Neue Recherchen und Gerichtsunterlagen zeigen jedoch ein System, das stärker auf Inszenierung als auf Technologie gesetzt hat. Im Zentrum: Sam Lee. Er hat sich jahrelang als Visionär der Krypto-Branche präsentiert und mit HyperVerse ein weltweites Netzwerk aus Anlegern, Promotern und Mitgliederwerbung aufgebaut.
US-Behörden werfen Lee und seinem Geschäftspartner nun vor, Investoren mit unrealistischen Renditeversprechen angelockt zu haben. Frühere Auszahlungen sollen aus neu eingeworbenem Kapital gekommen sein – ähnliche Dynamiken, die sich bereits beim Kollaps von Terra (LUNA) gezeigt haben. Der von der US-Börsenaufsicht SEC bezifferte Schaden: rund 1,89 Milliarden US-Dollar.
Ein Detail sticht besonders hervor. HyperVerse präsentierte Investoren einen angeblichen Vorstandschef namens Steven Reece Lewis. Aufsichtsbehörden und internationale Medien haben später jedoch bestätigt, dass es sich um einen thailändischen Schauspieler gehandelt haben soll. Profil und Vita waren frei erfunden.
Die SEC bezeichnet HyperFund, den Vorgänger von HyperVerse, ausdrücklich als Pyramidensystem mit mehrstufigem Empfehlungsmodell. Neue Anlegergelder sollen frühere Auszahlungen finanziert haben. Sam Lee bestreitet die Vorwürfe bis heute.
Ein kurzes Cameo-Video mit Apple-Mitgründer Steve Wozniak spielte ebenfalls eine wichtige Rolle. HyperVerse hat die personalisierte Botschaft später intensiv für das Marketing genutzt und bei vielen Anlegern den Eindruck prominenter Unterstützung erzeugt.
Wozniak erklärte später, das Video sei individuell bestellt worden und stelle keine geschäftliche Verbindung zu HyperVerse dar. Für viele Investoren ist diese Einordnung zu spät gekommen.
Der Fall zeigt ein Muster, das sich durch zahlreiche Krypto-Betrugsfälle wie auch dem Bitconnect-Skandal zieht. Vertrauen entsteht oft nicht über transparente Geschäftsmodelle oder überprüfbare Zahlen. Es entsteht durch inszenierte Glaubwürdigkeit.
Anleger haben von euphorischen Zoom-Meetings mit hunderten Teilnehmern und starkem sozialem Druck innerhalb der Community berichtet. Viele Investoren haben den Krypto-Scam erst erkannt, nachdem die Auszahlungen gestoppt haben.
Nach dem Zusammenbruch von Blockchain Global und HyperVerse hat Sam Lee Australien verlassen und ist später in Dubai mit neuen Metaverse- und Krypto-Projekten aufgetaucht. Genannt werden unter anderem HyperOne, Stable DAO und Vidilook.
Experten sehen Dubai seit Jahren als attraktiven Standort für fragwürdige Krypto-Projekte, weil Regulierung und internationale Strafverfolgung dort oft langsamer greifen. Die Vereinigten Arabischen Emirate standen bis 2024 auf der Grauen Liste der FATF, der internationalen Organisation gegen Geldwäsche.
Die FATF hat das Land inzwischen von der Liste gestrichen. Kritiker sehen trotzdem weiter Defizite bei der Bekämpfung internationaler Finanzkriminalität. Für viele Beobachter zählt HyperVerse zu den größten dokumentierten Krypto-Scams der vergangenen Jahre.
Lee weist alles von sich. In Interviews behauptet er, Regulierer würden Kryptowährungen und Multi-Level-Marketing missverstehen. Die Vorwürfe der SEC und des US-Justizministeriums bestehen derweil weiter. Ob Sam Lee jemals in den USA vor Gericht erscheinen wird, bleibt jedoch offen. Die Aufarbeitung des Falls läuft bis heute.
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