Künstliche Intelligenz hat Krypto zuletzt ganz klar die Show gestohlen. Ein erheblicher Teil des Risikokapitals ist in den KI-Sektor geflossen. Dass Bitcoin davon nicht profitiert hat, ist offensichtlich. Jetzt aber korrigiert genau dieser Sektor. Tech fällt, KI fällt, und weil Krypto damit korreliert, fällt eben auch Bitcoin. Das ist kein spezifisches Krypto-Problem, sondern ein normaler Markteffekt. Daraus eine strukturelle Schwäche von Bitcoin abzuleiten, ist falsch.
Auch wenn er noch gar nicht im Amt ist, fürchten sich die Märkte – oder vor allem diejenigen, die darüber berichten – vor dem neuen US-Notenbankkandidaten Kevin Warsh. Er steht für all das, was schlecht für Bitcoin ist: eine restriktive Geldpolitik.
Nun allerdings zu glauben, dass er eine restriktive Geldpolitik bei einem US-Schuldenberg von 38,5 Billionen US-Dollar und jährlichen Zinsausgaben von über einer Billion US-Dollar durchsetzen kann, ist Unsinn. Sollte Warsh in das Amt des US-Notenbankchefs kommen, wird er die Märkte über kurz oder lang mit Geld fluten, nicht weil er das will, sondern weil er es muss, um das System stabil zu halten.
Ein zentraler Unterschied zu früheren Marktphasen wird dabei oft übersehen. Wir haben wieder positive Realzinsen. Geldwerte wie Staatsanleihen liefern nach Abzug der Verbraucherpreisinflation reale Rendite. In so einem Umfeld haben Assets ohne Cashflow wie Bitcoin zwangsläufig einen schwereren Stand. Das ist keine Wertung, sondern Marktlogik. Vor wenigen Jahren war es genau andersherum. Diese Phase ist vorbei.
Dazu kommt der Yen Carry Trade, der von Monat zu Monat mehr die Märkte belastet. Ein Thema, das wenig Aufmerksamkeit bekommt, aber enorme Wirkung entfaltet. Steigende Zinsen in Japan führen dazu, dass Kapital aus dem Ausland zurückgeholt wird. Positionen werden aufgelöst, Liquidität wird entzogen. Das erzeugt Verkaufsdruck auf ausländische Vermögenswerte. Tech, Aktien, Krypto. Bitcoin ist davon nicht ausgenommen. Auch das ist kein Bitcoin-spezifisches Phänomen, sondern Teil eines globalen Liquiditätsprozesses.
Doch Sachgründe und makroökonomische Kausalitäten reichen nicht aus. Es müssen Personen als Watschenmann her. Wer wäre da, neben einem neuen US-Notenbanker, besser geeignet als Michael Saylor mit seinem gehebelten Bitcoin-Vehikel Strategy.
Er steht stellvertretend für die vielen Digital-Treasury-Unternehmen, die über windige Finanzierungen Bitcoin oder andere Kryptowährungen gekauft haben und nun teilweise unter Verkaufsdruck geraten.
Und dann gibt es noch das, was in jeder Panikphase zuverlässig auftaucht. Das passende Untergangsnarrativ. Früher waren es der Energieverbrauch oder Hard-Fork-Szenarien. Heute sind es Quantencomputer. Plötzlich soll Bitcoin kurz davor stehen, gehackt zu werden. Ich halte das für Angstmacherei. Nicht, weil Quantentechnologie harmlos wäre, sondern weil die Schlussfolgerungen schlicht falsch sind.
Bitcoin ist kein starres System. Es ist wandelbar und kann sich anpassen. Sollte Quantentechnologie tatsächlich von heute auf morgen praxisreif werden, hätte die Welt ganz andere Probleme als die Bitcoin-Wertstabilität. Unsere gesamte digitale Infrastruktur stünde infrage. Und die Vorstellung, ein staatlicher Akteur würde seine technologischen Fähigkeiten als Erstes dafür einsetzen, ein öffentliches Blockchain-Netzwerk anzugreifen, halte ich für realitätsfern. Das wäre strategisch dumm und ergibt spieltheoretisch keinen Sinn.
Trotzdem wirkt dieses Narrativ. Weil es Angst erzeugt. Und Angst führt zu Verkäufen. Positionen werden geschlossen, Hebel abgebaut, Longs verschwinden. Der Markt wird defensiv. Nicht, weil Bitcoin ein fundamentales Problem hat, sondern weil Unsicherheit dominiert.
Was mich an der aktuellen Debatte besonders stört, ist das Ausblenden der Fundamentaldaten und substanziellen Entwicklungen im Sektor. Während der Kurs fällt, schreitet die institutionelle Entwicklung weiter voran. Stablecoins, Tokenisierung, regulatorische Klarheit, Infrastruktur. All diese Bereiche liefern belegbare Fortschritte und helfen letztlich auch Bitcoin und dem Krypto-Sektor. Es interessiert nur gerade kaum jemanden.
Deshalb sage ich klar: Es gibt nicht den einen Grund. Es gibt viele. Makroökonomie, Liquidität, Psychologie, Narrative. Welcher davon betont wird, ist oft eher Geschmackssache als Analyse. Wenn es so kracht wie jetzt, liegt das selten an großen Geheimnissen. Meist reicht eine dünne Buy-side im Orderbuch und ein Dominoeffekt aus liquidierten Long-Positionen, um den Markt nach unten zu reißen.
Auch wenn diese Börsenweisheit maximal ausgeleiert ist und in sozialen Medien längst inflationär verwendet wird: “Kaufen, wenn die Kanonen donnern, verkaufen, wenn die Violinen spielen”, bleibt eine der wenigen Investmentregeln, die am Ende tatsächlich den Unterschied machen. Gerade an Tagen wie diesen. Denn eines ist klar: Es gibt deutlich mehr Gründe, die langfristig für steigende Bitcoin-Kurse sprechen, als für die Untergangsszenarien, die aktuell medial gezeichnet werden.
Wer jetzt unsicher ist, sollte sich eine einfache Frage stellen: Was hat sich seit dem letzten Bitcoin-Kauf am grundlegenden Wertversprechen verändert, das rechtfertigen würde, heute selbst zum Verkäufer zu werden? Wer darauf keine überzeugende Antwort findet, weiß, was zu tun ist.
Bitcoin ist kein Selbstläufer. War er nie. Aber er ist auch nicht am Ende, nur weil das Umfeld aktuell gegen Risiko spielt. Die eigentliche Gefahr liegt nicht im Markt selbst, sondern in den Geschichten, die wir uns gerade darüber erzählen.
Wer die aktuelle Marktkorrektur als Einstiegschance sieht und in Bitcoin oder andere Krypto-Assets investieren möchte, kann dies über Coinbase tun. Neukunden erhalten dort aktuell 30 Euro in Bitcoin, sofern sie mindestens denselben Betrag investieren. Hier registrieren.

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