Aus seiner Sicht hat der Ölpreis eine mehrjährige Keilformation nach oben verlassen und damit ein technisches Signal generiert, das für steigende Notierungen spricht. Parallel dazu haben Aktien großer Energiekonzerne wie ExxonMobil, Chevron, TotalEnergies oder OMV seit Jahresbeginn deutlich zugelegt - ein Hinweis darauf, dass institutionelle Investoren den Sektor bereits neu bewerten.
Den jüngsten Preisschub führt Florian Grummes maßgeblich auf die Eskalation zwischen den USA und dem Iran zurück. Innerhalb von zwei Tagen verteuerte sich Rohöl um mehr als sieben Prozent und erreichte mit über 71 US-Dollar pro Barrel den höchsten Stand seit dem vergangenen Sommer. Der Globale Unsicherheitsindex markierte am 18. Februar ein historisches Hoch und lag damit deutlich über den Spitzenwerten während der Finanzkrise 2008, der Dotcom-Blase und der Corona-Pandemie. Für Grummes ist dies ein klares Indiz dafür, dass der Ölmarkt zunehmend politisiert wird und sensibel auf potenzielle Risiken reagiert.
Im Zentrum steht das iranische Atomprogramm. Die US-Regierung verschärfte ihre Rhetorik und baute ihre militärische Präsenz in der Region massiv aus. Gleichzeitig kam es im Umfeld der Straße von Hormus - einer der wichtigsten Handelsrouten für Rohöl, über die rund 20 Prozent der weltweiten Exporte abgewickelt werden - zu zeitweisen Einschränkungen des Schiffsverkehrs. Bereits die Möglichkeit einer Unterbrechung reichte aus, um die Preise nach oben zu treiben. Grummes betont, dass der Ölmarkt nicht erst auf reale Lieferausfälle reagiert, sondern bereits auf deren Wahrscheinlichkeit. Versicherungsprämien, Frachtraten und Terminmärkte spiegelten diese Unsicherheit unmittelbar wider.
Zusätzlich verweist Florian Grummes auf wachsende Spannungen innerhalb Irans. Proteste gegen das Regime erhöhen den innenpolitischen Druck, während außenpolitisch Russland und China ihre Kooperation mit Teheran vertiefen. Russland hat den Iran über Jahre mit modernen Flugabwehrsystemen ausgestattet. China unterstützt beim Aufbau eines mehrschichtigen Luftverteidigungs- und Überwachungsnetzes und fördert den Einsatz des Satellitennavigationssystems BeiDou. Nach Einschätzung von Grummes ist dadurch eine deutlich robustere Verteidigungsstruktur entstanden, als viele westliche Beobachter vermuten.
Gleichzeitig bleibt offen, ob Moskau oder Peking im Falle einer militärischen Eskalation tatsächlich eingreifen würden. Ein möglicher Machtverlust Irans hätte jedoch erhebliche strategische Folgen für beide Staaten, was die geopolitische Lage zusätzlich verkompliziert.
Aus charttechnischer Perspektive ordnet Florian Grummes die aktuelle Entwicklung in einen langfristigen Kontext ein. Seit dem Hoch bei rund 150 US-Dollar im Sommer 2008 befand sich der Ölpreis in einem übergeordneten Abwärtstrend. Die Finanzkrise, der US-Fracking-Boom und der pandemiebedingte Nachfrageeinbruch führten zu massiven Verwerfungen, darunter sogar negative Preise im Frühjahr 2020. Die anschließende Erholung bis in den Bereich von 130 US-Dollar wurde seit Februar 2022 in Form eines fallenden Keils korrigiert. Mit dem jüngsten Ausbruch aus dieser Formation sieht Grummes nun ein technisches Signal mit weiterem Aufwärtsspielraum. Ein erstes Kursziel verortet er bei rund 90 US-Dollar. Innerhalb des langfristigen Trendkanals lasse sich zudem ein Szenario im Bereich von 120 US-Dollar ableiten.
Ein zentrales Argument in der Analyse von Florian Grummes ist die Gold/Öl-Ratio. Derzeit sind etwa 83 Barrel Öl erforderlich, um eine Unze Gold zu erwerben - ein im historischen Vergleich hoher Wert. Für Grummes deutet dies darauf hin, dass Öl relativ günstig bewertet ist.
Zwar zeigt die Ratio charttechnisch eine übergeordnete Formation, die langfristig auch höhere Goldpreise ermöglichen könnte. Auf Sicht der kommenden ein bis drei Jahre hält Grummes jedoch eine Phase relativer Stärke im Energiesektor für realistisch. Selbst bei weiter steigenden Goldpreisen könnte Öl prozentual stärker zulegen. Ein solches Szenario hätte unterschiedliche Auswirkungen auf verschiedene Marktsegmente. Während Energieunternehmen profitieren könnten, würden steigende Förder- und Energiekosten die Margen von Minenunternehmen unter Druck setzen.
Für Florian Grummes steht fest, dass der Ölmarkt nach Jahren der Unterinvestition wieder in den strategischen Mittelpunkt rückt. Energieimporte, Währungsfragen und geopolitische Machtverschiebungen verleihen dem Rohstoff eine neue Bedeutung.
Während Gold derzeit konsolidiert, sieht Grummes im Ölmarkt die Chance auf eine strukturelle Neubewertung. Die Kombination aus technischer Trendwende, geopolitischer Eskalation und relativer Unterbewertung gegenüber Gold spreche aus seiner Sicht für steigende Notierungen. Ob sich daraus ein nachhaltiger Zyklus zugunsten der Energiebranche entwickelt, hängt maßgeblich von der weiteren geopolitischen Entwicklung ab. Klar ist jedoch, dass Florian Grummes im aktuellen Marktumfeld eine deutliche Verschiebung der Kräfteverhältnisse zwischen Edelmetallen und Energie erkennt.
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