Ares Capital Corporation (ARCC), einer der größten Business Development Companies (BDC) am Markt, steht bei manchen institutionellen Investoren wieder auf der Verkaufsliste. Ein ausführlicher Beitrag auf Seeking Alpha beschreibt, warum ein langjähriger Einkommensinvestor seine Position in ARCC teilweise und schließlich vollständig veräußert hat – trotz hoher Dividendenrendite und solider operativer Kennzahlen. Im Zentrum stehen dabei Bewertungsniveaus über dem historischen Schnitt, Bedenken zur Zyklizität sowie eine veränderte Opportunitätenlage im BDC-Segment.
Ausgangslage: Langjährige Erfolgsstory mit BDC-Schwerpunkt
Der Autor des auf Seeking Alpha veröffentlichten Beitrags verwaltet ein auf regelmäßige Erträge ausgerichtetes Portfolio, das stark in BDCs investiert ist. Ares Capital zählte dabei über Jahre hinweg zu den Kernpositionen, da das Unternehmen als qualitativ hochwertiger, diversifizierter Kreditgeber im unteren Mittelstandssegment gilt und historisch durch attraktive Dividenden sowie relativ stabile operative Ergebnisse aufgefallen ist. Die Anlageentscheidung war dabei klar einkommensorientiert und weniger auf kurzfristige Kursgewinne ausgerichtet.
Schrittweiser Ausstieg aus Ares Capital
Im Beitrag wird beschrieben, dass die Portfolio-Position in Ares Capital zunächst nur reduziert wurde. Zuerst erfolgte ein teilweiser Verkauf, als der Kurs sich deutlich von den Tiefständen entfernt hatte und die Bewertung aus Sicht des Investors unattraktiver wurde. Später wurde die verbliebene Restposition komplett abgestoßen. Die Verkäufe erfolgten nicht aus einer generellen Ablehnung des Geschäftsmodells von Ares Capital heraus, sondern weil sich im BDC-Segment Alternativen mit einem aus Sicht des Autors besseren Chance-Risiko-Profil boten.
Bewertung und Risiko-Rendite-Profil im Fokus
Im Zentrum der Verkaufsentscheidung stand die Bewertung von Ares Capital. Der Beitrag auf Seeking Alpha hebt hervor, dass die Aktie sich zeitweise mit einem Aufschlag (Premium) auf den Net Asset Value (NAV) gehandelt hat, der über dem langfristigen Durchschnitt lag. Für einen konservativen Einkommensinvestor verschlechtert sich dadurch das Risiko-Rendite-Profil: Fällt die Marktstimmung oder kommt es zu einer sektorweiten Neubewertung, droht der Rückgang des Kursaufschlags auf den NAV die Gesamtrendite zu schmälern. Zudem wird darauf hingewiesen, dass Ares Capital in einem zyklischen Umfeld operiert: Als Kreditgeber an mittelständische Unternehmen ist die Gesellschaft konjunkturellen Schwankungen, Kreditausfällen und Veränderungen der Zinsstruktur in besonderem Maße ausgesetzt.
Vergleich mit anderen BDC-Investments
In dem Seeking-Alpha-Artikel wird Ares Capital explizit nicht als schlechtes Unternehmen bezeichnet. Vielmehr wird die Aktie als qualitativ solide, gut geführte BDC dargestellt, die in der Vergangenheit zuverlässig Einkommen geliefert hat. Dennoch kam es zum Switch in andere BDCs, die aus Sicht des Investors eine höhere Margin of Safety boten. Genannt werden Alternativen im BDC-Bereich, bei denen das Verhältnis von Kurs zum NAV, die Ausschüttungsstruktur oder die Portfoliostruktur als attraktiver beurteilt wurden als bei Ares Capital zum Zeitpunkt der Transaktion. Auch das Zinsumfeld und die Möglichkeit, in höher rentierende, aber ähnlich strukturierte Vehikel umzuschichten, spielten bei dieser relativen Bewertung eine Rolle.
Dividendenpolitik und Nachhaltigkeit der Ausschüttung
Ein weiterer Aspekt des Artikels auf Seeking Alpha betrifft die Dividendenpolitik von Ares Capital. Die Aktie ist traditionell ein Ertragswert mit im Branchenvergleich überdurchschnittlicher laufender Ausschüttung. Der Autor des Beitrags prüft, ob die Dividenden durch die Net Investment Income (NII) ausreichend gedeckt erscheinen und wie sensitiv diese Erträge auf Konjunkturabschwächungen, Ausfälle im Kreditportfolio oder ein sich veränderndes Zinsumfeld reagieren könnten. Die Zweifel richten sich dabei weniger auf eine unmittelbar bevorstehende Kürzung, sondern auf die Frage, ob sich das aktuelle Renditeniveau bei einer bereits anspruchsvollen Bewertung ausreichend kompensierend für das eingegangene Risiko darstellt.
Makroumfeld und Zinsentwicklung als Treiber
Der Beitrag bettet die Entscheidung, Ares Capital zu verkaufen, in das makroökonomische Umfeld ein. Steigende oder hohe Zinsen können BDCs zwar einerseits über höhere Kreditmargen stützen, erhöhen aber andererseits den Druck auf die Portfoliounternehmen und damit das Ausfallrisiko. Hinzu kommen rezessive Tendenzen und die Möglichkeit, dass sich Kreditbedingungen verschärfen. Für Ares Capital bedeutet dies, dass der Spielraum für weitere Wertsteigerungen bei einer schon erhöhten Bewertung begrenzt erscheint, während das Risiko höherer Abschreibungen oder Bewertungsanpassungen im Portfolio bleibt. Diese Asymmetrie zwischen begrenztem Upside und potenziellem Downside war ein Kernargument für den Ausstieg.
Portfolio-Management und Opportunitätskosten
Ein zentrales Motiv im Beitrag auf Seeking Alpha ist das aktive Portfolio-Management. Der Investor betrachtet jede Position, auch langjährige Kernbeteiligungen wie Ares Capital, unter Opportunitätsgesichtspunkten. Steigen Kurse und Bewertungen deutlich, verringert sich die künftige erwartete Rendite relativ zu anderen Anlagen. Durch das Umschichten des Kapitals aus Ares Capital in andere BDCs mit aus seiner Sicht attraktiveren Bewertungen und Renditeaussichten sollen die Gesamterträge und die Sicherheitsmarge des Portfolios verbessert werden. Die Verkaufsentscheidung ist somit weniger ein Misstrauensvotum gegen Ares Capital als vielmehr eine Reaktion auf veränderte Marktpreise und relative Attraktivität innerhalb des Sektors.
Fazit: Mögliche Handlungsoptionen für konservative Anleger
Für konservative Anleger ergibt sich aus der in Seeking Alpha geschilderten Vorgehensweise vor allem ein Hinweis auf die Bedeutung von Bewertung und Disziplin. Wer Ares Capital bereits im Depot hält und langfristig auf stabile Erträge setzt, muss aus dieser Analyse nicht zwingend sofort handeln. Sinnvoll ist jedoch, die Bewertung im Verhältnis zum NAV, die Entwicklung des Net Investment Income und die Kreditqualität im Portfolio eng zu verfolgen. Liegt ein deutlicher Bewertungsaufschlag vor und erscheinen alternative BDCs oder vergleichbare Einkommenswerte mit höherer Sicherheitsmarge verfügbar, kann eine schrittweise Reduktion der Position und eine rebalancierte Umschichtung in günstigere Titel erwogen werden. Anleger, die noch nicht investiert sind, sollten vor einem Einstieg prüfen, ob Rendite, Bewertung und Risikoprofil von Ares Capital im aktuellen Zyklus mit ihren konservativen Anlagezielen kompatibel sind – und gegebenenfalls auf attraktivere Einstiegsniveaus oder Alternativen im BDC-Segment warten.