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Wochenausblick: Zollbrief verdirbt Stimmung

Die Hoffnungen auf einen Handels-Deal mit den USA sind erst einmal dahin. Etliche verweisen auf ohnehin zu hohe Bewertungen, viele sehen aber eine gute Einstiegsgelegenheit gekommen.  
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14. Juli 2025. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Dass US-Präsident Trump Einfuhren aus der EU ab dem 1. August mit einem Zoll von 30 Prozent belasten will, setzt den Börsen zu. Denn eigentlich war nach wochenlangen Verhandlungen mit einer gütlichen Einigung im Handelsstreit gerechnet worden. Noch am Mittwoch hatte der DAX mit 24.639 Punkten ein neues Allzeithoch erreicht, am Montagmorgen sind es nur noch 24.020 Zähler. Auch der Stoxx Europe 600 zeigt sich angeschlagen. Auffällig ist die Bitcoin-Entwicklung: Die wichtigste Kryptowährung hat ein neues Rekordhoch markiert. Im frühen Handel kletterte der Kurs erstmals über die Marke von 120.000 US-Dollar, aktuell sind es 122.000 US-Dollar.

 

„Entscheidender Moment in Zollsaga rückt näher“

Schon ab Donnerstag war die Stimmung an den Börsen gedämpfter – Trump hatte der EU mit pauschalen Strafzöllen in Höhe von 15 oder 20 Prozent gedroht. Am Samstag folgte dann die konkrete Ankündigung der 30 Prozent ab August. „Die Unsicherheit ist groß, zumal Handelsbeschränkungen durch Zölle negative Auswirkungen auf die Konjunktur- und Inflationsentwicklung haben“, bemerkt Helaba-Analyst Ulrich Wortberg. 

„Der Brief von Donald Trump an die EU ist kein Liebes-, aber auch kein Hassbrief. Es ist ein Brief, der den Druck in den laufenden Verhandlungen erhöhen soll“, kommentiert Chefvolkwirt Carsten Brzeski von der ING. Die nächsten Tage und Wochen würden zeigen, ob Europa bereit und in der Lage sei, Kompromisse nach dem Geschmack der USA einzugehen. „Auf jeden Fall deuten die Briefe darauf hin, dass der entscheidende Moment in der Zollsaga immer näher rückt.“
 

Bewertungen zu hoch?

Für Sören Hettler von der DZ Bank bewegen sich die Bewertungskennziffern für die meisten Indizes ohnehin im teuren Bereich. Die Gewinnerwartungen je Aktie hätten mit dem Kursanstieg nicht Schritt gehalten, das KGV liege deutlich über dem langfristigen Durchschnitt. Eine sehr ambitionierte Bewertung zeigten auch andere Kennzahlen wie Kurs-Buchwert-Verhältnis, Dividendenrendite oder Risikoprämie gegenüber Staatsanleihen. Hettler sieht erhöhte Rückschlagrisiken auf kurze bis mittlere Sicht – vor allem für DAX und S&P 500. „Das Jahr 2026 dürfte aber nachhaltig höhere Kurse und neue Rekorde bereithalten.“
 

„Schwächephasen für Käufe nutzen“

Andreas Hürkamp von der Commerzbank empfiehlt angesichts vielversprechender Konjunkturperspektiven für 2026 auch in den kommenden Monaten mögliche schwächere Marktphasen für einen Ausbau von DAX-Positionen zu nutzen. „Eine aufgrund des starken Euro durchwachsene DAX-Gewinnsaison und eine kurzzeitig durch die US-Importzölle steigende US-Inflation könnten den DAX-Rekordlauf in seinen saisonal oft schwächeren Monaten August und September aber zunächst bremsen“, meint er. 
 

Start der US-Berichtssaison

Am morgigen Dienstag eröffnen mit Citigroup, JP Morgan und Wells Fargo die US-Großbanken die US-Berichtssaison für das zweite Quartal. Am Mittwoch folgen Bank of America, Goldman Sachs und Morgan Stanley. Dann geht es zügig weiter, unter anderem mit Johnson & Johnson und Netflix. Laut DekaBank rechnet der Konsens für den S&P 500 mit einem Gewinnplus von rund 3,5 Prozent – eine klare Abschwächung nach dem überraschend starken ersten Quartal. Die Bank erwartet vor allem für S&P 500-Unternehmen zwar deutlich über den Schätzungen liegende Zahlen. „Anleger dürften aber einige gute Nachrichten bereits vorweggenommen haben“, erklärt Ulrich Kater.
 

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten

 

Dienstag, 15. Juli

4.00 Uhr. China: BIP zweites Quartal. Nach Einschätzung der DekaBank haben chinesische Exporteure die Belastung durch erhöhte US-Zölle mithilfe von Umgehungsstrategien und höherem Absatz auf anderen Märkten abgefedert. Dennoch habe sich das Wachstum wohl verlangsamt.

11.00 Uhr. Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen Juli. Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland haben im Juli wieder das Niveau von vor dem „Liberation Day“ erreicht, meint die DekaBank. Die Lagebeurteilung zeige diese Erholung zwar noch nicht an, doch sie könne immerhin auf das höchste Niveau seit zwei Jahren ansteigen.

14.30 Uhr. USA: Verbraucherpreise Juni. Der Preisdruck dürfte weiter zugenommen haben, meint die Deutsche Bank. Für die jährliche Gesamtrate werde ein Anstieg von 2,4 auf 2,6 Prozent erwartet, für die Kernrate ein Zuwachs von 2,8 auf 2,9 Prozent.

Donnerstag, 17. Juli

14.30 Uhr. USA: Einzelhandelsumsatz Juni. Die Zahlen werden laut Commerzbank zeigen, dass die US-Wirtschaft aufgrund der latenten Unsicherheit im Handelsstreit derzeit eine schwächere Phase durchläuft.
 

von: Anna-Maria Borse, 14. Juli 2025, © Deutsche Börse AG

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