Volkswagen kappt Umsatzprognose: 50.000 Jobs auf der Kippe

Nicolas Fuchs Nicolas Fuchs
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Nicolas ist seit 2016 Redakteur bei ARIVA.DE. Seine Expertise in der technischen Analyse und sein Engagement für genaue Prognosen machen ihn zu einer wertvollen Ressource für die Community, die auf aussagekräftige News angewiesen ist.

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Volkswagen streicht seine Wachstumsprognose und rechnet für 2026 nun mit sinkenden Erlösen. Der Wolfsburger Autobauer nennt erstmals konkrete Zielgrößen für sein tiefgreifendes Sparprogramm. Zwischen China-Druck und US-Zöllen sind bis zu 50.000 Jobs gefährdet.
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Die Ertragskrise bei Volkswagen verschärft sich mitten in den Verhandlungen über ein neues Sparpaket. Europas größter Autobauer hat nach einem schwachen ersten Halbjahr seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2026 gesenkt. Statt des ursprünglich erwarteten Wachstums von bis zu drei Prozent rechnet der Konzern nun mit einem Rückgang der Erlöse in ähnlicher Größenordnung. An der Gewinnprognose hält das Unternehmen dagegen fest.

Zahlen zum ersten Halbjahr

Der operative Gewinn des Konzerns gab im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp zwölf Prozent nach, der Gewinn nach Steuern sank sogar um mehr als 30 Prozent. In den ersten sechs Monaten erwirtschaftete Volkswagen einen Umsatz von 158,1 Milliarden Euro bei einem operativen Ergebnis von 5,93 Milliarden Euro. Die Konzernmarge sank damit auf 3,8 Prozent – den niedrigsten Stand seit dem Corona-Einbruch 2020.

Im zweiten Quartal allein lag das operative Ergebnis bei 3,5 Milliarden Euro und damit rund zehn Prozent unter dem Vorjahreswert. Analysten hatten laut einem LSEG-Konsens im Schnitt mit 4,3 Milliarden Euro gerechnet. Der Zielkorridor für die Marge liegt für 2026 weiterhin zwischen vier und 5,5 Prozent, langfristig soll der Konzern laut Vorstandschef Oliver Blume allerdings auf acht bis zehn Prozent Rendite kommen. Die Volkswagen-Aktie reagierte mit Kursverlusten von bis zu drei Prozent und notiert nun seit Jahresbeginn rund 30 Prozent im Minus.

Werte aus dem Artikel:
Porsche Vz Aktie 43,61 € -0,30%
Traton Aktie 39,86 € +0,66%
VW Aktie 71,72 € +0,36%

Sparprogramm mit erstmals konkreten Zielgrößen

Kern der Neuausrichtung ist ein tiefgreifender Umbau der Kostenbasis. Aus einer Investorenpräsentation geht hervor, dass die Sachgemeinkosten bis Ende des Jahrzehnts um weitere elf Milliarden Euro sinken sollen, um mit dem internationalen Wettbewerb Schritt zu halten. Nach Konzernangaben entspricht das rechnerisch dem Abbau von etwa 50.000 Arbeitsplätzen im indirekten Bereich. In US-Medienberichten war zuletzt sogar von bis zu 100.000 betroffenen Stellen die Rede.

Zusätzlich stehen vier deutsche Werke auf dem Prüfstand: Hannover, Zwickau, Emden sowie das Audi-Werk Neckarsulm. Für diese Standorte konnte laut Unternehmensangaben bislang keine alternative Auslastung bestätigt werden. Ein 2024 mit den Gewerkschaften geschlossener Tarifvertrag schließt betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland allerdings bis Ende 2030 aus. Blume kündigte an, das Sparprogramm noch in diesem Jahr im Aufsichtsrat final beschließen zu wollen.

Belastungsfaktoren: China, US-Zölle, Sondereffekte

Das Halbjahresergebnis wurde vor allem durch den anhaltenden Preiskampf in China, die Folgen der US-Zölle sowie Sondereffekte von rund 900 Millionen Euro belastet. Darunter fallen etwa 500 Millionen Euro für das Auslaufen der ID.4-Produktion im US-Werk Chattanooga, Restrukturierungskosten insbesondere bei der Kernmarkengruppe, bei Porsche und Traton sowie rund 100 Millionen Euro für das Ende der Kooperation mit Bosch beim automatisierten Fahren.

Finanzchef Arno Antlitz bezeichnete die aktuelle Marge von rund vier Prozent als "Weckruf": Der Konzern müsse einen zweiten Schritt der Restrukturierung einleiten. Auf die Frage, ob VW Werkskapazitäten an die Rüstungsindustrie auslagern könnte, um Schließungen zu vermeiden, verwies Antlitz auf verschiedene Optionen, betonte aber, weder Stellenabbau noch Werksschließungen seien Selbstzweck. Priorität habe die Steigerung der Kapazitätsauslastung.

Lichtblicke: Cashflow, Auftragseingänge und Markenperformance

Trotz der schwachen Gesamtbilanz gibt es auch positive Signale. Der Konzern weist einen soliden Cashflow von 3,2 Milliarden Euro sowie wachsende Auftragseingänge in Europa aus. Allein für die neue Electric Urban Car Family, zu der der elektrische Polo zählt, gingen bereits mehr als 70.000 Bestellungen ein.

Alle Markengruppen konnten ihr operatives Ergebnis steigern. In der Kernmarkengruppe trugen Skoda mit einer Marge von 8,5 Prozent sowie das Komponentengeschäft mit 7,1 Prozent maßgeblich bei. Die Kernmarke Volkswagen selbst bleibt mit 2,4 Prozent Rendite hinter den eigenen Zielen zurück. Porsche steigerte das operative Ergebnis um rund 45 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro und erreichte wieder eine Marge von acht Prozent. Auch die Progressive-Markengruppe um Audi verbesserte ihre Profitabilität. Belastend wirkte dagegen Traton, dessen operatives Ergebnis um knapp ein Viertel zurückging.

Ausblick

Blume sprach von einem "beispiellosen Risikoszenario" für die Branche: geopolitische Krisen, Handelskonflikte, hohe regulatorische Anforderungen, volatile Märkte und verschärfter Wettbewerb prägten das Umfeld. Gleichzeitig gehe Volkswagen die nächste Transformationsphase "aus einer Position der Stärke" an. Antlitz verwies zudem auf die schnell wachsende Zahl chinesischer Autoexporte nach Europa und den Aufstieg des chinesischen Premiumsegments als strukturelle Belastungsfaktoren für die Marge.
Aktuell stuft die Mehrheit der Analysten die Aktie auf "halten" ein. 


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