
Eine Betrachtung der Marktgröße nach Anlageklassen zeigt, wie stark sich das Wachstum seit 2024 beschleunigt hat. US-Staatsanleihen dominieren den Markt mit gut 15 Milliarden US-Dollar und machen damit rund die Hälfte des Gesamtwerts aus. Dahinter folgen Rohstoffe mit 5,25 Milliarden US-Dollar. Auch besicherte Kreditprodukte, spezialisierte Finanzierungen und Staatsanleihen außerhalb der USA liegen inzwischen jeweils deutlich über der Marke von 1 Milliarde US-Dollar. Im Gegensatz zu vielen früheren Tokenisierungsnarrativen geht heute um einen Markt, der erstmals sichtbare Größenordnung erreicht.
Noch interessanter als die reine Marktgröße ist aber die Zusammensetzung des Wachstums. Laut Chainalysis skalieren institutionell geprägte RWA-Kategorien deutlich schneller als Retail-nahe Segmente. Besicherte Kreditprodukte erreichten die Marke von 1 Milliarde US-Dollar demnach in nur 6,1 Monaten. Spezialisierte Finanzierungen brauchten 21,5 Monate. Rohstoffe kamen erst nach 36,2 Monaten auf diese Größenordnung.

Tokenisierte Aktien haben am 21. April 2026 erstmals die Marke von 1 Milliarde US-Dollar überschritten und lagen zwei Tage später bereits bei rund 1,15 Milliarden US-Dollar. Das zeigt, wie schnell sich der Markt derzeit verändert. Der größte Schub kommt aber weiterhin aus Segmenten, die für professionelle Investoren bei Besicherung, Settlement und Kapitalmarktzugang besonders nützlich sind. Chainalysis beschreibt RWAs deshalb als praktischen Distributionskanal für Kapitalmarktprodukte.
Ein zweiter Befund aus den Chainalysis-Daten ist mindestens genauso aufschlussreich. RWAs werden offenbar selbst zu einem Onboarding-Kanal für neue Marktteilnehmer. Die Analyse umfasst fast 400.000 Wallets mit RWA-Bestand und zeigt auf Ethereum einen starken Anstieg neuer Adressen, die speziell für den Erhalt tokenisierter Assets angelegt wurden. Vor allem in institutionellen Kategorien wie spezialisierten Finanzierungen oder besicherten Kreditprodukten stammen viele Wallets aus solchen neuen, zweckgebundenen Strukturen.

Dadurch wird ein gängiges Muster im Krypto-Markt auf den Kopf gestellt. Bisher galt oft, dass Nutzer erst über Bitcoin, Ethereum oder Stablecoins auf die Blockchain kommen und sich später mit tokenisierten Kapitalmarktprodukten beschäftigen. Im RWA-Sektor scheint sich dieses Verhältnis teilweise umzukehren. Hier kommen neue Adressen direkt wegen solcher Produkte onchain. Für institutionelle Anbieter ist das ein starkes Signal, weil die Blockchain damit selbst zum Einstiegspunkt für regulierte Kapitalmarktprodukte wird. Im Retail-Bereich zeigt sich ein gemischteres Bild, weil dort stärker bereits bestehende Krypto-Wallets aktiv sind.
Wie praxisnah das Thema inzwischen geworden ist, unterstreicht ein aktuelles Beispiel aus dem Chainlink-Ökosystem. Bridgetower hat angekündigt, ein Kupfer-Gold-Projekt in Arizona mit einem Volumen von mehr als 11 Milliarden US-Dollar mithilfe von Chainlink zu tokenisieren. Laut Mitteilung nutzt Bridgetower eine komplette Infrastruktur aus Interoperabilität, Reserveprüfung, Bewertungsdaten und Compliance-Logik. Zugleich spricht das Unternehmen von einer Projektpipeline von mehr als 25 Milliarden US-Dollar in den Bereichen Rohstoffe, Energie und Metalle.
Chainlink erscheint hier nicht als klassisches Krypto-Projekt, sondern als Teil der Infrastruktur, die Tokenisierung von RWAs auf institutionellem Niveau überhaupt möglich macht. Und der Bridgetower-Fall zeigt exemplarisch, wie stark sich Tokenisierung 2026 vom Pilotprojekt in Richtung produktionsreifer Kapitalmarktinfrastruktur verschiebt.
Der Markt bleibt dennoch jung, in Teilen illiquide und stark von regulatorischen Rahmenbedingungen und dem Krypto-Marktzyklus abhängig. Die Daten deuten zumindest darauf hin, dass RWAs aktuell zu den wenigen Onchain-Segmenten gehören, in denen reale Referenzwerte, institutionelles Kapital und praktische Nutzung zusammenkommen. Wenn die Blockchain in den kommenden Jahren tatsächlich stärker zur Infrastruktur klassischer Finanzmärkte wird, dann dürfte hier einer der wichtigsten Schauplätze liegen.

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