
Novo Nordisk: Vom Überflieger zum Anlegerschreck
Seit fast 2 Jahren kämpft die Aktie von Novo Nordisk mit einem hartnäckigen Abwärtstrend, der auf seinem Höhepunkt vor wenigen Tagen fast 80 Prozent des einstigen Börsenwertes vernichtet hat. Gegenüber dem Rivalen Eli Lilly ist der dänische Pharma- und Biotechnologiekonzern kein Wachstumswert mehr.
Der Kampf um Marktanteile im milliardenschweren Geschäft mit Abnehmpräparaten hat nicht nur die Margen, sondern angesichts stark gesunkener Preise für Ozempic und Co. auch das Umsatzergebnis belastet. Gleichzeitig fielen einige Studien zu Präparaten der nächsten Generation enttäuschend aus. Viele Anlegerinnen und Anleger haben daher, um fortgesetzte Opportunitätskosten zu vermeiden, längst die Segel gestrichen.

Mehrjahrestief entfaltete Signalwirkung
Die Eskalation des Iran-Konflikts hat die Aktie vergleichsweise gut überstanden. Im Vergleich zum Kriegsausbruch hat Novo Nordisk kaum an Wert verloren. Das ist mit Blick auf die in diesem Jahr bereits angefallenen Verluste aber nur ein schwacher Trost.
Übergeordnet befindet sich die Aktie in einem mehrjährigen Abwärtstrend mit hoher Dynamik und zahlreichen Trendverschärfungen. Eine in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres aussichtsreiche Bodenbildung scheiterte nach einem Fehlausbruch über 400 Dänische Kronen (DKK; 53,52 Euro) und fiel zwei Verkaufslawinen zum Opfer, wodurch die Aktie mit rund 226 DKK (30,24 Euro) auf den tiefsten Stand seit Mai 2021 krachte. Solche Mehrjahrestiefs stellen eigentlich Verkaufssignale dar.
Jetzt könnte es um weitere 15 Prozent nach oben gehen
Da Novo Nordisk mit Blick auf die technischen Indikatoren RSI und MACD zu diesem Zeitpunkt schon stark überverkauft war, blieben weitere Verluste aus. Stattdessen kam es bei 226 DKK zu einem Doppelboden. Dessen Früchte konnte die Aktie in den vergangenen Tagen ernten. Dabei wurden nicht nur die Marke von 250 DKK (33,45 Euro) zurückerobert, die nun als Unterstützung dienen könnten, sondern auch die 50-Tage-Linie.
Der Sprung über diesen Durchschnitt gilt als erstes prozyklisches Kaufsignal. Dazu kommt unter Berücksichtigung des MACD sogar ein zweites hinzu. Der konnte sich über seine Signallinie schieben und signalisiert damit einen neuen Aufwärtstrend der Aktie. Die hat nach dem Anstieg über die 50-Tage-Linie Platz zunächst bis 300 DKK (40,14 Euro), was einem Anstiegspotenzial von rund 15 Prozent entspricht.
Hoher RSI mahnt vorerst zur Vorsicht
Ein direkter Durchmarsch an diesen Widerstand könnte sich jedoch als schwierig erweisen, weil der Relative-Stärke-Index (RSI) bereits im überkauften Bereich liegt. Das zeigt, dass der Kraftaufwand für den jüngsten charttechnischen Erfolg groß war. Vor einer Fortsetzung der Gewinne könnte daher eine Konsolidierung nötig sein, die sich idealerweise oberhalb von 250 DKK vollziehen würde.
Wenn das der Fall ist, wäre das ein für Anlegerinnen und Anleger ermutigendes Zeichen und könnte dafür genutzt werden, entweder einzusteigen oder bei bestehenden Positionen nochmal nachzulegen. Für Kurse unterhalb von 250 DKK gilt es allerdings die Unterstützung bei 226 DKK zu beachten.
Wird diese nachhaltig (also mindestens auf Wochenschlusskursbasis) unterschritten, deutet das auf eine Fortsetzung des Abwärtstrends hin. Die nächste aus dem langfristigen Chartbild ableitbare Unterstützung läge dann bei 200 DKK (26,76 Euro).
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Fazit: Man muss hier nach wie vor nicht investiert sein
Der Aktie von Novo Nordisk ist in den vergangenen Tagen mit dem Sprung über die 50-Tage-Linie ein erstes prozyklisches Kaufsignal gelungen, das von einem weiteren Kaufsignal im MACD unterstützt wurde. Der kurzfristig überhitzte RSI deutet jedoch auf eine Zwischenkonsolidierung hin, ehe die Aktie ihre Erholung fortsetzen könnte.
Fundamental bleibt das Umfeld für das Unternehmen herausfordernd. Der Wettbewerbs- und Innovationsdruck steigt, während gleichzeitig Preis- und Margendruck herrschen. Das führt zu niedrigeren Wachstumserwartungen. Mit einem KGVe 2026 von 12,1 und einer Dividendenrendite von 4,2 Prozent ist Novo Nordisk inzwischen tief im Value-Bereich angelangt, diese Aktien hatten es zuletzt aber schwer, bei Investoren zu punkten.
Autor: ARIVA.DE Redaktion/Max Gross
