- Tesla hat in Grünheide 1.712 Arbeitsplätze abgebaut.
- Die Belegschaft sank von 12.415 auf 10.703 Personen.
- Die Produktionszahlen für 2025 dürften unter 300.000 liegen.
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Nicolas Fuchs
Nicolas Fuchs Der US-Elektroautobauer Tesla hat an seinem einzigen europäischen Produktionsstandort im brandenburgischen Grünheide offenbar deutlich mehr Stellen abgebaut als öffentlich angekündigt. Nach Informationen des Wahlvorstands im Tesla-Betriebsrat ist die Belegschaft seit den letzten Betriebsratswahlen 2024 von 12.415 auf 10.703 Personen gesunken. Das entspricht einem Rückgang um 13,8 Prozent und einem Verlust von 1.712 Arbeitsplätzen.
Diese Zahlen, die aus einer offiziellen Einladung zu den anstehenden Betriebsratswahlen im März 2026 stammen, widersprechen der bisherigen Darstellung des Unternehmens. Noch im Frühjahr 2024 hatte Tesla-Gründer Elon Musk weltweit einen Personalabbau von „mehr als zehn Prozent“ angekündigt, wobei der Eindruck erweckt wurde, das Werk in Grünheide werde davon kaum betroffen sein. Die Werksleitung vor Ort sprach lediglich von einer Reduktion in begrenztem Umfang, unter anderem durch auslaufende Leiharbeitsverträge und ein Freiwilligenprogramm.
Im April 2024 erklärte Werksleiter André Thierig öffentlich, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen oder Massenentlassungen geben werde. Brandenburgs damaliger Wirtschaftsminister Jörg Steinbach begrüßte diese Aussage: Die Reduktion von nur rund drei Prozent der Belegschaft sei ein „Abbau mit Augenmaß“. Die aktuellen Zahlen zeigen jedoch, dass der tatsächliche Rückgang fast fünfmal so hoch ausgefallen ist.
Selbst im März 2025 äußerte sich Werksleiter Thierig optimistisch. Im Gespräch mit dem Tagesspiegel versicherte er, es gebe keinerlei Planungen für Produktionsstillstände, Personalabbau oder Kurzarbeit. Zu diesem Zeitpunkt war der Rückgang bei den Neuzulassungen von Tesla-Fahrzeugen in Deutschland jedoch bereits deutlich spürbar. Laut Kraftfahrt-Bundesamt lagen die Zulassungen in den ersten drei Quartalen 2025 rund 50 Prozent unter dem Vorjahreswert – ein deutliches Zeichen sinkender Nachfrage.
| Strategie | Hebel | |||
| Steigender Kurs |
Call
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5
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10
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20
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| Fallender Kurs |
Put
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5
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10
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20
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Das einstige Vorzeigemodell Model Y, 2022 noch das meistverkaufte Elektroauto in Deutschland, verlor massiv an Marktanteilen. Tesla reagierte unter anderem mit Preissenkungen, konnte damit jedoch nicht an frühere Verkaufserfolge anknüpfen. Das Werk Grünheide, das ursprünglich auf eine Jahreskapazität von bis zu 500.000 Fahrzeugen ausgelegt war, fährt seit Mitte 2025 die Produktion zurück. Die genaue Produktionsmenge im Gesamtjahr 2025 liegt laut öffentlich zugänglichen Daten vermutlich deutlich unter 300.000 Einheiten. Offizielle Zahlen dazu sind von Tesla bisher nicht veröffentlicht worden.
Trotz dieser Entwicklungen hielt sich das Management mit konkreten Stellungnahmen zur Personalpolitik zurück. Auf eine Anfrage des Handelsblatts reagierte die Werksleitung bislang nicht. Auch auf Nachfrage bei einer Talkshow der Märkischen Oderzeitung im Dezember 2025 wich Werksleiter Thierig einer klaren Prognose zur zukünftigen Mitarbeiterzahl aus und erklärte lediglich, derzeit seien „um die 11.000“ Personen in Grünheide beschäftigt.

Obwohl die Beschäftigtenzahl deutlich zurückgegangen ist, hielt Brandenburgs Ex-Wirtschaftsminister Jörg Steinbach auch nach seinem Ausscheiden aus dem Amt öffentlich an seiner Unterstützung für den Standort fest. Im Rahmen einer Tesla-Veranstaltung im Sommer 2025 sprach er von einer „Oase“, in der die Belegschaft arbeite, und forderte die Beschäftigten zur Dankbarkeit gegenüber Vorgesetzten und Unternehmensführung auf. Dies stieß intern wie extern auf geteilte Reaktionen.
Kritik kommt auch aus Gewerkschaftskreisen. Die IG Metall, die wiederholt versucht hatte, bei Tesla Fuß zu fassen, sieht sich durch den Stellenabbau und die widersprüchliche Kommunikation bestätigt. Teslas Management hingegen verweist auf die Unabhängigkeit vom Tarifvertragssystem und propagiert eine „andere Kultur“, die sich von der übrigen Automobilindustrie abhebe.
Besonders deutlich zeigte sich diese Haltung bei wiederholten öffentlichen Aussagen von Werksleiter Thierig. Im Herbst 2025 griff er die IG-Metall-Chefin Christiane Benner scharf an, nachdem diese Tarifverträge als Motor für Stabilität und Erfolg in der Branche bezeichnet hatte. Thierig konterte mit dem Hinweis, dass in tarifgebundenen Unternehmen Stellen gestrichen würden, während Tesla angeblich weiterhin auf Wachstumskurs sei. Zu diesem Zeitpunkt war der Personalabbau in Grünheide allerdings bereits in vollem Gange.
Diese Diskrepanz zwischen öffentlicher Darstellung und interner Realität wirft Fragen zur Unternehmenskommunikation auf. Thierig selbst kritisierte Ende 2025 eine vermeintliche „Lücke zwischen öffentlicher Wahrnehmung und tatsächlicher Lage“ und forderte, man solle „nicht mehr lügen“. Die Realität zeigt jedoch, dass zentrale Aussagen zur Arbeitsplatzsicherheit nicht der tatsächlichen Entwicklung entsprachen.
Die Tesla-Gigafactory Berlin-Brandenburg bleibt trotz des Stellenabbaus einer der größten industriellen Arbeitgeber der Region. Die Produktionskapazitäten und das Potenzial zur Weiterentwicklung wie etwa durch neue Modelle oder Batteriespeicherlösungen bestehen weiterhin. Dennoch steht der Standort unter zunehmendem Druck: Absatzschwäche, Konkurrenzdruck durch chinesische Hersteller und technologische Herausforderungen beim autonomen Fahren sind nur einige der Faktoren, die das Wachstum hemmen.
Eine zentrale Herausforderung bleibt die Einbindung der Belegschaft in die langfristige Strategie. Der wiederholte Ausschluss von Tarifverträgen, die ablehnende Haltung gegenüber Gewerkschaften sowie die widersprüchliche Kommunikation könnten mittelfristig die Mitarbeiterbindung schwächen. In einem Marktumfeld, in dem qualifizierte Fachkräfte zunehmend knapp werden, wäre dies ein strategischer Nachteil.
Für 2026 hatte das Unternehmen eine Erhöhung der Produktionszahlen angekündigt. Ob sich daraus eine Stabilisierung der Beschäftigtenzahl ergibt, bleibt offen. Aktuell steht fest: Der Personalabbau in Grünheide war deutlich tiefgreifender als zunächst dargestellt und stellt damit nicht nur das Unternehmen, sondern auch die regionale Politik vor neue Herausforderungen.
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