Zugleich erlebe man, dass die ökonomische Logik der sozialen Medien - blitzschnell verkürzen, zuspitzen, skandalisieren, polarisieren und eskalieren -, dass dieser rücksichtslose Kampf um Klicks gerade nicht geeignet sei, das Bedürfnis nach Orientierung zu erfüllen, sagte Steinmeier. "Die permanente Lautstärke, der rüpelhafte Ton, die ständig neuen Empörungswellen, der tägliche Wettbewerb um größtmögliche Skandalisierung des Banalen, all das führt nicht dazu, dass wir uns besser zurechtfinden, sondern, dass wir uns schlechter fühlen - erschöpft, gereizt, ängstlich, ohnmächtig, oft wie gelähmt."
Viele Menschen versuchten sich davor zu schützen, indem sie einfach abschalteten, sich abschotteten und zurückzögen. Die "mediale Dauerapokalypse" raube Kraft, Mut und Zuversicht. "Sie ist Gift für unser Miteinander und sie ist Gift für unsere Demokratie."
Steinmeier betonte, nötig sei ein Journalismus, der verlässlich, sachlich und wahrheitsgemäß über das Geschehen informiere. Dieser Journalismus sei sich seiner eigenen Fehlbarkeit und Grenzen bewusst, er lege eigene Fehler offen und korrigiere sie. Und dieser Journalismus berichte auch über Themen, "die gerade nicht ganz oben im Strom schwimmen".
"Ein solcher Journalismus lässt sich nicht von Künstlicher Intelligenz betreiben, auch wenn die Technik im Arbeitsalltag nützliche Dienste leisten kann", sagte Steinmeier. "Ein solcher Journalismus wird sich von den sozialen Medien niemals gleichwertig ersetzen lassen."
Der Bundespräsident bescheinigte der "Süddeutschen Zeitung", dass sie
- gemeinsam mit anderen großen meinungsbildenden Zeitungen und
Zeitschriften - mit ihrem Journalismus die demokratische Öffentlichkeit und die politische Kultur der Bundesrepublik geprägt habe. Für ihn sei die "Süddeutsche" so etwas wie "eine Kosmopolitin aus München - elegant gekleidet, aber mit einer gewissen intellektuellen Lässigkeit, klug und kritisch, offen und neugierig, ironisch und schlagfertig, aber auch immer mit Respekt vor den einzelnen Menschen". Steinmeier appellierte an die Zeitung, sich ihre Leidenschaft für freien und verantwortungsbewussten Journalismus zu bewahren./sk/DP/jha
Hinweis: ARIVA.DE veröffentlicht in dieser Rubrik Analysen, Kolumnen und Nachrichten aus verschiedenen Quellen. Die ARIVA.DE AG ist nicht verantwortlich für Inhalte, die erkennbar von Dritten in den „News“-Bereich dieser Webseite eingestellt worden sind, und macht sich diese nicht zu Eigen. Diese Inhalte sind insbesondere durch eine entsprechende „von“-Kennzeichnung unterhalb der Artikelüberschrift und/oder durch den Link „Um den vollständigen Artikel zu lesen, klicken Sie bitte hier.“ erkennbar; verantwortlich für diese Inhalte ist allein der genannte Dritte.