Eine Betrachtung der Ölpreisentwicklung zeigt laut Hayes, dass die Lage zwar angespannt sei, man aber nicht von einer kompletten Eskalation sprechen könne. Ohnehin hält er für deutlich relevanter, dass sich Bitcoin seit dem Beginn des Iran-Krieges vom Tech-Sektor entkoppelte und besser performte als klassische Risikoassets. “Bitcoin konzentriert sich jetzt auf die Kriegsinflation”, erklärt der Krypto-Milliardär. Der Markt würde inzwischen realisieren, dass Kriegswirtschaft vor allem eines bedeutet: steigende Staatsausgaben und neue Schulden, die finanziert werden müssen.
Im Mittelpunkt seiner Analyse stehen die Rolle der US-Notenbank (Fed) und des Bankensystems, die Hayes zufolge von vielen Marktteilnehmern noch missverstanden werden. Die Debatte um einen restriktiveren Fed-Kurs hält er für überzogen, da die tatsächlichen Mechanismen komplexer seien, als es die öffentliche Wahrnehmung vermuten lässt. “Der Nettoeffekt ist gleich null”, meint der BitMEX-Co-Founder etwa mit Blick auf mögliche Bilanzverkürzungen. Zwar könne die Fed ihre Bestände formal reduzieren, doch werde dies durch Umschichtungen innerhalb des Finanzsystems kompensiert, sodass sich an der realen Liquidität wenig ändere. Für Bitcoin-Anleger bleibe daher ausschlaggebend, wie viel Geld am Ende tatsächlich im Umlauf ist.

Deutlich größere Auswirkungen erwartet Hayes von den Kreditvergaben, die vor einem strukturellen Aufschwung stehen könnten. Neue regulatorische Rahmenbedingungen ermöglichen es US-Banken, ihre Bilanzen stärker auszuweiten, während die geopolitische Lage zusätzliche Nachfrage nach Kapital erzeugt. “Der Kredit muss fließen”, erklärt der Krypto-Veteran nüchtern. Vor allem die wachsende Kriegswirtschaft dürfte als Katalysator wirken, weil Staaten enorme Mittel in Rüstung und strategische Industrien lenken.
Banken wiederum reagieren auf diese Entwicklung, indem sie verstärkt Kredite an Unternehmen vergeben, die von staatlichen Aufträgen profitieren, was einen Multiplikatoreffekt erzeugt. Darüber hinaus gelten Investitionen in Künstliche Intelligenz als immer sicherheitsrelevanter und könnten somit ebenfalls leichter finanziert werden, wodurch sich ein Umfeld ergibt, in dem die Geldmenge spürbar wächst.

Am Ende läuft es auf eine Schlussfolgerung hinaus, für die Hayes seit Jahren bekannt ist: Wenn Schulden steigen, Kredite ausgeweitet werden und Staaten ihre Ausgaben massiv erhöhen, werden knappe Assets profitieren. Bitcoin sei besonders dafür prädestiniert, weshalb seine Prognose entsprechend bullish ausfällt: “Jetzt ist es Zeit auszubrechen, und deshalb glaube ich, dass Bitcoin weiter steigen wird. Mein Jahresendziel liegt bei etwa 125.000 US-Dollar.”
Allerdings gilt es zu beachten, dass der Krypto-Milliardär mit seinen Prognosen und Trades in der Vergangenheit nicht immer richtig lag, weshalb Anleger seine Einschätzungen trotz überzeugender makroökonomischer Argumente mit der nötigen Vorsicht betrachten sollten. Er selbst gab kürzlich an, rund 90 Prozent seines Vermögens in Bitcoin zu halten.
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