwendungen den Markt leerfegt, haben Hersteller angefangen, ihre Speicherchipproduktion vom Endkundenmarkt hinzu Rechenzentren umzustellen. Micron beispielsweise hat seine Konsumentensparte Crucial ganz eingestellt. Das sorgt für höhere Produktkosten, die Hardwarehersteller wie Apple oder Xiaomi entweder runterschlucken oder an die Endkunden weiter geben müssen.

Trotz rückläufiger Geschäfte: Die Dividende ist sicher!

In den vergangenen zwei Jahren sind die Erlöse des Unternehmens deshalb kaum vom Fleck gekommen. Gegenüber dem Rekordjahr 2022 mit einem Umsatzergebnis von fast 52 Milliarden US-Dollar sind die Geschäfte mit 41,7 Milliarden US-Dollar im vergangenen Geschäftsjahr deutlich zurückgegangen. Das gilt auch für den Gewinn, der von 2,45 Milliarden US-Dollar um 56,2 Prozent auf 1,07 Milliarden US-Dollar eingebrochen ist.

Das zeigt allerdings auch: Aller Widrigkeiten zum Trotz erwirtschaftet BestBuy seinen Investoren ansehnliche Gewinne. Sie wachsen derzeit nur nicht. Das gilt auch für die Cashflows, aus denen neben Aktienrückkäufen auch die Dividende finanziert wird. Im vergangenen Jahr lag der freie Cashflow bei knapp 843 Millionen US-Dollar.

Damit ist die Ausschüttung der seit 21 Jahren steigenden Dividende gedeckt. Auch die Verschuldung beeinträchtigt die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens kaum. Die Nettoverbindlichkeiten liegen bei 2,2 Milliarden US-Dollar oder dem 0,8-Fachen des EBITDA. Das ist ein sehr gesunder Wert und verbürgt sich für die Sicherheit der Dividende.

Hier bekommen Anleger viel für wenig Geld

Mit Blick auf die Unternehmensbewertung hat BestBuy neben einem KGV von 9,1, welches damit um ein Viertel unter dem 5-Jahres-Durchschnitt und sogar um 42 Prozent unter dem Branchenmittel liegt, weitere Highlights zu bieten. Dazu gehören beispielsweise das günstige EV/EBTIDA-Verhältnis von 5,5 mit ähnlichen Abschlägen gegenüber der historischen Norm beziehungsweise den Mitbewerber.

Auch das Kurs-Cashflow-Verhältnis ist mit 6,3 sehr günstig. Die Cashflow-Rendite von 15,9 Prozent liegt um 37 Prozent höher als innerhalb der Vergleichsgruppe, während die Dividende sogar um 164 Prozent über dem Branchendurchschnitt liegt. Mit Blick auf die vergangenen 5 Jahre hat BestBuy im Schnitt eine Rendite von 4,35 Prozent geboten. Auf dem aktuellen Kurs- und Bewertungsniveau bietet BestBuy also einen hohen Gegenwert.

Die Chance auf eine Trendwende liegt vor, aber ...

Der Chart der Aktie lädt im Unterschied zur Bewertung nicht zum Kaufen ein. Zwar hat der Abwärtstrend der zurückliegenden Jahre inzwischen deutlich an Dynamik eingebüßt, doch die Ausgangslage bleibt fragil. Im Bereich von 58 bis 60 US-Dollar besteht zwar die Chance auf einen Doppelboden und damit auch eine Trendwende der Aktie.

Dass diese tatsächlich gelingt, ist aber noch nicht unmittelbar abzusehen. Zwar zeigen die technischen Indikatoren RSI und MACD inzwischen zwar bullishe Divergenzen und Aufwärtstrends. Gerade der MACD notiert aber noch nicht wieder über der Nulllinie, was bedeutet, dass die Aktie noch immer in einem Abwärtstrend handelt, der jetzt zu neuen Tiefs und damit auch zu neuen Verkaufssignalen führen könnte. Allzu groß dürfte das technische Abwärtspotenzial aber nicht mehr sein.

Fazit: Fundamental attraktiv, aber Restrisiken bleiben

Der US-Elektronikeinzelhändler BestBuy bietet Anlegerinnen und Anleger eine attraktive, weit unter der historischen Norm liegenden Unternehmensbewertung und eine vergleichsweise sehr hohe Dividende. Das legt aus fundamentaler Perspektive eine Einstiegschance und ein Dividendenschnäppchen nahe.

Sollte die Konsumzurückhaltung im Elektronikbereich jedoch anhalten und sich auch eine verbesserte Stimmung unter Verbraucherinnen und Verbrauchern nicht in einer höheren Ausgabenbereitschaft niederschlagen, besteht hier auch mit Blick auf den noch immer schwachen Chart die Gefahr einer sogenannten Dividenden- beziehungsweise Value-Falle, in der Investoren zwar hohe Ausschüttungen erzielen, die Gesamtperformance aber hinter dem Gesamtmarkt zurückbleibt. Deshalb sollte hier nur investieren, wer ohnehin mit einer unverändert robusten Wirtschaftslage in den USA rechnet.

Autor: ARIVA.DE Redaktion/Max Gross


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