Silber hat in den vergangenen Monaten ein neues Selbstbewusstsein entwickelt. Nach Jahren der Seitwärtsbewegung durchbrach der Preis im Oktober 2025 die historische Marke von 50 Dollar pro Unze und erreichte kurz darauf ein Hoch bei 54 Dollar. Zwischenzeitlich folgte zwar eine deutliche Korrektur, die den Kurs bis in den Bereich von 46 bis 48 Dollar führte. Viele Analysten werteten diese Bewegung zunächst als Zeichen einer Überhitzung und warnten vor einem Rückschlag. Doch die Marktreaktion fiel bemerkenswert stabil aus: Silber hat sich rasch erholt und notiert inzwischen wieder deutlich über der Marke von 50 Dollar.
Im Gegensatz zu den spekulativen Preisspitzen von 1980 und 2011, die von abrupten Preissprüngen und anschließenden Einbrüchen geprägt waren, verläuft die aktuelle Aufwärtsbewegung deutlich ruhiger und fundamentaler. Experten deuten diese Entwicklung als Ausdruck einer strukturellen Neubewertung. Der Markt scheint nicht von kurzfristiger Euphorie, sondern von einem tiefgreifenden Wandel in den Nachfrage und Angebotsstrukturen getrieben zu sein - ein Unterschied, der diesmal das Potenzial für einen nachhaltigen Bullenmarkt eröffnet.
Die strukturelle Knappheit am physischen Markt wird immer offensichtlicher. Wegen Arbitragegeschäften und Zollrisiken wurden in den vergangenen Monaten große Mengen Silber aus London nach New York verlagert , ein logistischer Kraftakt, der die Preise kurzfristig nach oben trieb. In London kam es zu Engpässen, die sich in einer seltenen Backwardation zeigten: physisches Silber war teurer als Terminlieferungen. Die Leasingraten stiegen zeitweise auf über 30 Prozent. Diese Entwicklung signalisiert, dass der physische Markt beginnt, den Preis zu diktieren, nicht länger der Futureshandel.
Silber rückt wieder ins Zentrum der Märkte. Die Energiewende treibt die Nachfrage, gleichzeitig wird der physische Markt zunehmend angespannt. Wer versteht, wie Angebotszyklen, Zinspolitik und Industriebedarf zusammenspielen, erkennt entstehende Trends, bevor sie sich in den Kursen zeigen. Genau dieses Wissen vermittelt die axinoacademy, praxisnah, verständlich und getragen von über 35 Jahren Erfahrung im Rohstoffsektor. So wird aus einer Marktbeobachtung ein echter Erkenntnisvorsprung. Jetzt Rabatt sichern
Parallel dazu verändert der technologische Fortschritt die Nachfragestruktur. Die neue Generation von Solarzellen, sogenannte TOPCon-Module, benötigt 40 bis 50 Prozent mehr Silber pro Panel als bisherige Technologien. Bereits über 60 Prozent der neuen Anlagen werden mit diesem Verfahren gebaut. Selbst wenn das Wachstum der Photovoltaikproduktion abflachen sollte, erhöht sich dadurch der Materialverbrauch je Einheit. Hinzu kommt der rapide Ausbau von Batteriespeichern, die Solarstrom erst zur echten Grundlastquelle machen. Da die Kosten für Energiespeicher in den kommenden Jahren deutlich sinken dürften, steigt der Silberbedarf auch hier. Branchenanalysten sprechen deshalb von einem „doppelten Nachfrageeffekt", industrielle Nutzung und Investitionsinteresse verstärken sich gegenseitig.
Bemerkenswert ist, wie stark sich die Haltung der großen Finanzhäuser in kurzer Zeit gewandelt hat. Lange galten sie als skeptisch gegenüber Silber. Doch inzwischen haben nahezu alle großen Institute ihre Prognosen nach oben korrigiert. Diese Zahlen markieren eine bemerkenswerte Trendwende: Noch vor zwei Jahren lagen die meisten Schätzungen zwischen 25 und 30 Dollar.
Die US-Notenbank hat begonnen, die Zinsen zu senken, obwohl die Inflation weiterhin über dem Zielwert liegt. Damit stellt sie Wachstum und Beschäftigung über Preisstabilität, ein Signal, das den Dollar schwächt und reale Sachwerte stärkt. Edelmetalle wie Silber profitieren traditionell von solchen Phasen fallender Realzinsen.
Peter Krauth, Rohstoffanalyst und Autor des Buches „The Great Silver Bull", fasst die Entwicklung prägnant zusammen: „Silber befindet sich zur Halbzeit des Zinssenkungszyklus. In den letzten drei vergleichbaren Phasen stieg der Preis im Schnitt um über 300 Prozent. Wenn sich dieses Muster wiederholt, wären 90 bis 95 Dollar pro Unze durchaus denkbar." Diese Prognosen erscheinen weniger spekulativ als früher, weil Silber heute zwei Welten miteinander verbindet: Es ist sowohl ein Industriemetall als auch ein monetärer Wertspeicher. Die Energiewende sorgt für strukturelle Nachfrage, während das Misstrauen gegenüber Papiergeld die Investmentseite stützt. Zudem verändert sich die Wahrnehmung des Metalls: Immer mehr Investoren betrachten Silber nicht mehr als „Gold mit Hebelwirkung", sondern als eigenständigen Rohstoff mit doppeltem Nutzen - industriell und finanziell.
Die Fakten können für eine Neubewertung sprechen. Wenn die Zentralbanken an lockerer Geldpolitik festhalten, die Energiewende weiter Fahrt aufnimmt und die physischen Reserven angespannt bleiben, könnte Silber in den kommenden Jahren deutlich an Bedeutung gewinnen. Ob der Preis 2026 bei 60, 70 oder gar 90 Dollar liegt, ist offen. Klar ist jedoch: Silber könnte den Sprung aus dem Schatten des Goldes geschafft haben und steht vor seiner wohl wichtigsten Dekade seit einem halben Jahrhundert.
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