Ripple nahm von Beginn an eine Sonderrolle im Krypto-Markt ein. 2012 gegründet – noch vor Ethereum – wollte das Projekt keine Alternative zum bestehenden Finanzsystem sein, sondern eine Brücke zwischen Krypto und traditioneller Zahlungsinfrastruktur schlagen. XRP sollte als Brückenwährung dienen, das XRP Ledger als möglichst schnelle, zuverlässige und ausfallfreie Abwicklungsschicht.
Dafür traf Ripple früh Entscheidungen, die sich bewusst von Bitcoin unterschieden. Kein Mining, ein fixes Token-Angebot, ein Unternehmen als zentraler Akteur. Das sorgt seitdem für wiederkehrende Kritik.
Das betrifft insbesondere die Token-Verteilung. Alle 100 Milliarden XRP wurden 2012 bei der Entstehung des Ledgers erzeugt, rund 80 Milliarden davon gingen an Ripple und die Gründer. Zwar sperrte das Unternehmen ab 2017 etwa 55 Milliarden XRP in Escrow-Verträge mit monatlich begrenzter Freigabe. Doch auch heute kontrolliert Ripple Labs direkt oder indirekt rund 42 Prozent aller XRP und bleibt damit der mit Abstand größte Akteur auf Angebotsseite.
Hinzu kommt eine Konsensarchitektur, in der Ripple die Zügel stets in der Hand hält. Konsens im XRP Ledger beruht nicht auf Kosten oder Marktanreizen, sondern auf der Auswahl „vertrauenswürdiger“ Validatoren. In der Praxis folgt diese weitgehend einer von Ripple gepflegten Liste. Der hohe Zentralisierungsgrad gab schließlich auch der SEC weiteren Anlass, XRP als Wertpapier einzustufen, was einen jahrelangen Rechtsstreit mit Ripple nach sich zog.
Der vorwiegend in sozialen Medien immer wiederkehrende Vorwurf, XRP sei ein Scam, also Betrug, ist jedoch eindeutig falsch. Das XRP Ledger läuft seit über einem Jahrzehnt stabil. Größere Protokollbrüche, nachträgliche Regeländerungen oder versteckte Emissionen hat es nicht gegeben. Kritik an Ripple ist legitim. Der Scam-Vorwurf ist es aber nicht.
Genauso überzogen ist jedoch die gegenteilige Erzählung: Ripple als neues SWIFT, XRP als Rückgrat des globalen Zahlungsverkehrs. Auch das hat mit der Realität nur bedingt zu tun.
Zwar hat Ripple über die Jahre ein beachtliches Netzwerk aus Banken und Zahlungsdienstleistern aufgebaut. Entscheidend ist jedoch, wie diese Partnerschaften tatsächlich aussehen. Einige nutzen nachweislich Ripples On-Demand Liquidity und damit auch XRP. Viele andere setzen Ripple-Technologie jedoch lediglich als Messaging-, Compliance- oder Fiat-Settlement-Layer ein. In nicht wenigen Fällen bleibt es bei Tests und Proof-of-Concepts.
Zudem ist XRP, anders als häufig angenommen, nur eine Art optionales Feature. Viele Institute nutzen Ripple-Technologie, ohne XRP zu halten oder aktiv einzusetzen. In der Praxis taucht XRP somit vor allem dort auf, wo ODL auch wirtschaftlich sinnvoll ist – bei Remittance-Anbietern, spezialisierten Banken und Zahlungsdienstleistern, weniger bei großen Universalbanken mit hochstandardisierten Zahlungsströmen. Von einer tragenden Rolle im globalen Zahlungsverkehr kann daher keine Rede sein.
Nach einem zähen Rechtsstreit mit der SEC, der hart vom Markt abgestraft wurde, hat sich XRP zurück an die Spitze gekämpft. Dabei spielten vielleicht ein paar glückliche Faktoren zusammen, mit einer Marktkapitalisierung von 115 Milliarden US-Dollar steht der “Banken-Coin” jedoch heute stabiler denn je in den vorderen Rängen.
Doch schon im Sommer zeigten sich erste Ermüdungserscheinungen. Seit dem Hoch im Juli ist der Kurs um fast 50 Prozent gefallen – deutlich stärker als bei anderen großen Altcoins. Möglicherweise ein Hinweis darauf, dass der Markt beginnt, XRP nüchterner zu bewerten. Auch vor dem Hintergrund, dass es inzwischen weit mehr Alternativen zu Ripple gibt. Nicht zuletzt durch eine wachsende Stablecoin-Ökonomie – was auch Ripple erkannt hat.

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