Telekom startet die Aufholjagd – Analysten sehen noch kräftig Luft nach oben
Markus Weingran
Markus Weingran
Markus Weingran ist seit mehr als 20 Jahren als Kapitalmarkt-Stratege und Aktien-Experte aktiv. Geprägt durch die langjährige Zusammenarbeit mit dem Finanzexperten Hans A. Bernecker verfolgt er einen klaren Anspruch: in jeder Börsenphase das Beste für Anleger herauszuholen. Weitere Einschätzungen und Trading-Ideen teilt er auch täglich in der wallstreetONLINE Börsenlounge auf YouTube.
Nach einer Schwächepahse in diesem Jahr, welche die T-Aktie seit Jahresanfang rund 20 Prozent in Minus drückte, liegt der Kurs jetzt wieder knapp im Plus. Starke Zahlen und höhere Rückkäufe nähren die Hoffnung auf mehr.
Für dich zusammengefasst:
Die Telekom erhöht ihren Aktienrückkauf um 3 Milliarden Euro.
Der Umsatz stieg um 4,4 Prozent auf 29,93 Milliarden Euro.
Analysten sehen Kursziele bis 40 Euro für die Aktie.
Die Deutsche Telekom hat im zweiten Quartal solide geliefert und ihre Aktionäre mit einem milliardenschweren Geschenk überrascht. Der Konzern stockt den laufenden Aktienrückkauf um bis zu drei Milliarden Euro auf. Insgesamt kann die Telekom damit eigene Aktien für bis zu fünf Milliarden Euro erwerben. Gemeinsam mit der Dividende sollen 2026 bis zu zehn Milliarden Euro an die Anteilseigner fließen.
Quartalszahlen liefern den Grundstein dafür
Auch operativ bleiben die Bonner auf Wachstumskurs. Der Umsatz stieg um 4,4 Prozent auf 29,93 Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis legte um 7,5 Prozent auf 11,82 Milliarden Euro zu. Beide Werte lagen weitgehend im Rahmen der Erwartungen.
Der freie Mittelzufluss erhöhte sich um 3,1 Prozent auf 5,03 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr erwartet die Telekom nun rund 20 Milliarden Euro. Bislang hatte der Konzern mehr als 19,8 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Der Free Cashflow gilt als wichtige Grundlage für Dividenden und Aktienrückkäufe.
Zusätzlichen Rückenwind liefert MagentaTV. Die Investition in die Übertragungsrechte für die Fußball-Weltmeisterschaft zahlt sich aus. Das Angebot gewann rund eine Million neue Kunden. "Unsere Geschäfte laufen weiter rund", sagte Konzernchef Tim Höttges.
Schwächer entwickelte sich der Auftragseingang bei T-Systems. Dieser sank um 6,6 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro. Höttges führte den Rückgang auf saisonale Effekte zurück und erwartet eine Belebung im zweiten Halbjahr. Umsatz und Ergebnis der IT-Tochter legten dennoch überdurchschnittlich zu.
T-Systems profitiert zunehmend von der Nachfrage nach souveränen Cloud-Lösungen, sicherer Digitalisierung und Infrastruktur für künstliche Intelligenz. Ein Konsortium mit Beteiligung der Telekom-Tochter erhielt zuletzt einen Auftrag des Bundes über 250 Millionen Euro für zusätzliche Rechenkapazitäten. Hinzu kommt die Entwicklung einer Bürger-App.
Technologieexperte Marcel Tietjen von BearingPoint sieht darin einen strategischen Wandel. Die Telekom entwickle sich vom klassischen Anbieter von Mobilfunk- und Internetanschlüssen zum Infrastruktur-Rückgrat für souveräne europäische künstliche Intelligenz.
An der Börse kam die Mischung aus robustem Wachstum, höherem Cashflow und ausgeweitetem Aktienrückkauf hervorragend an. Die Telekom-Aktie sprang am Donnerstag zeitweise um 5,9 Prozent nach oben und war damit klar der stärkste Wert im DAX.
Für die Anleger kam die Erholung zur richtigen Zeit. Zwischenzeitlich hatte die Aktie seit Jahresbeginn mehr als 20 Prozent verloren. Nach einem Kursgewinn von rund 16 Prozent innerhalb des vergangenen Monats liegt sie inzwischen wieder hauchdünn im Plus.
Der Konzern nutzt damit aus eigener Sicht eine günstige Gelegenheit. DZ-Bank-Analyst Karsten Oblinger verweist auf die historisch niedrige Bewertung und die solide Bilanz. Beides bilde eine hervorragende Grundlage für den erweiterten Rückkauf.
Gleichzeitig könnte die Entscheidung gegen eine baldige vollständige Übernahme der US-Tochter T-Mobile sprechen. Analyst Paul Sidney von Berenberg wertet die zusätzlichen Rückkäufe als Hinweis darauf, dass eine Verschmelzung von Telekom und T-Mobile unwahrscheinlicher geworden sein könnte. Höttges äußerte sich nicht zu den seit Monaten kursierenden Spekulationen.
Auch die wachsende Konkurrenz durch Starlink sieht der Telekom-Chef gelassen. Satellitenverbindungen seien vor allem in ländlichen Regionen eine sinnvolle Ergänzung. Für eine flächendeckende Mobilfunkversorgung fehle es Starlink jedoch an ausreichend starken Signalen und Frequenzkapazitäten.
Analysten sehen weiteres Potenzial
Die Analysten reagierten überwiegend positiv auf das Zahlenwerk. Deutsche Bank (Deutsche Bank Aktie) Research bestätigte die Kaufempfehlung und das Kursziel von 40 Euro. Analyst Robert Grindle bezeichnete das Quartal als beruhigend und hob vor allem den höheren Free Cashflow sowie den ausgeweiteten Aktienrückkauf hervor.
Bernstein bleibt ebenfalls optimistisch. Das Analysehaus bestätigte seine Einstufung "Outperform" und das Kursziel von 37 Euro. Analyst Ulrich Rathe bezeichnete die Ergebnisse als „langweilig solide“. Ohne T-Mobile US hätten Umsatz und operatives Ergebnis die Erwartungen leicht übertroffen.
Berenberg beließ die Aktie auf "Buy" und sieht den fairen Wert bei 35,20 Euro. Die Privatbank wertet vor allem die Aufstockung des Rückkaufprogramms positiv.
JPMorgan bleibt mit einem Kursziel von 38 Euro bei "Overweight". Einschließlich des US-Geschäfts habe der Nettogewinn die Markterwartung um sechs Prozent übertroffen. Der Free Cashflow lag demnach drei Prozent über dem Konsens.
Das geht noch was
Die Quartalszahlen liefern der Telekom-Aktie neuen Schwung. Das operative Geschäft wächst robust, der freie Mittelzufluss steigt und der erweiterte Aktienrückkauf stützt den Kurs zusätzlich. Nach dem Einbruch der vergangenen Monate hat die Aktie innerhalb eines Monats bereits rund 16 Prozent gewonnen. Bis zum Jahresende könnte dennoch weiteres Potenzial bestehen. Die Kursziele der Analysten reichen bis 40 Euro und liegen damit deutlich über dem aktuellen Niveau.
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