Nicolas Fuchs Nicolas Fuchs
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Nicolas ist seit 2016 Redakteur bei ARIVA.DE. Seine Expertise in der technischen Analyse und sein Engagement für genaue Prognosen machen ihn zu einer wertvollen Ressource für die Community, die auf aussagekräftige News angewiesen ist.

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VW setzt auf Rivian-Software – Porsche steigt in die Rüstungsindustrie ein

Der Volkswagen-Konzern treibt seine technologische Neuaufstellung mit der Softwareplattform des US-Elektroautoherstellers Rivian voran. Gleichzeitig investiert die Eigentümerholding Porsche SE erstmals gezielt in die europäische Rüstungsindustrie – ein Zeichen für die strategische Neuausrichtung rund um den VW-Konzern.
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Strategische Verschiebung im Volkswagen-Konzern

Der Volkswagen-Konzern steht derzeit an mehreren strategischen Fronten gleichzeitig unter Druck. Neben der kostspieligen Transformation zur Elektromobilität und einer zunehmend komplexen Softwareentwicklung zwingt auch das schwächere operative Geschäft zu neuen Prioritäten.

In diesem Umfeld sorgt nun ein Schritt der Eigentümerholding Porsche SE für Aufmerksamkeit: Die Gesellschaft beteiligt sich mit 100 Millionen Euro am neu aufgelegten DTCP Defense Fund, der gezielt in europäische Verteidigungs- und Sicherheitstechnologie investiert.

Damit fließt erstmals Kapital aus dem Umfeld des Volkswagen-Konzerns in größerem Umfang in den Verteidigungssektor. Zwar erfolgt die Investition formal über die Holding, doch wirtschaftlich ist sie eng mit Volkswagen verbunden: Die Porsche SE hält die Mehrheit der Stimmrechte an Volkswagen und ist damit das zentrale Machtzentrum des Konzerns.

Vorstandschef Hans Dieter Pötsch sprach von „erheblichem Wachstumspotenzial“ im Verteidigungsbereich. Angesichts steigender Militärbudgets in Europa und wachsender Nachfrage nach sicherheitsrelevanter Technologie erscheinen entsprechende Investments derzeit für viele Industriekonzerne attraktiv.

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Faktisch zeigt sich hier eine Entwicklung, die derzeit häufiger zu beobachten ist: Wenn das Kerngeschäft schwächer läuft, sucht Kapital neue Wachstumsfelder.

Schwache Ergebnisse bei VW und Porsche

Der Hintergrund dieser strategischen Erweiterung liegt in der operativen Entwicklung der wichtigsten Autobeteiligungen.

Bei Volkswagen hat sich der operative Gewinn zuletzt nahezu halbiert. Gleichzeitig steht der Konzern vor mehreren strukturellen Herausforderungen:

  • hohe Investitionen in Elektromobilität

  • steigende Entwicklungskosten für Softwareplattformen

  • zunehmender Preisdruck im globalen Automarkt

  • schwächere Nachfrage im wichtigen chinesischen Markt

Auch die Porsche AG, lange Zeit einer der profitabelsten Autobauer weltweit, verzeichnete zuletzt eine deutliche Ergebnisverschlechterung. Abschreibungen sowie ein Rückgang der Verkaufszahlen drückten die Profitabilität deutlich.

Diese Entwicklung wirkt sich direkt auf die Eigentümerholding aus.

Das bereinigte Konzernergebnis der Porsche SE sank 2025 um rund neun Prozent auf 2,9 Milliarden Euro. Analysten hatten nach mehreren Prognosesenkungen sogar lediglich etwa 2,3 Milliarden Euro erwartet.

Das Nettoergebnis lag bei 2,7 Milliarden Euro. Im Jahr zuvor hatte eine massive Neubewertung der Beteiligungen an Volkswagen und Porsche einen bilanziellen Verlust von rund 20 Milliarden Euro ausgelöst, welcher allerdings überwiegend nicht zahlungswirksam gewesen ist. 

Börse reagiert skeptisch

Die Börse reagierte entsprechend vorsichtig auf die neuen Zahlen.

Die Aktie der Porsche SE verlor nach Veröffentlichung der Ergebnisse rund drei Prozent. Seit Ende 2025 hat das Papier sogar etwa 25 Prozent an Wert eingebüßt.

Damit spiegelt die Kursentwicklung ein grundlegendes Problem wider, das derzeit viele europäische Autobauer betrifft: Investoren zweifeln zunehmend daran, wie schnell sich die massiven Investitionen in Elektromobilität und Software tatsächlich rentieren werden.

Gerade beim Volkswagen-Konzern kommt eine zusätzliche Herausforderung hinzu: die enorme strukturelle Komplexität. Mit Marken wie VW, Audi, Porsche, Skoda, Seat, Cupra, Bentley, Lamborghini, MAN und Scania gehört das Unternehmen zu den organisatorisch vielschichtigsten Industriekonzernen der Welt.

Druck auf das VW-Management wächst

Vor diesem Hintergrund erhöht Porsche-SE-Chef Hans Dieter Pötsch nun den Druck auf das operative Management.

Seine Botschaft an VW-Chef Oliver Blume und den neuen Porsche-CEO Michael Leiters ist eindeutig: Die aktuelle Situation müsse als Chance genutzt werden, um tiefgreifende strukturelle Veränderungen umzusetzen.

Pötsch fordert insbesondere:

  • höhere Profitabilität

  • bessere Kapitaleffizienz

  • eine deutliche Vereinfachung der Konzernstruktur

Der Volkswagen-Konzern habe zu viele Tochtergesellschaften und Randaktivitäten. Verkäufe einzelner Bereiche könnten daher sinnvoll sein.

Weniger Dividende für die Eigentümerfamilien

Die schwächere Entwicklung macht sich auch bei der Ausschüttung bemerkbar.

Die Dividende der Porsche SE für das Geschäftsjahr 2025 wird reduziert:

  • 1,504 Euro je Stammaktie (Vorjahr: 1,904 Euro)

  • 1,51 Euro je Vorzugsaktie (Vorjahr: 1,91 Euro)

Damit sinkt die Ausschüttung an die Familien Porsche und Piëch von 291 Millionen Euro auf rund 230 Millionen Euro.

Analysten hatten ursprünglich mit einer höheren Dividende gerechnet. Dass die Ausschüttung dennoch gekürzt wird, deutet darauf hin, dass die Holding bewusst Kapital für neue Investitionen zurückhält.

Langfristig strebt Porsche SE sogar eine dritte große Kernbeteiligung neben Volkswagen und Porsche an.

Technologie-Beteiligungen gewinnen an Bedeutung

Parallel zum klassischen Automobilgeschäft baut die Holding seit einigen Jahren ein Portfolio aus Technologieunternehmen auf.

Diese Beteiligungen entwickelten sich zuletzt überraschend positiv. Im Jahr 2025 steuerten sie insgesamt 193 Millionen Euro zum Ergebnis bei.

Besonders hervor stach der Drohnenhersteller Quantum Systems, dessen Technologie sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden kann. Das Unternehmen lieferte allein 114 Millionen Euro Ergebnisbeitrag.

Insgesamt haben mittlerweile sechs Beteiligungen den sogenannten Einhorn-Status erreicht, also eine Bewertung von mindestens einer Milliarde Euro.

Für eine Holding mit traditionell starkem Fokus auf den Automobilsektor ist diese Entwicklung bemerkenswert und erklärt auch das zunehmende Interesse an Verteidigungstechnologie.

Rivian-Software soll den Konzern technologisch modernisieren

Parallel zu diesen finanziellen und strategischen Verschiebungen treibt Volkswagen seine technologische Transformation voran.

Eine zentrale Rolle spielt dabei das Joint Venture RV Tech, das Volkswagen gemeinsam mit dem US-Elektroautohersteller Rivian gegründet hat.

Die neue Softwareplattform für sogenannte softwaredefinierte Fahrzeuge hat kürzlich einen wichtigen Meilenstein erreicht: In Arjeplog in Nordschweden wurden Wintertests erfolgreich abgeschlossen.

Sechs Wochen lang testeten Ingenieure unter extremen Bedingungen drei Fahrzeuge:

  • den VW ID.Everyone

  • einen elektrischen Audi Q7

  • ein Modell der US-Marke Scout

Ein wichtiger Bestandteil der Tests war die Fähigkeit der Fahrzeuge, Over-the-Air-Updates zu empfangen – also Softwareaktualisierungen per Funk.

Volkswagen hat bisher 3,3 Milliarden Dollar (Dollarkurs) in Rivian investiert. Nach Abschluss der Wintertests wird eine weitere Milliarde fällig. Bis 2028 könnten insgesamt rund 5,8 Milliarden Dollar in das Softwareprojekt fließen.

Interne Kritik im Konzern

Innerhalb des Volkswagen-Konzerns ist die Zusammenarbeit mit Rivian jedoch nicht unumstritten.

Vor allem aus der bisherigen Softwareeinheit Cariad gab es Kritik. Einige Manager zweifeln daran, dass das Joint Venture schneller oder effizienter arbeiten kann als die bisherigen Strukturen.

Die Führung von RV Tech weist diese Kritik zurück. Neue Technologien und Entwicklungsprozesse würden zwangsläufig bestehende Strukturen infrage stellen und damit auch Widerstände auslösen.

Tatsächlich stammt bislang noch nicht die gesamte Software der Testfahrzeuge aus dem Joint Venture. Teile der Fahrdynamikregelung sowie Fahrerassistenzsysteme kommen weiterhin von Cariad und Partnern wie Bosch.

Langfristig soll jedoch eine einheitliche Softwareplattform entstehen, die mehrere Marken und Modelle gleichzeitig unterstützt.

ID.Everyone als erstes Rivian-Softwaremodell

Das erste Serienfahrzeug mit der neuen Softwarearchitektur wird der Volkswagen ID.Everyone sein.

Das Modell soll ein Elektroauto im unteren Preissegment werden, gleichzeitig aber ein überraschend umfangreiches Technologiepaket bieten.

Danach sollen weitere Fahrzeuge folgen, darunter ein elektrischer Audi Q7 sowie Modelle der neuen Marke Scout.

Interessant ist zudem, dass die Plattform grundsätzlich auch Verbrennungsmotoren und Plug-in-Hybride unterstützen könnte. Angesichts der derzeit schwächeren Nachfrage nach Elektroautos bleibt diese Option im Konzern ein strategisch relevantes Thema.

Ein Konzern im Umbruch

Die aktuellen Entwicklungen zeigen deutlich, wie stark sich der Volkswagen-Konzern derzeit verändert.

Einerseits versucht das Unternehmen, mit der Rivian-Softwarearchitektur technologisch aufzuschließen und die eigenen Entwicklungsprozesse zu modernisieren. Andererseits sucht die Eigentümerstruktur rund um Porsche SE nach neuen Renditequellen außerhalb des traditionellen Automobilgeschäfts.

Trotz aller neuen Investitionen bleibt jedoch eine zentrale Realität bestehen. Der wirtschaftliche Erfolg der Porsche SE und damit auch der Eigentümerfamilien hängt weiterhin maßgeblich davon ab, ob Volkswagen und Porsche ihre Profitabilität in den kommenden Jahren wieder stabilisieren können. Ob es sich bei den aufgezeigten Maßnahmen eher um verzweifelte Versuche oder um strategische versierte Transformations-investitionen handelt wird sich zeigen. 
 


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