Gefälschte Fußballtrikots - wovor Experten warnen

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Adidas-Store in Peking, China.
- © adidas AG

BERLIN (dpa-AFX) - Deutschland, Brasilien oder Spanien? Vor der Fußball-Weltmeisterschaft sind Experten zufolge besonders viele gefälschte Trikots im Umlauf. Die Nachfrage nach Fanartikeln steige rund um große Sportereignisse, sagte Julia Hentsch, Leiterin Rechts- und Verbraucherpolitik im Markenverband. "Damit steigt erfahrungsgemäß auch das Angebot an Fälschungen signifikant an." Ein Überblick über das Thema:

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Wie hoch ist der wirtschaftliche Schaden durch gefälschte Produkte?

Gefälschte Trikots werden nirgends erfasst. Die Entwicklung ist deshalb schwer zu beziffern. Der Markt spiele sich im Verborgenen ab, sagt Hentsch.

Laut einer 2024 veröffentlichen Schätzung des Amts der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) verursachen gefälschte Sportartikel in der Europäischen Union jährlich rund 850 Millionen Euro Schaden. Das entspricht etwa elf Prozent des Branchenumsatzes. Deutschland zählt der Auswertung zufolge zu den besonders betroffenen Ländern. Nach Angabe des EUIPO fallen durch Produktfälschungen in den Bereichen Bekleidung, Kosmetik und Spielwaren in der EU demnach jedes Jahr etwa 200.000 Arbeitsplätze weg, 40.000 davon in Deutschland.

Der Zoll stellte 2025 etwa 4,6 Millionen Produktfälschungen mit einem geschätzten Wert von knapp 450 Millionen Euro sicher. Eine Aufschlüsselung nach Trikots gibt es nicht. "Es bedrückt mich, wenn ich höre, dass Menschen Fälschungen kaufen. Da ist mir zu viel Geiz-ist-geil-Mentalität", sagt Intersport-Chef Alexander von Preen. Man müsse wertschätzen, was Händler und Hersteller auf den Markt bringen.

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Wie viele Menschen kaufen gefälschte Trikots - und warum?

Fast jeder Fünfte (19 Prozent) in Deutschland hat - etwa im Internet oder auf Märkten oder in Geschäften in Urlaubsorten im Ausland - schon einmal oder mehrfach ein Fußballtrikot gekauft, bei dem es sich vermutlich nicht um ein Originalprodukt handelte. Das zeigt eine am 19. Mai durchgeführte repräsentative YouGov-Umfrage mit etwa 4.000 Menschen ab 18 Jahren. Am höchsten ist der Anteil bei Personen zwischen 18 und 24 Jahren (31 Prozent).

Es gebe einen Markt für gefälschte Trikots, sagt eine Sprecherin des Deutschen Patent- und Markenamts. Verbraucher trügen mit dem bewussten oder unbewussten Kauf selbst dazu bei. Laut Expertin Hentsch sehen viele vor allem den Preisvorteil. Während Trikots in Urlaubsorten vielfach für 15 oder 20 Euro zu haben sind, kostet ein Originalprodukt rund 100 Euro. Laut einer 2023 veröffentlichten EUIPO-Analyse halten rund ein Drittel der Europäer den Kauf von Fälschungen für akzeptabel, wenn das Original zu teuer ist.

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten seien Nachahmerprodukte willkommen, "weil sie das Budget schonen", sagt Intersport-Chef von Preen. Je stärker die Begehrlichkeit zu bestimmten Produkten sei, desto höher sei die Wahrscheinlichkeit, dass es Fälschungen gebe. Richtige Fans seien jedoch darauf aus, ein Original von entsprechender Qualität zu haben. Der Abverkauf der WM-Trikots laufe "sehr gut", so von Preen.

Woran kann man gefälschte Trikots erkennen?

"Auf touristischen Wochenmärkten ein echtes Adidas -Trikot zu bekommen, liegt im Promille-Bereich", sagt Hentsch. Originalhersteller vertrieben ihre Produkte über autorisierte Anbieter - nicht über fliegende Händler auf Märkten oder dubiose Internetseiten. Verbraucher sollten bei vermeintlichen Schnäppchen vorsichtig sein, rät sie. "Wer sicher sein möchte, ein Original zu kaufen, sollte auf vertrauenswürdige Verkaufsstellen achten."

Gefälschte Trikots erkenne man meist nicht an einzelnen Merkmalen. "Häufig lassen sich Fälschungen an einer sichtbar schlechten Verarbeitung erkennen. Etwa, wenn sich Nähte lösen oder Drucke unsauber sind. Verbraucher sollten daher sowohl auf die Produktqualität als auch auf die Verkaufsumgebung achten." Einige Hersteller wie Adidas setzen inzwischen auf Sicherheitsmerkmale wie QR-Codes oder spezielle Etiketten.

Welche Risiken bergen Fälschungen?

"Oft enthalten nicht regulierte oder gefälschte Produkte gesundheitsgefährdende Stoffe in Konzentrationen, die weit über den zulässigen Grenzwerten liegen", sagt Hentsch. Dazu zählten unter anderem Phthalate, Blei, Formaldehyd oder PFAS, per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Die Stoffe stünden im Verdacht, hormonell zu wirken, Allergien auszulösen oder langfristig gesundheitsschädlich zu sein. Fälschungen entstünden oft unter schlimmen Bedingungen - mit Kinderarbeit, ohne Arbeitsschutz und Qualitätskontrollen, betont Hentsch.

Welche Strafen drohen Verkäufern und Käufern?

"Der Verkauf gefälschter Markenware verstößt gegen das Markengesetz und kann als Markenrechtsverletzung oder Betrug gewertet werden", sagt Hentsch. Es drohen demnach Geldstrafen oder Freiheitsstrafen von bis zu 3 Jahren, in schweren Fällen sogar bis zu 5 Jahren. Käufer sind Hentsch zufolge meist weniger stark von strafrechtlichen Konsequenzen betroffen, da der private Kauf in Deutschland nicht strafbar sei. Dennoch bestehen Risiken. "Wird beispielsweise ein Fake-Trikot aus dem Nicht-EU-Ausland bestellt, kann der Zoll die Ware beschlagnahmen. Der Käufer erhält die Ware nicht, und das Geld ist meist verloren."

Je nach Reiseland kann laut Hentsch aber auch der private Erwerb gefälschter Markenware Geld- oder Freiheitsstrafen nach sich ziehen - etwa in Italien. "Wer sicher sein will, dass am Ende nicht die Handschellen klicken, der verzichtet besser auf vermeintliche Trikot-Schnäppchen auf Märkten oder bei Straßenhändlern."

Adidas geht nach eigenen Angaben schwerpunktmäßig gegen Händler und Importeure gefälschter Produkte sowie gegen sogenannte Fakeshops vor. Man arbeite eng mit Behörden zusammen, um Markenrechtsverletzungen konsequent zu verfolgen, sagte ein Sprecher. Konsumenten wird geraten, Produkte im Fachhandel oder direkt bei Adidas zu erwerben.

Warum ist es so schwierig, gegen den illegalen Handel vorzugehen?

Länder- und kontinentübergreifend gegen Produkt- und Markenpiraterie vorzugehen sei äußerst komplex, betont das Deutsche Patent- und Markenamt - zumal es sich dabei oft um einen Kampf gegen organisierte Kriminalität handele. Laut Hentsch schreckten Behörden vor Ort häufig davor zurück, Touristen zu belangen, um den wichtigen Tourismussektor nicht zu gefährden.

Im Internet gestaltet sich die Strafverfolgung der Expertin zufolge als zäh. Klarnamen von Verkäufern seien oft schwer zu ermitteln. Die Anbieter säßen in aller Regel im Ausland. Die Vollstreckung sei langwierig und teuer - mit ungewissen Erfolgsaussichten. Markenverband und Handelsverband Deutschland drängen auf stärkere Kontrollen, eine klare Haftung der Online-Plattformen sowie mehr Personal und bessere Ausstattung für Zoll und Marktüberwachung./cr/DP/zb


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