BERLIN (dpa-AFX) - Außenminister Johann Wadephul beschwört angesichts weltweiter Krisen die transatlantische Partnerschaft zwischen Deutschland und den USA. Die Multi-Krisen "gefährden die Stabilität der Weltwirtschaft und sie drohen einen Keil selbst zwischen enge Partner zu treiben", sagte der CDU-Politiker nach einem Treffen mit seinem US-Amtskollegen Marco Rubio in der US-Hauptstadt Washington. Zugleich betonte er: "Wir arbeiten entschlossen dagegen. Unsere Partnerschaft mit den USA ist gerade in Zeiten tiefgreifender Umbrüche unverzichtbar."
Natürlich erlebe man auch Irritationen im transatlantischen Verhältnis, manche Dinge sehe man unterschiedlich, sagte er mit Blick auf den Nato-Gipfel in der kommenden Woche in Ankara in der Türkei. "Gerade deshalb kommt es jetzt darauf an, gemeinsame Antworten auf die aktuellen Herausforderungen zu suchen." Wadephul betonte: "In mir finden Sie jemanden, der für diese Partnerschaft kämpft", denn sie bleibe für die deutsche Sicherheit, den Wohlstand und für die gemeinsamen Werte von grundlegender Bedeutung.
Wadephul: Kämpfe für transatlantische Partnerschaft
Wegen des Iran-Kriegs sind die Bemühungen der USA zur Vermittlung zwischen Russland und der Ukraine stark ins Stocken geraten. Mit Spannung wird erwartet, ob sich US-Präsident Donald Trump bei dem Nato-Treffen tatsächlich hinter das Bündnis und dessen europäische Mitglieder stellt. Wadephul hatte vor dem Abflug in die USA gesagt, er sei "fest davon überzeugt, dass die Vereinigten Staaten von Amerika ihr Sicherheitsengagement für Europa fortsetzen werden. Daran besteht überhaupt kein Zweifel."
Trump wirft Verbündeten wie Großbritannien, Deutschland und Italien mangelnde Unterstützung vor. Die USA hätten enorme Summen für den Schutz Europas ausgegeben. Als Washington selbst Hilfe gegen den Iran erbeten habe, seien wichtige Partner nicht für die USA da gewesen. Indirekt stellt Trump auch US-Sicherheitszusagen für Europa infrage. Wenn Verbündete den USA bei vergleichsweise kleinen Angelegenheiten nicht helfen wollten, könne Washington künftig ebenfalls Nein sagen, sagte er kürzlich.
Wadephul: Rubio bestätigt Verhandlungen in Doha am Dienstag
Angesichts der trotz einer vereinbarten Waffenruhe angespannten Lage in der für die weltweite Versorgung mit Öl (Rohöl) und Dünger wichtigen Straße von Hormus sagte Wadephul, Rubio habe ihm bestätigt, dass sich Washington und Teheran auf eine Einstellung der gegenseitigen Angriffe geeinigt hätten. Beide Parteien wollten morgen in Doha in Katar weiter verhandeln.
"Man muss aber klar sagen: Es ist die Chance auf Diplomatie in einer insgesamt weiter fragilen Lage", warnte Wadephul. Der Iran scheine trotz vereinbarter Waffenruhe weiter gewillt zu sein, nach Belieben das Eskalationsregister weiter hochzudrehen. Mit Rubio habe er erneut über die deutsche Bereitschaft zur Beteiligung an der Räumung von Seeminen in der Wasserstraße gesprochen. Mit dem in der Region stationierten deutschen Minenjagdboot könne man schnell handeln. Es sei aber völlig klar, dass ein solcher Einsatz nicht gegen den Willen Omans oder gegen den Willen Irans stattfinden könne.
Direkt nach dem Treffen mit Rubio wollte Wadephul nach Paraguay weiterreisen. In der Hauptstadt Asunción nimmt er morgen am Gipfel der Mercosur-Staaten teil. Die EU und die Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay bilden seit Anfang Mai eine riesige neue Freihandelszone. Das Abkommen soll durch den Abbau von Handelsbarrieren und Zöllen den Austausch von Waren und Dienstleistungen ankurbeln./bk/DP/he
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